KAPITEL 5: Der Aufruf, zu bezeugen, dass es keinen anbetungswürdigen Gott gibt, außer Allah

Der Autor sagt: „Kapitel: Der Aufruf, zu bezeugen, dass es keinen anbetungswürdigen Gott gibt, außer Allah.“

Der Zusammenhang zwischen diesem Kapitel und den vorherigen ist deutlich zu sehen. In den vorherigen Kapiteln, hat er in Kapitel eins den Tauĥīd erklärt, in Kapitel zwei den Vorzug des Tauĥīds erwähnt und in Kapitel drei den Vorzug desjenigen gezeigt, der den Tauĥīd verwirklicht, und schließlich in Kapitel vier, das Gegenteil vom Tauĥīd erklärt, nämlich Schirk. Wenn nun der Student des Wissens (Tālib al-‘Ilm) diese Kapitel verinnerlicht hat und genug Kenntnis darüber sammeln konnte, was der Tauĥīd ist, welche Vorzüge er hat und wie er verwirklicht werden kann, aber auch das Gegenteil dazu kennt, nämlich der große Schirk, aber auch der kleine Schirk, die Neuerungen (Bidda‘) und alle Arten der Sünde, die den Tauĥīd (einer Person) verringern, dann ist er jetzt dazu qualifiziert, zu Allah, Den Erhabenen, zu rufen (Da’wah). Denn es ist nicht erlaubt für eine Person, die sich einiges von diesem Wissen aneignen konnte, dass er es in seinem Inneren verbirgt und dort verschließt, da er es allein für sich beansprucht.

Die gesamte Ummah ist beteiligt an diesem Wissen, sodass wenn jemand etwas Kenntnis darüber hat, er dieses auch weiter verbreiten muss und die Menschen dazu rufen soll. Diese Ummah, ist eine Ummah der Da’wah, so wie es der erhabene Allah gesagt hat: "Ihr seid die beste Gemeinschaft, die für die Menschen hervorgebracht worden ist. Ihr gebietet das Rechte und verbietet das Verwerfliche und glaubt an Allah."[1] Der erhabene Allah sagte auch: "Und es soll aus euch eine Gemeinschaft werden, die zum Guten aufruft, das Rechte gebietet und das Verwerfliche verbietet. Jene sind es, denen es wohl ergeht."[2] Deshalb ist es einem Muslim, der sich einiges an Wissen aneignen konnte, nicht erlaubt, zu schweigen, wenn er sieht, wie sehr die Menschen darauf angewiesen sind, vor allem wenn es sich um das Wissen über den Tauĥīd und der ‘Aqīdah (Glaubenslehre) handelt. Denn, wenn er dies tut, dann hat er es unterlassen, einer besonderen Verpflichtung nachzukommen.

Eine Person sollte auch nicht sagen, „die einzige Verpflichtung die ich habe, ist gegenüber mir selbst, was interessiert mich der Rest“, so wie es einige dieser unwissenden und faulen Menschen tun. Gewiss, zuerst musst du der Verpflichtung gegenüber dir selbst nachkommen, doch dann musst du auch die Menschen zur Religion des erhabenen Allahs rufen. Wenn du dich allein auf dich selbst beschränkst, hast du es versäumt, einer besonderen Verpflichtung nachzukommen, weshalb du am Tag der Auferstehung auch diesbezüglich zur Rechenschaft gezogen wirst. Du läufst Gefahr, den Zorn Allahs auf dich zu ziehen, da du es unterlassen hast, einer Verpflichtung nachzukommen, die dir der erhabene Allah auferlegt hat, nämlich das Rufen zu Allah. Das ist auch der Grund, für die Einführung dieses Kapitels an dieser Stelle.

Seine Aussage, „Kapitel: Der Aufruf, zu bezeugen, dass es keinen anbetungswürdigen Gott gibt, außer Allah“, bedeutet, dass man Da’wah machen soll. Denn ein Muslim, dem der erhabene Allah diese Wohltat erwiesen hat, indem Er ihn Kenntnis über den Tauĥīd und dem Schirk gab, kann nicht schweigen, wenn er sieht, wie die Menschen unwissend sind bezüglich dem Tauĥīd und stets in den großen und kleinen Schirk fallen. Er kann darüber nicht schweigen, so wie es zahlreiche Studenten des Wissens und Gelehrte trotzdem tun, die sehen, worauf sich die Menschen an schlechten und falschen Glaubensfundamenten befinden und Schreine anbeten und trotzdem darüber schweigen, indem sie sagen: „Wir kümmern uns nur um uns selbst.“ Dadurch haben sie es versäumt, einer besonderen Pflicht nachzukommen. Würden überall die Gelehrten und die Studenten des Wissens ihrer Verpflichtung nachkommen, die ihnen der erhabene Allah in dieser Sache auferlegt hat, dann würdest du sehen, dass sich die Menschen in einer anderen Lage befinden werden als in dieser.

Heutzutage posaunen die islamischen Länder mit dem großen Schirk, indem Schauplätze und Besucherorte errichtet werden, die voller Schirk sind. Es werden außerdem enorme Gelder dafür ausgegeben. Auch die Länder des Unglaubens unterstützen solche Vorhaben intensiv. Die Muslime hingegen, schweigen über diese Situation. Dies ist aber eine große Gefahr, die diese Ummah befallen hat. All die Kriege, Hungersnöte und andere Dinge, die ihr kennt, sind das Resultat dieser Nachlässigkeit - möge Allah uns davor bewahren. Deshalb ist die Da’wah eine besondere Pflicht!

 

 



[1]
Āli ‘Imrān 3:110

[2] Āli ‘Imrān 3:104

Vers: "Sag: Das ist mein Weg (şabīl): Ich rufe zu Allah aufgrund eines sichtbaren Hinweises (basseera)."

Und die Aussage des erhabenen Allahs: "Sag: Das ist mein Weg (şabīl): Ich rufe zu Allah aufgrund eines sichtbaren Hinweises (basseera)."[1]

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Er, möge Allah mit ihm gnädig sein, hat gesagt: „Und die Aussage des erhabenen Allahs: "Sag: Das ist mein Weg (şabīl): Ich rufe zu Allah aufgrund eines sichtbaren Hinweises (basseera), ich und diejenigen, die mir folgen. Preis sei Allah! Und ich gehöre nicht zu den Götzendienern."“ Dieser Vers ist einer der letzen Verse der Sure Yūşuf. Der erhabene Allah befiehlt darin Seinem Gesandten Muĥammad, möge Allah ihn loben und Heil schenken, er solle den Menschen seinen Weg und den seiner Gefolgschaft verkünden, nämlich das Rufen zu Allah aufgrund eines sichtbaren Hinweises (basseera). Das weist daraufhin, dass derjenige, der die Menschen nicht aufgrund eines sichtbaren Hinweises ruft, er die Gefolgschaft zum Propheten nicht wirklich verwirklicht hat, auch wenn er ein Gelehrter sein sollte.

Die Aussage des erhabenen Allahs: "Sag", bedeutet: Sag o Muĥammad zu den Menschen: "Das ist mein Weg (şabīl)." Aş-Şabīl bedeutet: Der Weg, auf dem ich schreite.

"Ich rufe zu Allah." Das heißt, der Aufruf zum Tauĥīd Allahs, zum Widmen all der Anbetung Ihm allein und zum Unterlassen der Anbetung anderer neben Ihm, genauso wie auch der Aufruf zu den restlichen Kulthandlungen dieser Religion ist. Somit umfasst die Da’wah gegenüber dem Ungläubigen, dass er den Islam annimmt, und die Da’wah gegenüber den Sündern von den Muslimen, dass sie bei Allah für ihre Taten bereuen und ihren Verpflichtungen nachkommen sollen, die ihnen der erhabene Allah auferlegt hat. Man warnt sie vor dem Fallen in Schirk und weist sie darauf hin, all die Sünden zu unterlassen. Die Da’wah ist nicht allein auf die Ungläubigen beschränkt. Auch die Muslime, die in Sünden und Vergehen geraten sind, sind auf eine Da’wah angewiesen. Es ist ein Aufruf zur Reue, zum Umsetzen der Pflichten, zum Unterlassen der Verbote und zur Furcht vor dem erhabenen Allah. Somit ist die Da’wah hier allgemein. Hiermit ist aber auch die Da’wah zum Kennenlernen des Tauĥīds und seines Gegenteils gemeint.

"Ich rufe zu Allah." Der Scheikh, möge Allah mit ihm gnädig sein, hat gesagt: „Hierin ist ein Verweis auf die Notwendigkeit der Aufrichtigkeit (Ikhlāş). Denn es gibt Menschen, die in Wirklichkeit nur zu sich selbst aufrufen.“ Es kann nämlich sein, dass eine Person Da’wah betreibt, indem er Vorträge und Predigten hält, doch seine Absicht darin ist, dass seine Angelegenheiten unter den Menschen bekannt werden, sodass er dann eine besondere Stellung unter ihnen genießt und sie ihn dafür loben und sich um ihn scharen. Wenn das seine Absicht ist, dann ruft er nicht wirklich zum erhabenen Allah. Im Gegenteil, er ruft zu seiner Person. Ein Mensch, der die Da’wah unterlässt, der hat dadurch eine besondere Verpflichtung unterlassen. Und derjenige, der in seiner Da’wah nicht aufrichtig ist, der hat ein Verbot begangen. Die Da’wah ist deshalb notwendig und sollte allein um Allahs Willen unternommen werden. Die Absicht darin sollte sein, die Gesetze Allahs zu etablieren. Und die Absicht darin sollte auch sein, die Menschen rechtzuleiten und für sie nützlich zu sein. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie dich dafür loben oder rügen. Denn es gibt Menschen, wenn sie für ihre Da’wah nicht gelobt und ermutigt werden, sie die Da’wah wieder einstellen. Das ist wiederum ein Beweis dafür, dass sie nicht zu Allah, Den Erhabenen, rufen, sondern zu sich selbst. Ein Muslim sollte sich deshalb vor dieser Sache in Acht nehmen. Sein Führer und seine Absicht bei der Da’wah, sollten stets die Aufrichtigkeit in der Sache Allahs sein. Er soll für die Menschen nützlich sein und sie vom Schirk, den Neuerungen und den Vergehen befreien. Er soll dieser Verpflichtung nachkommen, die ihm auferlegt wurde. Die Anzahl der Leute, die sich um einer Person scharen, sind kein Beleg für seine Vorzüglichkeit. Es gab schließlich Propheten, denen nur wenige gefolgt sind: „Alle Völker wurden mir vorgezeigt und ich sah einen Propheten mit einer kleinen Gruppe und einen Propheten mit zwei oder drei Leuten und einen Propheten ohne jemanden.“ War dies etwa ein Beleg für die Vorzüglichkeit dieser Propheten gewesen? Gewiss, nein! Deshalb sollte ein Mensch nie auf die Anzahl der Anwesenden achten: „Bei Allah, wenn Allah auch nur einen einzigen Menschen durch dich zum Islam führt, ist das besser, als eine Herde roter Kamele.“[2]

Eine Gruppe von Menschen hat sich stets vor dem Haus von Ibn Maşş’ūd, Allahs Wohlgefallen auf ihm, versammelt und auf ihn gewartet. Als er zum Gebet hinauskam, gingen sie hinter ihm her (in die Moschee). Er wendete sich eines Tages zu ihnen und sagte: „Geht weg! Es ist eine Versuchung für den, der gefolgt wird und eine Demütigung für den, der ihm folgt.“

"Ich rufe zu Allah aufgrund eines sichtbaren Hinweises (basseera)." Al-Basseera bedeutet hier: Wissen. Sie ist sogar die höchste Stufe des Wissens.

Hierin ist ein Beweis, dass es Voraussetzung ist für einen Dā’ī[3], dass er basseera haben muss, das bedeutet, dass er Wissen haben muss über das, zu dem er ruft. Was den Unwissenden anbetrifft, so ist er für die Da’wah nicht geeignet. Er muss erst mal Vorrat schaffen im Bezug auf Wissen, bevor er zur Da’wah schreitet. Denn er wird während seiner Da’wah mit Scheinargumenten und Diskussionen konfrontiert werden. Wie soll er dann antworten, wenn er mit seinem Gegner Angesicht zu Angesicht steht oder mit einem Scheinargument? Wie soll er da wieder Heil herauskommen? Er wird entweder kläglich versagen, was allgemein ein Rückschlag für die Da’wah bedeuten würde, oder er wird mit Unwissenheit sprechen, sodass die Sache dann richtig gefährlich wird. Entweder er schweigt, sodass sein Gegner als Sieger vom Platz gehen wird, oder er wird mit Unwissenheit antworten, sodass die Angelegenheit erstrecht gefährlich wird. Dies ist aus der einen Sicht. Aus der anderen Sicht sollte ein Dā’ī das Erlaubte und das Verbotene (al-Ĥalāl wa l-Ĥarām) kennen. Denn er kann in seiner Unwissenheit zu einer Sache sagen, sie sei verboten, obwohl sie erlaubt ist. Oder er sagt in seiner Unwissenheit zu einer Sache, sie sei erlaubt, obwohl sie verboten ist. Ein Dā’ī sollte deshalb stets wissend sein über das, zu dem er ruft, das heißt, er sollte das Erlaubte (Ĥalāl) und das Verbotene (Ĥarām) kennen, das Verpflichtende (Wādjib) und das Empfohlene (Muştaĥab), das Unbeliebte (Makrūh) und das Zulässige (Mubāĥ). Er sollte auch wissen, wie er auf die Einwände, Scheinargumente und Streitigkeiten antworten soll, so wie es der erhabene Allah gesagt hat: "Rufe zum Weg deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung, und streite mit ihnen in bester Weise"[4] Wie soll er aber mit ihnen in bester Weise streiten, wenn er keinerlei Wissen hat?! Es ist also für einen Dā’ī verpflichtend, sich Wissen anzueignen. Es gibt heutzutage einige Du’āt (Plural von Dā’ī), die kein Wissen haben. Ihre Reden und Ansprachen klingen vielleicht ganz seriös, doch in Wirklichkeit haben sie kein Wissen. Denn, würdest du sie mit den einfachsten Scheinargumenten konfrontieren oder sie bezüglich einer einfachen Sache aus dem Erlaubten und Verbotenen befragen, sie würden in ihrer Unwissenheit nur noch hin und her schlagen.

"[…] Ich und diejenigen, die mir folgen." Das heißt: Auch meine Gefolgsleute rufen zu Allah aufgrund eines sichtbaren Hinweises (basseera). Das ist wiederum ein Beweis dafür, dass derjenige, der nicht zu Allah ruft, die Gefolgschaft zum Propheten, möge Allah ihn loben und Heil schenken, nicht wirklich verwirklicht hat. Dies gilt aber auch für denjenigen, der mit Unwissenheit zu Allah ruft, auch dieser hat die Gefolgschaft zum Propheten, möge Allah ihn loben und Heil schenken, nicht wirklich verwirklicht. Im Gegenteil, dieser hat sich auf Dinge eingelassen, die ihn nichts angehen, sodass er nun zur Gefahr für die Da’wah und für die Du’āt wurde.

Dann sagt er weiter: "Preis sei Allah (Şubĥānallah)!" Şubĥān stammt vom Wort Şabbaĥah ab, was bedeutet: Allah weist alles von Sich ab, was Seiner nicht würdig ist, wie der Schirk und das Reden über Ihn, Erhaben ist Er, ohne Wissen. Der erhabene Allah weist den Schirk von Sich und das Reden über Ihn ohne Wissen. Hierin ist ein Beweis für die Pflicht, jeglichen Makel von Allah, Den Erhabenen, abzuweisen. Die gewaltigste davon, ist der Schirk.

"Und ich gehöre nicht zu den Götzendienern (Muschrikīn)." Dies ist eine Lossagung des Propheten, möge Allah ihn loben und Heil schenken, von den Götzendienern, so wie auch der Freund Allahs, Ibrāhīm, möge Allah ihn loben und Heil schenken, dies zuvor getan hat: "Ibrāhīm war eine Gemeinschaft, Allah demütig ergeben und einer, der Anhänger des rechten Glaubens war, und er gehörte nicht zu den Götzendienern."[5] "Und hierauf haben Wir dir (als Offenbarung) eingegeben: „Folge dem Glaubensbekenntnis Ibrāhīms, (als) Anhänger des rechten Glaubens, und er gehörte nicht zu den Götzendienern.“"[6] Hier ist eine Lossagung von den Götzendienern! Das bedeutet: Brech die Liebe, die Zuneigung und den Beistand ab, die zwischen dir und den Götzendienern herrschen, da sie die Feinde Allahs sind und die Feinde des Propheten, möge Allah ihn loben und Heil schenken. Du darfst weder in deinem Herzen Zuneigung für sie verspüren noch darfst du ihnen deinen Beistand geben oder sie verteidigen: "Ihr habt doch ein schönes Vorbild in Ibrāhīm und denjenigen, die mit ihm waren, als sie zu ihrem Volk sagten: „Wir sind unschuldig an euch und an dem, dem ihr anstatt Allahs dient. Wir verleugnen euch, und zwischen uns und euch haben sich Feindschaft und Hass auf immer offenkundig gezeigt, bis ihr an Allah allein glaubt.“"[7] "Du findest keine Leute, die an Allah und den Jüngsten Tag glauben und denjenigen Zuneigung bezeigen, die Allah und Seinem Gesandten zuwiderhandeln, auch wenn diese ihre Väter wären oder ihre Söhne oder ihre Brüder oder ihre Sippenmitglieder."[8] "O die ihr glaubt, nehmt nicht Meine Feinde und eure Feinde zu Schutzherren, indem ihr ihnen Zuneigung entgegenbringt."[9] "O die ihr glaubt, nehmt nicht die Juden und die Christen zu Schutzherren! Sie sind einer des anderen Schutzherren. Und wer von euch sie zu Schutzherren nimmt, der gehört zu ihnen. Gewiss, Allah leitet das ungerechte Volk nicht recht."[10]

All das ist also ein Beleg dafür, dass die Lossagung von den Götzendienern eine Pflicht ist! Außerdem ist eines der Fundamente des Rufens zu Allah: Die Lossagung von den Götzendienern. Was jedoch den Rufer zu Allah anbetrifft, der sich nicht von den Götzendienern lossagt, so ist er nicht wirklich ein Rufer zu Allah! Außerdem befindet er sich damit auch nicht auf dem Weg des Propheten, möge Allah ihn loben und Heil schenken, auch wenn er selbst behauptet, zu Allah zu rufen. Das Verleugnen der falschen Götter (Tāĝūt), ist dem Glauben an Allah vorgezogen worden, so wie es der erhabene Allah gesagt hat: "Wer also falsche Götter (Tāĝūt) verleugnet, jedoch an Allah glaubt, der hält sich an der festesten Handhabe."[11] Es ist deshalb unbedingt erforderlich, sich von den Götzendienern loszusagen. Was jedoch diejenigen anbetrifft, die sagen, „was haben wir mit dem Glaubensfundamet (‘Aqīdah) der Leute zu tun; derjenige, der unserer Gruppe beitritt und sich zu uns bekennt, ist unser Bruder; was seine ‘Aqīdah anbetrifft, so ist dies seine persönlich Angelegenheit“, dies ist nicht das Rufen zum erhabenen Allah, im Gegenteil, es ist ein Rufen zur Parteilichkeit (Ĥizbiyyah) und zum Fanatismus.

Somit beinhaltet dieser edle Vers zahlreiche wichtige Sachverhalte:

Erster Sachverhalt:   Der wahre Weg des Propheten, möge Allah ihn loben und Heil schenken, und den seiner Gefolgsleute, ist das Rufen (Da’wah) zu Allah.

Zweiter Sachverhalt:   Derjenige, der nicht zu Allah ruft, obwohl er dazu im Stande wäre, hat nicht wirklich die Gefolgschaft zum Propheten, möge Allah ihn loben und Heil schenken, umgesetzt, im Gegenteil, seine Gefolgschaft hat erhebliche Makel.

Dritter Sachverhalt:   Auf diesen Sachverhalt hat auch der Scheikh in seinen Sachverhalten hingewiesen: „Hohes Maß an Aufrichtigkeit in der Absicht bei der Da’wah, da er sagte: "Ich rufe zu Allah." Denn viele, die angeblich zur Wahrheit rufen, rufen lediglich zu sich selbst.“ Derjenige, dessen Absicht Lob, Anerkennung, das Mehren der Anhänger und das Stärken der Gruppe, die Einbildung und so weiter ist, dieser ruft nicht wirklich zu Allah.

Vierter Sachverhalt:   Dieser ist ein wichtiger Sachverhalt. Derjenige, der zu Allah ruft, muss dies aufgrund eines sichtbaren Hinweises (basseera) tun, indem er sich zuvor nützliches Wissen aneignet, der ihm dabei hilft, zu Allah zu rufen, mit den Voreingenommenen und Abweichlern zu diskutieren und ihre Beweise mit seiner Zunge und seinem Stift zu entkräften. Die Da’wah zu Allah kann mit der Zunge durchgeführt werden, aber auch mit dem Stift. Sie kann aber auch mit dem Schwert und dem Djihād durchgeführt werden. Somit ist es für einen Rufer (Dā’ī) erforderlich, wenn nicht sogar zwingend notwendig, dass er Wissen haben muss, über das, zu dem er ruft. Was hingegeben den Unwissenden anbetrifft, so ist er für die Da’wah nicht geeignet, auch wenn er Anbetungen aufweisen kann, Frömmigkeit, Gottesfurcht und Eifersucht und Liebe für die Religion. All das ist zweifellos erwünscht und sind lobenswerte Eigenschaften, doch wir sagen zu ihm: Lieber Bruder! In der Da’wah darf nur derjenige tätig sein, der Wissen hat. Was Angst, Furcht, Anbetung, Frömmigkeit, Eifersucht und Tugendhaftigkeit anbetreffen, die ja zweifellos lobenswert sind, so reichen diese nicht aus für die Da‘wah. Du bist für die Da’wah nicht geeignet, weil dir Wissen fehlt. Und der erhabene Allah sagt: "Ich rufe zu Allah aufgrund eines sichtbaren Hinweises (basseera)."

Und Er sagt: "Rufe zum Weg deines Herrn mit Weisheit."[12] Und mit Weisheit ist hier Wissen gemeint! Du bist deshalb für die Da’wah nicht geeignet. Lerne zuerst! Wenn du gelernt hast, dann komm und sei in der Da’wah tätig. Die Da’wah ist nämlich keine einfache Angelegenheit. Wir sehen deshalb nun das Resultat, das sich ergeben hat, nachdem sich die Nachlässigkeit in die Da’wah eingeschlichen hat, wie Zerfall und Schwäche. Denn nun hat sich jeder dieser Unwissenden, Abweichlern und  Leute der Gier in die Da’wah eingeschlichen, der Laufen oder Kriechen kann. Eine Da’wah wird aber niemals von Erfolg gekrönt sein, wenn in ihr nicht die göttlichen Bedingungen erfüllt sind, die der erhabene Allah gestellt hat. Deshalb wird stets immer nur das Bessere bestehen bleiben, auch wenn sich all diese Gruppierungen vermehren, die angeblich in der Da’wah tätig sind. Solange diese nicht die Bedingungen erfüllen, die der erhabene Allah gestellt hat und nicht die Methodik (Manhadj) befolgen, die ihnen der erhabene Allah und Sein Gesandter aufgezeichnet haben, werden sie niemals erfolgreich sein, auch wenn die Anzahl ihrer Anhänger und ihre Stärke stetig anwachsen sollten. Sie werden alle nacheinander verschwinden und Misserfolg und Versagen wird sie nach und nach befallen. Wenn sie jedoch auf Wissen, Aufrichtigkeit und Ratschlag gestützt sind, so werden sie, mit der Erlaubnis Allahs, von Erfolg gekrönt sein, auch wenn es sich dabei nur um eine einzige Person handelt.

Fünfter Sachverhalt:   Der Schirk ist ein gewaltiger Makel, der von Allah zurückgewiesen werden muss. Denn der erhabene Allah ist vollkommen! Er besitzt die absolute Vollkommenheit! Derjenige, der ihm Teilhaber zuschreibt, schreibt Ihm gleichzeitig Makel zu. Und wer eines Seiner Eigenschaften, Erhaben ist Er, zurückweist oder diese missinterpretiert, schreibt Ihm genauso Makel zu. Diejenigen, die die Eigenschaften Allahs missinterpretierten (Ta`wīl), Ihn mit Seiner Schöpfung vergleichen (Taschbīh) oder eines Seiner Namen leugnen, diese schreiben alle den erhabenen Allah Makel zu. Der erhabene Allah weist all diese Makel von Sich. Derjenige, der den erhabenen Allah mit etwas beschreibt, das Seiner nicht würdig ist, oder Ihm Namen gibt, die Er Sich Selbst nicht gab, der hat Ihm gewiss Makel zugeschrieben. Und derjenige, der nicht nach dem waltet, was Allah als Offenbarung herabgesandt hat, schreibt Ihm genauso Makel zu. Und derjenige, der sich dem Befehl Allahs widersetzt oder eines Seiner Verbote begeht, schreibt Allah auch Makel zu.

Sechster Sachverhalt:   Dieser Sachverhalt ist sehr wichtig und beinhaltet die Lossagung von den Götzendienern. Jeder, der zu Allah ruft bzw. jeder Muslim – obwohl derjenige, der zu Allah ruft, hier in erster Linie gemeint ist, weil er eine Vorbildfunktion erfüllt – muss sich von den Götzendienern lossagen, weil sie die Feinde Allahs, die Feinde Seines Gesandten und die Feinde der Gläubigen sind. "O die ihr glaubt, nehmt nicht Meine Feinde und eure Feinde zu Schutzherren."[13] Derjenige, der sich nicht von den Götzendienern lossagt, der hat die Da’wah zum erhabenen Allah nicht wirklich umgesetzt, auch wenn er sich ihr zuschreibt. Dies ist also eine gewaltige Angelegenheit.

 

 

 

 



[1]
Yūşuf 12:108

[2] Verzeichnet bei Bukhārī und Muşlim

[3] Jemand, der Da’wah betreibt

[4] An-Naĥl 18:125

[5] An-Naĥl 16:120

[6] An-Naĥl 16:123

[7] Al-Mumtaĥanah 60:4

[8] Al-Mudjādalah 58:22

[9] Al-Mumtaĥanah 60:1

[10] Al-Mā`dah 5:51

[11] Al-Baqarah 2:256

[12] An-Naĥl 16:125

[13] Al-Mumtaĥanah 60:1

Ĥadīth: „Und in einer anderen Form dieser Überlieferung (wird gesagt): „Den Tauĥīd zu verwirklichen.“

Und in einer anderen Form dieser Überlieferung (wird gesagt): („Du wirst Leute der Schrift antreffen, lasse deine erste Handlung jene sein, sie dazu aufzurufen,) den Tauĥīd zu verwirklichen. Wenn sie dir darin folgen, dann informiere sie, dass Allah ihnen vorgeschrieben hat, fünf Gebete (Şalawāt) jeden Tag und Nacht zu verrichten. Wenn sie dir darin folgen, dann informiere sie, dass Allah ihnen auferlegt hat, dass die Abgabe der Almosen (Şadaqah) von ihren Reichen erhoben und an die Armen verteilt wird. Wenn sie dir darin folgen, dann sei vorsichtig dabei, um nicht ihr kostbarstes Eigentum (als Zahlung der Şadaqah) zu nehmen. Und hüte dich vor dem Bittgebet jener, die Ungerechtigkeit erlitten haben, denn es gibt keine Schranke zwischen ihrem Bittgebet und Allah.“

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„Und in einer anderen Form dieser Überlieferung (wird gesagt): „Den Tauĥīd zu verwirklichen.““ Warum hat der Scheikh diese Form der Überlieferung hier erwähnt? Der Grund dafür ist, weil diese Form der Überlieferung das Bekenntnis „Lā Ilāha ill-Allah“ (es gibt keinen anbetungswürdigen Gott außer Allah) erklärt, nämlich: Den Tauĥīd gegenüber Allah, Den Erhabenen, zu verwirklichen und Ihm allein die Dienerschaft zu widmen. Es ist nicht damit gemeint, dass man es lediglich nur ausspricht, indem man sagt: Ich bezeuge, dass es keinen anbetungswürdigen Gott gibt außer Allah. Nein, man muss den Tauĥīd auch in der Anbetung (‘Ibādah) verwirklichen. Wenn man aber die Worte des Tauĥīds lediglich ausspricht, ohne dabei den Tauĥīd gegenüber Allah auch in der Anbetung zu verwirklichen, dann wird einem das Bekenntnis, dass es keinen anbetungswürdigen Gott gibt, außer Allah, nichts nutzen.

Hierin ist auch ein Beweis dafür, dass die Botschaft Muĥammads, möge Allah ihn loben und Heil schenken, Allgemeingültig war. Er wurde an die gesamten Weltenbewohner entsandt, samt den Leuten der Schrift (Juden und Christen). Er, möge Allah ihn loben und Heil schenke, schrieb zum Beispiel an den oströmischen Kaiser Hiraql (Herakleios), an den ägyptischen König al-Muqauqiş und an den persischen König Kişşrā (Chosrau). Auch schrieb er an die restlichen Könige dieser Welt, denn der erhabene Allah hatte ihn an die gesamte Menschheit entsandt: "Und Wir haben dich für die Menschen allesamt nur als Frohboten und Warner gesandt."[1] "Segensreich ist Derjenige, Der Seinem Diener die Unterscheidung offenbart hat, damit er für die Weltenbewohner ein Warner sei."[2]

Seine Aussage, „wenn sie dir darin folgen“, bedeutet: Wenn sie bezeugen, dass es keinen anbetungswürdigen Gott gibt, außer Allah und dass Muĥammad, der Gesandte Allahs ist und gleichzeitig auch all das umsetzen, was diese Worte (an Pflichten) beinhalten.

„Dann informiere sie, dass Allah ihnen vorgeschrieben hat, fünf Gebete (Şalawāt) jeden Tag und Nacht zu verrichten.“ Das ist die zweite Säule. Als die erste Säule und die Basis, verwirklicht wurden, ging er über zur zweiten Säule, die ja das Gebet ist. Das weist wiederum auf die Wichtigkeit des Gebets hin und dass das Gebet sofort nach dem Tauĥīd kommt.

Deshalb ist derjenige, der nicht betet, auch kein Muslim, auch wenn er bezeugt, dass es keinen anbetungswürdigen Gott gibt, außer Allah und dass Muĥammad, der Gesandte Allahs ist. Denn dieses belegen die zahlreichen Beweise, wie seine Aussage, möge Allah ihn loben und Heil schenken: „Zwischen dem Gottesdiener und dem Unglaube oder dem Götzendienst, steht die Unterlassung des Gebets.“ Es gibt noch zahlreiche Beweise hierfür. (Mehr zu diesem Thema hier)

„Wenn sie dir darin folgen, dann informiere sie, dass Allah ihnen auferlegt hat, dass die Abgabe der Almosen (Şadaqah) von ihren Reichen erhoben und an die Armen verteilt wird.“ Dies ist die Zakāt. Sie ist im Buche Allahs und in der Şunnah des Gesandten Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, stets gekoppelt an das Gebet. Sie bildet die dritte Säule der Säulen des Islams.

„[…] von ihren Reichen erhoben.“ Hierin ist ein Beweis, dass die Zakāt nicht verpflichtend ist für die Armen, sondern nur für die Reichen, die den Nişşāb (Erhebungsgrenze) erreicht haben oder auch mehr besitzen.

„[…] und an die Armen verteilt.“ Diese gehören zu der Gruppe, die Ansprüche haben auf Zakāt. Die Armen gehören zur einer Gruppe von den acht Gruppen, die einen Anspruch haben auf Zakāt, so wie im folgenden Vers erwähnt wird: "Die Almosen sind nur für die Armen, die Bedürftigen, diejenigen, die damit beschäftigt sind, diejenigen, deren Herzen vertraut gemacht werden sollen, (den Loskauf von) Sklaven, die Verschuldeten, auf Allahs Weg und (für) den Sohn des Weges […]."[3] (Mehr zu diesem Thema hier)

Die Gelehrten, möge Allah barmherzig mit ihnen sein, haben daraus entnommen, dass der Reiche keinen Anspruch hat auf Zakāt und dass man sich beim Verteilen des Zakāt, auch auf eine einzige dieser acht Gruppen, die einen Anspruch darauf haben, beschränken darf. Denn auch der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, hat sich hier lediglich auf die Armen beschränkt, zu denen auch die Bedürftigen gehören.

Außerdem haben sie auch daraus entnommen, dass die Zakāt in dem Land verteilt werden soll, wo es eingesammelt wurde und dass man es nicht in ein anderes Land bringen darf, außer wenn es in dem Land, wo es eingesammelt wurde, keine Armen gibt. In diesem Fall wird es in das nächstliegende muslimische Land gebracht, wo es Arme gibt.

„Wenn sie dir darin folgen, dann sei vorsichtig dabei, um nicht ihr kostbarstes Eigentum (als Zahlung der Şadaqah) zu nehmen.“ Das bedeutet, nimm nicht das kostbarste Eigentum für die Zakāt, denn dies wäre ein Unrecht, das man ihnen damit antäte. Doch genauso sollst du nicht das wertloseste von ihrem Eigentum nehmen, denn dies wäre wiederum eine Ungerechtigkeit gegenüber den Armen. Nimm das Mittlere davon an Wert, das heißt, das Eigentum, das weder kostbar noch wertlos ist. Dies ist Gerechtigkeit. Wenn du das Kostbarste nimmst, bist du ungerecht zu den Eigentümern und wenn du das Wertloseste nimmst, bist du ungerecht zu den Armen. Wenn du aber das Mittlere davon an Wert nimmst, dann bist du gerecht zu allen.

„Dann sei vorsichtig dabei, um nicht ihr kostbarstes Eigentum zu nehmen.“ Hier ist eine klare Warnung vom Propheten, möge Allah ihn loben und Heil schenken. Dies ist auch eine Aufforderung an die Machthaber zur Gerechtigkeit und zum Unterlassen der Ungerechtigkeit.

„Und hüte dich vor dem Bittgebet jener, die Ungerechtigkeit erlitten haben.“ Dies ist eine gewaltige Ermahnung. Jeder Verwalter, Führer und Muslim sollte sich vor dem Bittgebet jener hüten, die Ungerechtigkeit erlitten haben, denn es gibt keine Schranke zwischen ihr und Allah. Das bedeutet, dass das Bittgebet desjenigen, der Ungerechtigkeit erlitten hat, erhört wird, auch wenn dieser ein Ungläubiger sein sollte: "Und der Hass, den ihr gegen (bestimmte) Leute hegt, soll euch ja nicht dazu bringen, dass ihr nicht gerecht handelt. Handelt gerecht. Das kommt der Gottesfurcht näher."[4] Das Bittgebet jener, die Ungerechtigkeit erlitten haben, wird vor dem erhabenen Allah gebracht und Allah, Allwürdig und absolut Majestätisch ist Er, erhört das Bittgebet desjenigen, der Ungerechtigkeit erlitten hat.

Hier taucht nun eine Frage auf, die die Gelehrten bezüglich dieses Ĥadīths gestellt haben. Sie sagten: Der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, hat hier drei Säulen erwähnt, die beiden Bekenntnisse, das Gebet und die Zakāt. Doch er erwähnte nicht das Fasten und die Ĥadj (Pilgerfahrt)? Wie lautet die Antwort darauf?

Hierfür gibt es zahlreiche Antworten, doch die Richtigere davon ist die, die Scheikh Taqiyyu d-Dīn, möge Allah barmherzig mit ihm sein, gewählt hat: Der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, beschränkte sich hier auf die gewaltigsten und grundlegendsten Säulen, bei denen derjenige bekämpft wird, der sie unterlässt. Diese sind: Die beiden Bekenntnisse, das Gebet und die Zakāt. Der erhabene Allah hat gesagt: "Wenn nun die Schutzmonate abgelaufen sind, dann tötet die Götzendiener, wo immer ihr sie findet, ergreift sie, belagert sie und lauert ihnen aus jedem Hinterhalt auf! Wenn sie aber bereuen", das heißt, wenn sie bezeugen, dass es keinen anbetungswürdigen Gott gibt außer Allah und dass Muĥammad, Allahs Gesandter ist, "das Gebet verrichten und die Abgabe entrichten, dann lasst sie ihres Weges ziehen!"[5]

Der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, erwähnte hier nur die Säulen, für die andere diesbezüglich gekämpft werden dürfen. Diese sind: Die beiden Bekenntnisse, das Gebet und die Zakāt. Das ist die eine Sicht.

Aus der anderen Sicht ist zu sagen, dass diese erwähnten Säulen, die Säulen sind, die nach außen hin erkennbar sind, das heißt, dass die Menschen diese sehen und hören können. Was das Fasten anbetrifft, so ist diese eine verborgenen Tat, die allein zwischen dem Diener und seinem Herrn stattfindet. Und die Ĥadj ist nicht für jeden verpflichtend, sondern nur für diejenigen, die dazu die Möglichkeit haben. Außerdem ist diese Anbetung nur einmal im Leben verpflichtend, im Gegensatz dazu sind die beiden Bekenntnisse ein Leben lang verpflichtend, man darf sich niemals davon abwenden. Auch das Gebet ist eine Anbetung, die sich stets wiederholt und zwar fünfmal am Tag und in der Nacht. Und die Zakāt wiederholt sich einmal im Jahr. Die Ĥadj hingegen, ist nur einmal im Leben verpflichtend und das auch nur für diejenigen, die dazu die Möglichkeit haben. Das Fasten hingegen, ist eine Anbetung, die verborgen ist. Und derjenige, der auf die beiden Bekenntnisse Acht gibt, das rituelle Gebet verrichtet und die Zakāt entrichtet, der wird auch sowohl auf das Fasten achten als auch auf die Ĥadj.

Was lernen wir aus diesem Ĥadīth? Dieser Ĥadīth weist auf zahlreiche wichtige Angelegenheiten hin:

Erstens:          Das Entsenden von Rufern (Du‘āt) zu Allah, Den Erhabenen.

Zweitens:       Die Vorzüglichkeit von Mu’ādh Ibn Djabal, Allahs Wohlgefallen auf ihm.

Drittens:         Die Akzeptanz der Überlieferung eines Einzelnen, auch in Angelegenheiten der ‘Aqīdah (Glaubenslehre) oder andere.

Viertens:        Hieran wird die Methodik (Manhadj) der Da’wah ersichtlich. Und dies ist ein gewaltiger Grundsatz, nämlich dass die Da’wah stufenweise stattfindet, die wichtigeren Dinge zuerst.

Fünftens:        Dieser Ĥadīth ist ein Beleg dafür, dass die Botschaft des Propheten, möge Allah ihn loben und Heil schenken, allgemeingültig und somit an die gesamten Weltenbewohner gerichtet ist, an die Juden, Christen und andere. Wenn der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, sogar auch an die Juden und Christen entsandt wurde, die ja Leute der Schrift sind, dann sind die anderen, die nicht zu den Leuten der Schrift gehören, hierbei vorrangiger.

Sechstens:      Hier wird eine Angelegenheit erwähnt, auf die der Scheikh ‘Abdul-Wahhāb bereits hingewiesen hat, nämlich dass es einige Gelehrte gibt, die unwissend sind bezüglich der Bedeutung von „Lā Ilāha ill-Allah“. Denn auch die Leute der Schrift werden zu „Lā Ilāha ill-Allah“ gerufen, obwohl sie ja schließlich Leute der Schrift sind.

Siebtens:        In diesem Ĥadīth ist ein Beleg dafür, dass es nicht erlaubt ist, das Kostbarste für die Zakāt zu nehmen, sondern das Mittlere davon an Wert.

Achtens:         In diesem Ĥadīth ist auch eine Warnung vor dem Bittgebet desjenigen, der Ungerechtigkeit erlitten hat und dass es keine Schranke gibt zwischen ihr und Allah.

 

 



[1]
Şaba` 34:28

[2]Al-Furqān 25:1

[3]At-Taubah 9:60

[4]Al-Mā`idah 5:8

[5] At-Taubah 9:5

Ĥadīth: „Du wirst Leute der Schrift antreffen, lasse deine erste Handlung jene sein, sie dazu aufzurufen, zu bezeugen: „Lā Ilāha illa Allah."

Von Ibn ‘Abbāş, Allahs Wohlgefallen auf ihm, wird berichtet, dass als der Gesandte Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, Mu‘ādh nach Jemen entsandte, sagte er: „Du wirst Leute der Schrift antreffen, lasse deine erste Handlung jene sein, sie dazu aufzurufen, zu bezeugen: „Lā Ilāha illa Allah (Es gibt keinen anbetungswürdigen Gott, außer Allah).“

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Seine Aussage: „[…] als der Gesandte Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, Mu‘ādh nach Jemen entsandte.“ Entsenden bedeutet: Jemanden (mit einem Auftrag) schicken.

Seine Aussage: „Nach Jemen.“ Dies ist die bekannte Gegend, südlich der arabischen Halbinsel. Sie wird al-Yamann (dt. Jemen) genannt, weil sie rechts (Ayman) von der Ka‘bah liegt. Und asch-Schām (heute Syrien) wird so genannt, weil es links von der Ka’bah liegt.

Er entsandte Mu’ādh im Jahre zehn nach der Hidjrah. Es wurde aber auch gesagt, dass er ihn am Ende des Jahres Neun entsandte, bevor er, möge Allah ihn loben und Heil schenken, verstarb. Er entsandte einen Richter, einen Lehrer und einen Rufer (Dā’ī) zum erhabenen Allah, der den Gesandten Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, in diesen wichtigen Aufgaben vertrat.

Erstens:          Hierin ist ein Beweis, dass es legitim ist, Leute für die Da’wah zum erhabenen Allah zu entsenden und dass dies eine prophetische Şunnah ist.

Zweitens:       Hier zeigt sich der Vorzug von Mu’ādh, Allahs Wohlgefallen auf ihm, da der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, ihn für diese wichtige Aufgabe auserwählt hat. Das weist wiederum auf seinen Vorzug und sein Wissen hin, da der Gesandte Allahs stets nur diejenigen entsandt hatte, bei denen die erforderlichen Bedingungen erfüllt waren. All diese Bedingungen waren in Mu’ādh, Allahs Wohlgefallen auf ihm, erfüllt. Er war der Wissendste unter den Leuten in Bezug auf das Erlaubte und das Verbotene.

Hierin ist auch ein Beweis dafür, dass es zulässig ist, mit der Nachricht (Überlieferung) einer einzigen Person zu arbeiten. Denn der Gesandte Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, hat Mu’ādh alleine geschickt. Das beweist, dass es legitim ist, sich auf eine (überlieferte) Benachrichtigung zu stützen. Es ist nicht Voraussetzung, dass diese Benachrichtigung von mehreren Leuten überliefert sein muss, so wie es einige dieser Unwissenden sagen. Sie sagen: „In Angelegenheiten der ‘Aqīdah (Glaubenslehre) dürfen keine Benachrichtigungen von Einzelnen akzeptiert werden.“ Doch der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, hat sich damit begnügt, einen einzigen mit der Benachrichtigung zu entsenden. Er entsandte Mu’ādh nach Jemen, um zu Allah zu rufen und den Tauĥīd zu lehren. Das ist Tatsache. Der Prophet  pflegte nie seine Gesandten in Gruppen zu entsenden, sondern immer nur einzeln, so wie er ‘Alī allein entsandte, Mu’ādh und Abū ‘Ubaidah Ibn al-Djarrāĥ. Das ist ein Beleg dafür, dass es sowohl in den Fundamenten der Religion (Uşūlu d-Dīn) als auch in den abgezweigten Dingen (Furū‘) die Benachrichtigungen eines Einzelnen erlaubt sind. Was jedoch die Aussage der Gelehrten des al-Kalām[1] anbetrifft, so ist diese falsch.

„Er sagte zu ihm: „Du wirst Leute der Schrift antreffen.““ Dies ist die Ermahnung des Führers an seinen Gesandten, wenn er ihn in solch eine Mission schickt. Er gibt ihm die Methodik (Manhadj) vor und zeichnet ihm den Weg auf, auf den er schreiten soll. Dies war stets die Şunnah des Gesandten Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, in all seinen Missionen gewesen, nämlich dass wenn er eine Armee oder einen Spähtrupp entsandt hatte, er sie vorher ermahnte.

„Leute der Schrift (Ahlu l-Kitāb).“ Die Leute der Schrift, die hier gemeint sind, sind Juden und Christen. Sie werden Leute der Schrift genannt, weil der Allah die Thora und das Evangelium als Offenbarung auf sie herabgesandt hat. Die Thora sandte Er auf Mūşā (Moses) herab und das Evangelium auf ‘Īşā (Jesus), möge Allah sie loben und Heil schenken. Die Gefolgschaft dieser Propheten werden Leute der Schrift genannt, als Unterscheidung zwischen ihnen und den Heiden, die kein (Offenbartes) Buch hatten und an keine Gesandten glaubten.

Die Absicht des Propheten, möge Allah ihn loben und Heil schenken, dahinter war, dass Mu’ādh sich auf eine bestimmte Gruppe von Menschen einrichten sollte, nämlich die Leute der Schrift. Diese Leute bedürfen einer wissenschaftlichen Vorbereitung, um mit ihnen diskutieren und debattieren zu können.

Dies ist ein Beweis dafür, dass der Rufer (Dā’ī) über die Lage derjenigen Bescheid wissen muss, die er einladen möchte. Dies gehört zum Manhadj (Methodik) der Da’wah: Der Rufer schaut sich die Lage der Leute genau an, die er einladen möchte und redet mit jedem von ihnen auf die Art und Weise, die seiner Auffassungsgabe entspricht. Wenn er mit Gelehrten redet, dann redet er mit ihnen auf die Art und Weise, die ihrer Stellung entspricht. Und wenn er mit einfachen Leuten redet, dann redet er mit ihnen auf die Art und Weise, die ihrer Auffassungsgabe entspricht. Die Leute befinden sich nicht alle auf derselben Stufe (an Wissen und Auffassungsgabe). Ein Rufer darf deshalb nicht die Gelehrten auf eine Art und Weise ansprechen, die eher für die einfachen Leuten geeignet wäre. Und genauso darf er nicht die Unwissenden auf eine Art und Weise ansprechen, die eher für Gelehrte angebracht wäre. Auch darf er die Machthaber nicht mit dem ansprechen, mit dem er die Allgemeinheit anspricht oder die Allgemeinheit mit dem ansprechen, was eher für die Machthaber geeignet wäre. Jeden muss er auf die Art und Weise ansprechen, die nötig ist, damit er die Wahrheit akzeptiert.  Der erhabene Allah sagte zu Seinen beiden Gesandten Mūşā und Hārūn (Aaron), möge Allah sie loben und Heil schenken, als Er sie zu Fir’aun (Pharao) entsandte: "Und so redet mit ihm in sanften Worten, auf dass er bedenken oder sich fürchten möge.“"[2]

Seine Aussage: „Lasse deine erste Handlung jene sein, sie dazu aufzurufen, zu bezeugen: „Lā Ilāha illa Allah (Es gibt keinen anbetungswürdigen Gott, außer Allah).“ Hier wird deutlich, dass es bei der Da’wah Stufen gibt und dass man mit den Wichtigsten Dingen anfangen muss. Dies ist die Methode der Gesandten. Sie fangen stets als erstes damit an, die Menschen dazu aufzurufen, zu bezeugen: „Lā Ilāha illa Allah.“ Denn das sind der Grundsatz und das Fundament, auf dem die Religion aufgebaut wird. Erst wenn das Bekenntnis zu „Lā Ilāha illa Allah“ verwirklicht wurde, kann man alle anderen Sachen darauf aufbauen. Wenn aber das Bekenntnis zu „Lā Ilāha illa Allah“ nicht verwirklicht wurde, dann machen auch alle anderen Dinge keinen Sinn. Du kannst nicht die Menschen zum Gebet rufen, während sie immer noch Schirk begehen. Und du kannst sie nicht zum Fasten, zur Spende, zum Zakāt, zum Pflegen der Verwandtschaftsbande und so weiter aufrufen, während sie Allah Partner beigesellen. Denn du hast nicht zu Anfang, das Fundament gelegt. Dieses, missachten viele Rufer in unserer heutigen Zeit, sie scheren sich nicht um das Bekenntnis „Lā Ilāha illa Allah“. Stattdessen rufen sie die Menschen eher dazu auf, Zinsen zu unterlassen, eine gute Umgangsform anzunehmen, mit dem zu richten, was Allah als Offenbarung herabgesandt hat und so weiter. Doch den Tauĥīd erwähnen sie nicht und wenden sich ihm auch nicht zu, so als wäre dieser nicht verpflichtend für sie. Es gibt keine Kraft noch Macht außer bei Allah (lā Ĥaula wa lā Quwwatah illā Billāh).

Diese Menschen, egal wie sehr sie sich abmühen, ihre Taten werden ihnen nichts nützen, bis sie den Grundsatz und das Fundmanet verwirklichen, auf dem alle Angelegenheiten der Religion aufgebaut werden, wie Gottesherrschaft (Ĥākimiyyah), das Gebet, Zakāt, Pilgerfahrt und so weiter. Dies ist also der Manhadj (Methodik) der Gesandten: "Und Wir haben ja bereits in jeder Gemeinschaft einen Gesandten erweckt: „Dient Allah und meidet die falschen Götter.“"[3] Und der erhabene Allah erwähnte auch im Bezug auf Nūĥ (Noah), dass die ersten Worte, die er an sein Volk richtete, folgende waren: "Wir sandten doch bereits Nūĥ zu seinem Volk, und da sagte er: „O mein Volk, dient Allah! Keinen Gott habt ihr außer Ihm.“"[4] "Und (Wir sandten) zu ‘Ād ihren Bruder Hūd. Er sagte: „O mein Volk, dient Allah! Keinen Gott habt ihr außer Ihm.“"[5] "Und (Wir sandten) zu Thamūd ihren Bruder Şāliĥ. Er sagte: „O mein Volk, dient Allah! Keinen Gott habt ihr außer Ihm.“"[6] "Und (Wir sandten) zu Madyan ihren Bruder Şu‘aib. Er sagte: „O mein Volk, dient Allah! Keinen Gott habt ihr außer Ihm.Nun ist ein klarer Beweis von eurem Herrn zu euch gekommen; so gebt volles Maß und Gewicht."[7]Somit war bei jedem Propheten das Erste, womit er seine Da’wah begann, zu bezeugen, dass es gibt keinen anbetungswürdigen Gott, außer Allah. Sie riefen alle zum Tauĥīd auf und zum bessern der ‘Aqīdah (isl. Glaubenslehre). Erst danach haben sie die Menschen schließlich zu den restlichen Handlungen der Religion gerufen. Doch dass man umgekehrt anfängt, in dem man mit den Einzelheiten und den Details beginnt und das Fundament sein lässt, diese Taten werden keinen Nutzen haben. Gehen wir mal davon aus, dass die Gesellschaft sich von den Zinsen weit entfernt hat, nun auf das Gebet achtet, die Moscheen füllt und alle Handlungen der Religion umsetzt, doch hinsichtlich des Tauĥīds nicht aufrichtig ist, indem sie andere neben Allah anruft, wie zum Beispiel die Gefolgsleute Allahs (Awliyā`), die Rechtschaffenen, die Gesandten und die Gräber. Hier haben all ihre Taten, die sie verrichtet hat, keinen Nutzen für sie. Diese Menschen sind keine Muslime, egal wie oft sie beten und fasten.

 

 

 



[1]
Anmerkung des Übersetzers:        Im arabischen „’Ilm al-Kalām“: Von der Philosophie beeinflusste Richtung, die in der muslimischen Welt entstand, vor allem nachdem die griechische Philosophie ins Arabische übertragen wurde. Zu dieser Richtung gehören u.a. die al-Mu’tazilah.

[2] TāHā 20:44

[3] An-Naĥl 16:36

[4] Al-A’rāf 7:59

[5] Al-A’rāf 7:65

[6] Al-A’rāf 7:73

[7] Al-A’rāf 7:85

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