Derjenige, der mit seinem Herzen und seiner Zunge glaubt, doch keine einzige Tat verrichtet, ist ungläubig (Kāfir)!

Der ehrenwerte Scheikh und Gelehrte Şāliĥal-Fauzān, möge Allah ihn ihm Guten bewahren, sagte in seiner Erklärung zum Buch „Scharĥuş-Şunnah li l-Imām al-Barbahārī“ bezüglich der Aussage des Autor, „der Glaube, dass der Glaube (al-Īmān) aus Worten, Taten und Absicht besteht, er steigt und fällt, so viel wie Allah will und er kann fallen, bis nichts mehr von ihm übrig bleibt“, folgendes:

„Was die Definition von Glaube (al-Īmān) aus der Sicht der Scharī’ah anbetrifft, so ist dieser der Glaube mit dem Herzen, das Aussprechen mit der Zunge und die Handlungen des Körpers, er steigt durch Gehorsam und fällt durch Sünde. Der Glaube kann nur bestehen, wenn diese drei Dinge vorhanden sind. Deshalb ist derjenige, der zwar mit seinem Herzen glaubt, aber nicht mit seiner Zunge, auch kein Gläubiger (Mu`min). Denn Allah, Erhaben und absolut Majestätisch ist Er, sagte über die Ungläubigen: "Wir wissen wohl, dass dich das, was sie sagen, in der Tat traurig macht. Aber nicht dich bezichtigen sie (in Wirklichkeit) der Lüge, sondern die Zeichen Allahs verleugnen die(se) Ungerechten."[1] Und Er sagte über Fir`aun (Pharao): "Er sagte: „Du weißt ja, niemand außer dem Herrn der Himmel und der Erde hat diese als einsichtbringende Zeichen herabgesandt."[2] Und Er, Erhaben und absolut Majestätisch ist Er, sagte über die Ungläubigen, die Seine Zeichen für Lüge erklären haben: "Und sie verleugneten sie, obwohl sie selbst davon überzeugt waren, aus Ungerechtigkeit und Überheblichkeit."[3] Somit ist der Glaube im Herzen allein nicht ausreichend, so wie es diese al-Murdji`ah behaupten. Dieser ist nicht der Glaube. Auch der Glaube mit der Zunge allein, ist nicht ausreichend, denn dies ist der Glaube der Heuchler: "Sie sagen mit ihren Zungen, was nicht in ihren Herzen ist."[4]

Und der Glaube mit dem Herzen und das Aussprechen (des Glaubens) mit der Zunge allein reichen auch nicht aus, so wie es einige dieser al-Murdji`ah behaupten. Dies ist nicht ausreichend, denn es ist notwendig, dass auch Handlungen des Körpers dieses bestätigen. Derjenige also, der mit seinem Herzen und seiner Zunge glaubt, aber weder betet, fastet noch die ihm vorgeschriebene Pilgerfahrt verrichtet noch sonst irgendeine Tat, dieser ist ein Ungläubiger (Kāfir). Auch wenn er mit seiner Zunge gläubig sein sollte und den Glauben ausspricht und in seinem Herzen glaubt und bezeugt, dass es keinen anbetungswürdigen Gott gibt, außer Allah und dass Muĥammad, der Gesandte Allahs ist! Denn seine Unterlassung der Taten, ohne einen legitimen Grund dafür, lässt ihn kein Gläubiger mehr sein, außer wenn diese Unterlassung begründet ist, wie zum Beispiel, dass er dazu gezwungen wird oder er vergessen hat oder unwissend ist. Oder Im Fall einer Person, die den Islam angenommen hat und nicht die Möglichkeit dazu hatte, eine Tat zu verrichten, weil er nach seiner Konvertierung direkt gestorben ist. Dieser wird nicht bezüglich der Taten zur Rechenschaft gezogen werden, weil er ja schließlich nicht die Möglichkeit dazu hatte. Dasselbe gilt natürlich auch für den, der geistig behindert ist, dieser hat keine Möglichkeit, eine Tat zu verrichten. Doch derjenige, der zum Verrichtend er Taten fähig ist und diese trotzdem ganz unterlassen hat, dieser ist kein Gläubiger (Mu`min) mehr!“

 

 



[1]
An-An’ām 6:33

[2] Al-Işrā` 17:102

[3] An-Naml 27:14

[4] Al-Fatĥ 48:11

Magie und Zauberei

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen

 

 

 

Alles Lob gebührt dem Herrn der Welten. Und Lob und Heil seien auf den edelsten Gesandten, unseren Propheten Muĥammad und auf seine Angehörigen und all seinen Gefährten.

 

Um fortzufahren:

O Diener Allahs! Magie und Zauberei gehören zu den folgenschwersten Taten und zu den großen Sünden. Es stellt Unglaube (Kuffr) im Bezug auf Allah dar und das Ihm Beigesellen von Partner (Schirk), Ihm den Herrn der Welten. Der erhabene Allah hat allen Völkern die Magie und Zauberei verboten. Und auch der Gesandte Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, hat davor eindringlich gewarnt. Al-Buchārī und Muşlim haben den Ĥadīth von Abū Hurairah, Allahs Wohlgefallen auf ihm verzeichnet, dass der Gesandte Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, sagte: „Haltet euch fern von den sieben vernichtenden Sünden.“ Die Leute sagten: „O Gesandter Allahs, und welche sind diese?“ Er sagte: „Diese sind: Die Beigesellung Allahs (Schirk), die Zauberei, die Tötung eines Menschen, dessen Leben Allah unantastbar gemacht hat, es sei denn, dies geschehe nach dem Recht. Ferner das Verzehren der Zinsen, das Verzehren des Besitzes eines Waisen, die Flucht am Tage der Schlacht und die Verleumdung der unbescholtenen, gläubigen und arglosen Frauen.“

Die Magie und die Zauberei vernichten die Taten des Zauberers und machen es nichtig, da Magie die Beigesellung Allahs beinhaltet. Der Magier wird erst dann zum Magier, wenn er sich den Schayātīns (Satanen) durch Gehorsam nährt, ihnen Opfertiere darbringt, sich vor den Dämonen verneigt, bei ihnen Hilfe und Schutz sucht, an sie die Bittgebete richtet, anstatt an Allah, auf den Muşĥaff uriniert, Exkremente isst und den vernichtenden Sünden nachkommt.

Wenn der Magier nun dem erhabenen Allah Partner beigesellt und den Satanen in allem gehorcht, dann treten die Dämonen in seine Dienste ein und auch die Satane gehrochen ihm dann. Sie führen seine Befehle aus, solange er weiterhin Allah Partner beigesellt und fügen den Unschuldigen Schaden zu. Der Magier vereint stets die Eigenschaften der Lüge, die Schlechtigkeit des Herzens und die Unerschrockenheit gegenüber den Sünden in sich.

Der erhabene Allah hat gesagt: "Soll ich euch kundtun, auf wen die Satane herabkommen? Sie kommen auf jeden ungeheuerlichen Lügner und Sünder herab. Sie hören hin, und die meisten von ihnen sind Lügner." [asch-Schu’arā` 26:221-223].

Die Magie kann zwischen den Geliebten trennen, sodass Zwietracht zwischen den Ehegatten, zwischen den Kindern und Ihren Eltern und zwischen Freunden und Bekannten gestiftet wird. Es kann im Herzen Liebe oder Abneigung entfachen. Die Magie kann den Willen eines Menschen manipulieren, sodass derjenige, der vom Zauber betroffen ist, oftmals einen Vorteil als Nachteil sieht oder umgekehrt. Er sieht, wie in seinem Heim abscheuliches geschieht und wie seine Angehörigen vom rechten Weg abdriften und kann weder etwas dagegen unternehmen noch daran etwas ändern, da ihm sein Wille genommen wurde. Die Magie kann auch dazu führen, dass der Mann den Geschlechtsakt mit seiner Ehegattin nicht mehr vollziehen kann. Die Magie kann aber auch eine Person töten, ihn krank machen und seine Psyche vernichten, sodass er dann Wahnvorstellungen bekommt und unter Einflüsterungen leidet. Sie können die verschiedensten Halluzinationen in ihm wecken. Doch all dies geschieht durch die Erlaubnis des erhabenen Allahs und durch Sein Wille. Nichts kann geschehen, außer durch den Willen Allahs, dem Erhabenen.

Der erhabene Allah hat gesagt: "Und so lernten sie von ihnen (beiden) das (Zaubermittel), womit man Zwietracht zwischen den Ehegatten stiftet. Doch können sie damit niemandem schaden, außer mit Allahs Erlaubnis." [al-Baqarah 2:102].

Die Magie ist vor allem unter den verdorbenen und unwissenden Frauen sehr verbreitet, die sich durch diese Magie haben täuschen lassen. Sie gibt dann dem Magier etwas persönliches, mit dem er dann ihren Ehegatten mit einem Zauberfluch belegen soll, sodass er sie liebt. Sie gehen aber auch zu einem Magier, wenn sie von einem Mann verlassen wurden, um an ihm Rache zu nehmen, indem sie ihm Schaden zufügen.

Doch auch einige sittenlose Männer, die verächtlich und Versager sind, suchen Magier für ihre abscheulichen Angelegenheiten auf, damit sie ihnen diese erledigen und ihnen somit einen Vorteil verschaffen oder anderen Schaden zufügen. Das Unheil, das durch diese Magie und diesem Schirk verursacht werden, wirken sich sowohl auf denjenigen negativ aus, der dies durchgeführt hat als auch auf denjenigen, der dies in Auftrag gegeben hat. Denn beide haben bezüglich dieser gewaltigen Süde mitgewirkt und sich dadurch dem Schirk im Bezug auf den Herrn der Welten verfallen.

Der Magier ist schlimmer und verderblicher als demjenigen, der dem erhabenen Allah Partner beigesellt, denn der Magier ist ein Götzendiener, der eine boshafte Seele hat. Derjenigen, der von der Magie betroffen ist, ihm wurde Unrecht zugefügt und grundlos angegriffen. Der erhabene Allah wird ihn im Diesseits und im Jenseits gegen all je unterstützen, die ihm Unrecht zugefügt haben.

At-Tabarānī hat den Ĥadīth von Ibn ‘Abbāş, Allahs Wohlgefallen auf ihnen, mit einer guten (Ĥaşşan) Überlieferungskette verzeichnet, dass der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, gesagt hat: „Derjenige gehört nicht zu uns, der nach einem Omen (gutes oder schlechtes Vorzeichen) sucht oder für den ein Omen gesucht wird, der weissagt oder dem geweissagt wird, der Magie ausübt oder jemanden darum bittet, für ihn Magie auszuüben.“

Und an-Naşā`ī hat den Ĥadīth von Abu Hurairah, Allahs Wohlgefallen auf ihm, verzeichnet,  dass der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, gesagt hat: „Derjenige, der einen Knoten bindet und dann darauf spuckt, hat Magie betrieben. Und wer Magie betreibt, der hat Allah Partner beigesellt.“

Das Wort aş-Şiĥr (Magie, Hexerei) steht in der islamischen Rechtslehre für das Benutzen von Zaubersprüchen und Beschwörungen, die Schirk beinhalten und für Knoten, die zur Zauberei verwendet werden und einen Einfluss auf die Herzen der Menschen und ihren Körpern haben können, so dass diese Krankheiten verursachen können, töten oder zur Spaltung zwischen einem Mann und seiner Ehegattin führen.

Das Lernen oder lehren der Magie ist Unglaube und Schirk bezüglich den erhabenen Allah und ein Abfallen aus dem Islam. Der erhabene Allah hat gesagt: "Nicht Şulaimān war ungläubig, sondern die Teufel waren es, indem sie die Menschen in der Zauberei unterwiesen." [al-Baqarah 2:102]. Und Der Erhabene sagte auch: "Und sie wussten doch, dass, wer es erkaufte, am Jenseits wahrlich keinen Anteil hätte. Fürwahr, wie schlimm ist das, wofür sie ihre Seelen verkauft haben, wenn sie (es) nur wüssten!" [al-Baqarah 2:102]. Und Er, Erhaben ist Er, sagte auch: "[…] und dem Zauberer wird es nicht wohl ergehen, wohin er auch kommen mag." [TāHā 20:69].

Die Magie kann einer Person durch die Erlaubnis Allahs Schaden zufügen, so wie es die Leute der Şunnah bekräftigt haben. Deshalb hat der erhabene Allah anbefohlen, bei Ihm Zuflucht davor zu suchen.

Das Rechtsurteil im Islam gegen einen Magier und einer Magierin ist nach der richtigeren Sichtweise der Gelehrten, dass sie hingerichtet werden. Dies besagt die Rechtsschule von Mālik, Aĥmad und Abū Ĥanīfah. Das Hinrichten eines Magiers und einer Magierin ist die richtigere Sichtweise der Gelehrten, auch wenn diese Reue zeigen sollten, denn die Gefährten haben die Magier, die sie hingerichtet haben, keine Möglichkeit zur Reue gegeben. Ein Magier ist ein Lügner, dessen Reue nicht geglaubt werden darf. Wenn er in seiner Reue und Absicht darin aufrichtig war, dann wird ihm diese Reue bei Allah nutzen, doch wird es die Strafe der Hinrichtung von ihm nicht abwenden können, da er ein boshafter Frevler ist.

Lieber Muslim, der du von dieser Gruppe von Menschen verschont geblieben ist, die sich von der Lage dieser lügenden Magier und Scharlatane sich haben täuschen lassen, wundere darüber dich, wie verwirrt sie sind, wenn sie sehen, zu was diese Magier alles an ungewöhnlichen Dingen im Stande sind, wie das Schweben in der Luft, das Zurücklegen einer großen Strecke in kurzer Zeit, das Benachrichtigen über Dinge, die im Verborgenen liegen, sodass diese dann auch geschehen und das Heilen von Kranken. Diese Unwissenden glauben dann, dass dieser Magier zu den Nahestehenden Allahs (Wali) gehört. Dies kann dann auch dazu führen, dass diese Magier neben Allah angebetet werden und von ihnen Nutzen oder Schaden erwartet wird. Wir suchen Zuflucht bei Allah davor. Einige Menschen glauben, dass diese ungewöhnlichen Handlungen der Magier und der Zeichendeuter zu den Wundern (Karāmat) gehört, die ihnen Allah gewährt hat. Somit sind sie verwirrt worden und können nicht mehr zwischen den Nahestehenden Allahs und den Nahestehenden des Teufels unterscheiden.

Die islamische Rechtslehre (Scharī‘ah) hingegen macht eine klare Unterscheidung zwischen den Nahestehenden Allahs und den Nahestehenden des Teufels. Die Nahestehenden Allahs sind jene, die die Grenzen Allahs einhalten und die sich sowohl äußerlich als auch innerlich an seine Rechtslehre festhalten. Sie gehen Seinen Geboten nach, halten sich von Seinen Verboten fern und achten auf das Gebet in der Gemeinschaft. Der erhabene Allah hat gesagt: "Sicherlich, über Allahs Gefolgsleute soll keine Furcht kommen, noch sollen sie traurig sein, diejenigen, die glauben und gottesfürchtig sind." [Yūnuş 10:62-63].

Um ein Nahesteheder Allahs zu sein bedarf es nicht an Wunder, die unnatürlich und ungewöhnlich sind. Denn die größte Wohltat, ist die Standhaftigkeit. Was jedoch die Nahestehenden des Teufels anbetrifft, so sieht man sie ungewöhnliche Dinge tun, die in den Augen der Unwissenden Wunder sind, doch in Wirklichkeit sind es teuflische Werke, die von den Teufels für sie erledigt werden, um jene damit in die Irre zu führen, die verwirrt sind. Sei deshalb nicht beeindruckt von solchen, die in das Feuer gehen und unbeschadet wieder herauskommen, in der Luft umher schweben, auf Wasser schreiten oder Schlangenbeschwörer sind. Schau dir stattdessen an, wie sehr sie sich an die islamische Rechtslehre halten. Du wirst dann feststellen, dass sie weder das Freitagsgebet einhalten noch in der Gemeinschaft ihre Gebete verrichten. Sie hören auch nicht der Rezitation des Qur`āns zu, im Gegenteil, sie sind mit Gesängen beschäftigt, die verdorben und sittenlos sind und geben sich jeglicher Sünde hin. Der erhabene Allah hat gesagt: "Jene sind die Gruppierung des Satans. Aber sicherlich, die Gruppierung des Satans, das sind ja die Verlierer." [al-Mudjādilah 58:19].

Lieber Muslim, du sollst wissen, dass der größte Dadjāl zum Himmel sagen wird, lass Regen hinab fallen und siehe da, es wird regnen. Und zur Erde wird er sagen, lass die Pflanzen blühen und siehe da, Pflanzen werden aus dem Boden sprießen. Und er wird die Toten durch die Erlaubnis Allahs zu Leben wiedererwecken. Er wird wahrlich das gefährlichste Geschöpf Allahs sein.

Zu den Magiern gehören folgende Menschen: Die Wahrsager (Kāhin), die Zeichendeuter (‘Arrāf), die Sterndeuter (Munadjim) und jene, die im Sand durch das Zeichnen von Linien die Zukunft vorhersagen. All diese Menschen behaupten, wissen über das Verborgene zu haben. Doch in Wirklichkeit sind sie Ungläubige geworden, die vom Islam abgefallen sind, da sie das Verborgene für sich beansprucht haben. Der erhabene Allah hat gesagt: "Sag: Über das Verborgene weiß nicht Bescheid wer in den Himmeln und auf der Erde ist, außer Allah." [An-Naml 27:65].

Wer an das glaubt, was sie behaupten, der ist Im Bezug auf Allah ungläubig geworden und ist ein Götzendiener. Von Abū Hurairah, Allahs Wohlgefallen auf ihm, wird berichtet, dass der Gesandte Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, gesagt hat: „Wer zu einem Wahrsager geht und ihm das, was er sagt, glaubt, der leugnet das ab, was auf Muĥammad herabgesandt wurde.“ [Verzeichnet bei Abū Dāwūd].

Es gibt Menschen, die jahrelang von einer Krankheit geplagt werden und dann frustriert sind, weil sie keine Aussicht mehr auf Heilung sehen, sodass der Teufel dann zu ihnen kommt und ihnen das Aufsuchen eines Magiers schönredet. Sie glauben, dass der Magier ihnen die Medizin sagen wird, die sie zur Heilung brauchen. Diese Leute haben die Aussage des edlen Propheten, möge Allah ihn loben und Heil schenken, vergessen, der gesagt hat: „Erstaunlich ist der Gläubige, nichts bestimmt Allah für ihn, außer dass es gut für ihn ist: Wenn ihm Gutes widerfährt, dann ist er dankbar und so ist es gut für ihn. Und wenn ihm Schlechtes widerfährt, dann ist er geduldig, so ist es gut für ihn. Und dies ist bei niemandem so, außer dem Gläubigen.“ [Verzeichnet bei Muşlim, Nr.2999].

Es gibt Frauen, die Magier aufsuchen, weil sie nicht wollen, dass ihr Ehemann eine weitere Frau heiratet. Und wenn er dann doch heiraten sollte, dann soll dieser Zauber ihn dazu bringen, dass er sich zu ihr so sehr hingezogen fühlt, dass er sich von der zweiten Frau wieder scheiden lässt. Sind sich diese Menschen denn im Klaren darüber, dass sie eine abscheuliche Tat begangen haben? Imām Muşlim hat in seinem „Şaĥīĥ“ verzeichnet, dass der Gesandte Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, gesagt hat: „Wer zu einem Zeichendeuter geht und ihn etwas fragt, dessen Gebet wird vierzig Tage lang nicht angenommen.“ Diese schlimme Androhung gilt für jene, die den Zeichendeuter lediglich etwas fragen. Derjenige jedoch, der ihn fragt und ihm Glauben schenkt, über ihn hat er, möge Allah ihn loben und Heil schenken, gesagt: „Wer zu einem Wahrsager geht und ihm das, was er sagt, glaubt, der leugnet das ab, was auf Muĥammad herabgesandt wurde.“

Manche werden von ihren Sorge, ihren Problemen und ihrer Verwirrung zu dieser verbotenen Tat getrieben. Grundlage für all dies ist der schwache Glaube (Īmān) an den erhabenen Allah. Der erhabene Allah hat niemals Heilung in eine Sache gelegt, die verboten ist.

Zu den Merkmalen eines Magiers, der ihn von einem Mediziner oder Therapeuten unterscheidet, sind folgende:

Du findest vor, dass er den Kranken nach seinen Namen und den Namen seiner Eltern fragt. Oder er nimmt etwas persönliches, das dem Kranken gehört. Oder er bittet um ein Tier, das bestimmte Merkmale aufweisen muss, um es zu opfern, jedoch nicht im Namen Allahs. Oder er wischt Blut dieses Tieres auf die kranke Stelle. Oder er schreibt Zauberworte auf und befiehlt dem Kranken, diesen Talisman umzuhängen. Oder er befielt ihm, sich für eine bestimmte Zeit von den Mitmenschen abzuwenden und in einem Zimmer zubleiben, wo kein Sonnenlicht eindringen kann. Oder er befiehlt ihm, dass er für eine bestimmte Zeit kein Wasser berühren darf. Oder er gibt ihm niedergeschriebene Blätter, die er verbrennen und inhalieren soll. Oder er sagt dem Kranken seinen Namen und den seines Vaters und den Ort, wo er wohnt und die Krankheit, die ihn plagt, schon bevor der Kranke selbst anfängt, darüber zu berichten.

Zu den Schutzvorkehrungen, die den Zauber von einem fernhalten, gehört, dass man sich allein auf Allah verlässt und nur Ihn bittet. Außerdem soll man sich mit dem edlen Qur`ān und mit den zahlreichen authentisch überlieferten Bittgebeten (Dhikr) verschanzen. Aber auch der vollkommene Tauĥīd (Eingottglaube), die enorme Achtsamkeit vor der List der Schurken und der Sittenlosen und das Meiden der Frevler sind Schutzvorkehrungen gegenüber Schutzvorkehrungen. Der erhabene Allah hat gesagt: "O die ihr glaubt, tretet allesamt in den Islam ein und folgt nicht den Fußstapfen des Satans! Er ist euch ja ein deutlicher Feind." [Al-Baqarah 2:208].

Und wer von der Magie betroffen ist, der soll sich den Propheten, möge Allah ihn loben und Heil schenken, zum Vorbild nehmen. Denn ‘Ā`ischah, Allahs Wohlgefallen auf ihr, hat berichtet: „Einmal stand der Gesandte Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, unter dem Einfluss der Magie. Er, möge Allah ihn loben und Heil schenken, bildete sich dann ein, dass er etwas tut, obwohl er es nicht tut. Eines Tages, als er bei mir war, sprach er mehrere Bittgebete aus, dann sagte er zu mir: „O ‘Ā`ischah, weißt du, dass Allah mich Aufschluss über meinen Zustand gegeben hat, als ich Ihn danach fragte?“ Ich sagte: „Und was ist es, o Gesandter Allahs?“ Er sagte: „Zwei Männer kamen zu mir. Der eine setzte sich neben meinen Kopf, der andere neben meine Füße. Der eine fragte den anderen: „Was ist mit dem Mann los?“ Der andere erwiderte: „Er ist verhext!“ Der erste fragte wieder: „Wer hat ihn verhext?“ Der andere erwiderte:Labīd Ibn al-A‘şamm, ein Jude vom Stamm Banu Zuraiq.“ Der eine fragte weiter: „Wie hat der Magier Macht über ihn gewonnen?“ Der andere erwiderte: „Durch einen Kamm, den er ihm entwendet und in dem einige Haare gesteckt waren, und durch einen Palmwedel.“ Der erste fragte: „Und wo sind diese Dinge jetzt?“ Der andere sagte: „Im Brunnen Dhī Arwān!““ Da ging der Gesandte Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, mit einigen seiner Gefährten dorthin. Danach erzählte er mir: „O ‘Ā`ischah, das Wasser des Brunnens sah aus als sei es mit Henna vermischt. Und die Palmen dort waren wie die Köpfe von Teufeln.“ Er ließ dann diesen Brunnen begraben.“ [Verzeichnet bei al-Buchārī]. Dies ist der Gesandte dieser Ummah, der von der Magie getroffen wurde, geschweige noch wir.

Doch das, worauf hier hingewiesen werden muss ist, das die Magie, von der der Gesandten Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, betroffen war, keinerlei Einfluss auf sein Prophetentum hatte. Das, was ihm widerfahren ist, ist eine Art Krankheit gewesen. Denn auch ist kann, wie alle anderen Geschöpfe auch, irdisches Leid erfahren. Zum Beispiel ist er einmal bewusstlos geworden, dann wurde sein Kopf verletzt, seine Rippen sind mal gebrochen und die Tatsache, dass er, möge Allah ihn loben und Heil schenken, sich durch den Einfluss der Magie Dinge glaubte zu tun, die er nicht tat. Dies war jedoch allein im Bezug auf irdische Angelegenheiten, nicht im Bezug auf religiöse Angelegenheiten, denn hier war er unfehlbar gewesen. Hierüber herrscht Konsens unter den Leuten des Wissens.

Auch Mūşā, möge Allah ihn loben und Heil geben, war von der Magie betroffen gewesen, als er glaubte Dinge zu sehen, die nicht real waren. Der erhabene Allah hat gesagt: "Er sagte: „Nein! Vielmehr werft ihr (zuerst).“ Und sogleich kamen ihm ihre Stricke und Stöcke durch ihre Zauberei so vor, als ob sie sich rasch bewegten." [TāHā 20:66]. Doch dies hatte keinerlei Auswirkungen auf seine Botschaft gehabt.

Zweitens:       Das Finden und Wiederaufheben des Zaubers. Dies ist die beste Methode, um demjenigen zu helfen, der von der Magie betroffen ist.

Drittens:         Die islamrechtlich legitime Ruqyā, die aus einer Sammlung von Qur`ān-Versen  und authentisch überlieferten Aĥādīthe besteht. Denn der erhabene Allah hat gesagt: "Und Wir offenbaren vom Qur`ān, was für die Gläubigen Heilung und Barmherzigkeit ist." [Al-Işrā` 17:82].

Viertens:        Das Vermehrte Bitten Allahs, das Ihn Anflehen und das sich für Ihn erniedrigen. Denn der erhabene Allah hat gesagt: "Euer Herr sagt: "Ruft Mich an, so erhöre Ich euch."" [Ĝāfir 40:60].

Es ist nicht verpflichtend, dass eine bestimmte Person diese Ruqyā durchführen muss. Ein Muslim kann für sich selbst, seiner Frau oder seinen Kindern die Ruqyā durchführen. Dies ist sogar besser, wenn dabei die Gottesfurcht (Taqwā) vorhanden ist.

Fünftens:        Das Rezitieren der Sure al-Baqarah. Der Gesandte Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, hat gesagt: „Rezitiert die Sure al-Baqarah, denn in dem, dass man sie nimmt, liegt Segen (Barakah) und wenn man sie beiseitelässt, so ist es sehr zu bedauern, und die Magier haben leine Macht über sie.“ [Verzeichnet bei Muşlim].

Was die Frage anbetrifft, wie ein Muslim sich selbst vom Einfluss eines Zaubers heilen kann, so kann dies wie folgt beantwortet werden:

1.         Er muss die Morgen- und Abendbittgebete regelmäßig sprechen und den Schemel-Vers und die beiden Schutzsuren rezitieren. Denn sie bilden einen Schutzwall um einen Muslim.

2.         An jeden Morgen sieben Datteln essen. Denn der Gesandte Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, hat gesagt: „Wer an jedem Morgen mit sieben weichen ‘Adjwah-Datteln (eine Dattelsorte in Medina) frühstückt, der wird im Laufe des ganzen Tages keinen Schaden auf Grund einer Vergiftung oder einer Magie erleiden.“ [Verzeichnet bei Buchārī und Muşlim].

3.         Das erwähnen des Namen Allahs auf alles. Der Gesandte Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, hat gesagt: „Wenn die Nacht anbricht, oder es Abend ist, so holt eure Kinder ins Haus denn die Satane begeben sich um diese Zeit überall hin. Wenn aber eine Zeitspanne der Nacht vorbei ist, lasset eure Kinder ruhen, schließt eure Türen und gedenkt des Namens Allahs denn Satan kann keine verschlossene Tür öffnen.“ [Verzeichnet bei Buchārī und Muşlim].

Möge Allah uns im Guten bewahren und uns vor der Magie und den Scharlatanen schützen.

 

 

 

_______________________________

 

[1] Anm. des Übersetzers:                Ein Zeichendeuter (arab. ‘Arrāf) ist laut Imām al-Baĝawī jemand, der behauptet Kenntnis über Angelegenheiten zu besitzen, die er aus Vorahnungen und mit Hilfe von Gegenständen habe. Dadurch, so behauptet er, könne er Ungeklärtes aufklären wie z.B. wer den Bestohlenen bestohlen hat und wo sich ein verlorener Gegenstand befindet. [siehe Taffşīr von aş-Şuyūtī; al-Baqarah 2:102].

Voraussetzungen für göttlichen Beistand (an-Naşr)

 


O Diener Allahs! Der erhabene Allah sagt: "Und Allah wird sicher dem beistehen, der Ihm beisteht. Allah ist wahrlich Allmächtig, Erhaben. Jenen, die, wenn Wir ihnen auf Erden die Oberhand gegeben haben, das Gebet verrichten und die Zakah entrichten und Gutes gebieten und Böses verbieten (, steht Allah bei). Und Allah bestimmt den Ausgang aller Dinge." [al-Ĥadj, 22:40f ].

O islamische Gemeinschaft! Die Gemeinschaft von Muĥammad, möge Allah ihn loben und Heil schenken, ist sowohl eine segenreiche als auch eine siegreiche Gemeinschaft zugleich. Sie ist außerdem eine vollkommene Gemeinschaft, da sie sich niemals bezüglich eines Fehlers oder einer Ungerechtigkeit vereinigen wird. Sie ist eine Gemeinschaft, die der erhabene Allah auserwählt hat. Er hat sie zur besten aller Gemeinschaften gemacht. Er machte alle anderen Gemeinschaften zu jene, die ihr folgen. Somit ist sie eine Gemeinschaft, die gefolgt wird und keine, die anderen folgt. Der erhabene Allah hat gesagt: "Ihr seid die beste Gemeinde, die für die Menschen entstand. Ihr gebietet das, was Rechtens ist, und ihr verbietet das Unrecht, und ihr glaubt an Allah." [Āli-’Imrān, 3:110].

Dieser Gemeinschaft ist der Beistand und der Sieg Allahs garantiert worden. Dieser Beistand ist jedoch gekoppelt an die Voraussetzung, dass sie Seiner Religion beistehen muss. Denn der erhabene Allah hat gesagt: "Und Allah wird sicher dem beistehen, der Ihm beisteht." [al-Ĥadj, 22:40].

Weiterlesen: Voraussetzungen für göttlichen Beistand (an-Naşr)

Der „böse Blick“ (al-‘Ayn) ist wahr

Alles Lob gebührt dem Herrn der Welten. Und Lob und Heil seien auf den edelsten Gesandten, unseren Propheten Muĥammad und auf seine Angehörigen und all seinen Gefährten.

Um fortzufahren:

O Diener Allahs! Zu den Vorteilen der islamischen Rechtslehre (Scharī‘ah) gehört, dass diese ein Grundprinzip geschaffen hat, das zu den grundlegendsten Prinzipen gehört, nämlich das Abwehren von Leid und Bedrohung. Ein Bereich der praktischen Anwendung dieser Regel ist, dass der Muslim stets darauf achtgeben sollte, weder einen anderen mit dem „bösen Blick“ zu treffen noch selbst damit getroffen zu werden.

Von Ibn ‘Abbāş, Allahs Wohlgefallen auf beide, wird berichtet, dass der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, gesagt hat: „Der „böse Blick“ ist wahr! Und wäre es möglich, dass etwas der göttlichen Fügung (al-Qadar) zuvorkommt, dann wäre es gewiss der böse Blick gewesen. Wenn ihr also aufgefordert werdet, die Gebetswaschung vorzunehmen, damit diese Person vom Einfluss des bösen Blickes geheilt wird, dann nimmt die Gebetswaschung vor.“ [verzeichnet bei Muşlim].

Imām an-Nawawī sagte in seiner Erklärung: „Hierin ist eine Bekräftigung der göttlichen Fügung. […] Kein Leid, dass durch den bösen Blick verursacht werden kann noch sonst irgendetwas anderes an Gutem oder Bösen kann geschehen, außer durch die Erlaubnis des erhabenen Allahs. In diesem Ĥadīth wird außerdem der böse Blick bestätigt und dass er enormes Leid verursachen kann.“

Imām Aĥmad und at-Tirmidhī (2059, der es als authentisch stufte) berichteten, dass Aşmā` Bint ‘Umaiş sagte: „O Gesandter Allahs, die Kinder von Dja‘far leiden wegen dem bösen Blick, der sie traf, darf ich für sie die Ruqyā durchführen?“ Er sagte: „Ja! Und wäre es möglich, dass etwas der göttlichen Fügung (al-Qadar) zuvorkommt, dann wäre es gewiss der „böse Blick“ gewesen.“ [als authentisch gestuft von al-Albānī in „Şaĥīĥ at-Tirmidhī“].

Abū Dāwūd berichtete, dass ‘Ā`ischah, Allahs Wohlgefallen auf ihr, sagte: „Die Person, die für den bösen Blick verantwortlich war, wurde geholt und drum gebeten, die Gebetswaschung durchzuführen. Dann hat sich die Person, die vom bösen Blick betroffen war, mit diesem Wasser gewaschen.“ [Dies wurde al-Albānī in „Şaĥīĥ Abī Dāwūd“ als authentisch gestuft].

Abī Na’īm hat in „al-Ĥilyah wa l-Khattīb al-Baĝdādī“, das von al-Albānī als gut gestuft wurde, berichtet, dass Djābir, Allahs Wohlgefallen auf ihm, gesagt hat: Der Gesandte Allahs, möge Allah ihn Loben und Heil schenken, hat gesagt: „Der böse Blick kann einen Mann ins Grab bringen und ein Kamel in den Kessel.“

Das heißt, dass der böse Blick einen Mann treffen kann, sodass es ihn tötet und er dann im Grab beigesetzt wird. Es kann aber auch ein Kamel treffen, das dann kurz vor seinem Tod vom Besitzer geschlachtet und dann im Kessel gekocht wird.

Nail al-Awtār hat gesagt, dass al-Bazzār mit einer guten Überlieferungskette von Djābir, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtet hat, dass der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, sagte: „Die meisten aus meiner Ummah, die durch die Festlegung und Bestimmung Allahs sterben werden, werden durch den bösen Blick sterben.“

Die Gelehrten der Şunnah haben bekräftigt, dass der böse Blick wahr ist und dass er krank machen und sogar töten kann. Dies steht im Widerspruch zu einigen Neuerern, die dieses ablehnen, obwohl sie die prophetischen Berichte, die authentisch sind, kennen.

Die Wirklichkeit des bösen Blickes ist, wie es al-Qiştalānī beschrieben hat, der bewundernde Blick, der auf etwas fällt und mit Neid behaftet ist, sodass derjenige, dem dieser Blick galt, dadurch Schaden davonträgt, weil der erhabene Allah dies zugelassen hat.

O Diener Allahs! Wenn nun der böse Blick wahr ist, was sind dann die Maßnahmen, die einen davor schützen und heilen können?

Zu den wichtigsten Maßnahmen, mit denen du den bösen Blick abwehren kannst, ist die Erneuerung des Versprechens seitens des Dieners, dass er sich gegenüber Allah bedürftig, erniedrigt und gebrochen zeigt und dass er sich begreiflich macht, dass er auf den Schutz Allahs und Seiner Fürsorge angewiesen ist. Dann sollte er vermehrt die Morgen- und Abendbittgebete (Adhkār) aufsagen, da denjenigen, der sie aufsagt, mit Allahs Hilfe kein Leid treffen kann.

Der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, pflegte für al-Ĥaşşan und al-Ĥuşşain Zuflucht bei Allah zu suchen, indem er sagte: „Euer Vater pflegte damit für Işmā’īl und Işĥāq Zuflucht bei Allah zu suchen. Ich suche für euch Zuflucht bei den vollkommenen Worten Allahs vor jedem Schaytān (Satan), jedem Ungeziefer und vor jedem bösen Blick.“ [verzeichnet bei al-Buchārī].

Zu den Maßnahmen, mit denen der böse Blick abgewehrt werden kann, gehört das verbergen der Dinge, bei denen man befürchtet, dass sie den bösen Blick auf sich ziehen könnten, so wie es Ya’qūb (Jakob) getan hat, als er seine Söhne aufgefordert hat, durch verschiedene Tore nach Ägypten hineinzugehen, weil es ein Bedürfnis in seiner Seele war, das er damit erfüllte. [1] Die Muffaşşirūn haben gesagt, dass er damit das Unheil des bösen Blicks von ihnen abwehren wollte.

Das gleiche tat auch der rechtgeleitetet Kalif ‘Uthmān, Allahs Wohlgefallen auf ihm, als er einen kleinen Jungen sah, der hübsch war. Er sagte: „Kremt sein Grübchen in der Wange ein, damit die Blicke von ihm abgewandt werden.“ Das heißt, füllt sie mit Creme, damit es nicht mehr deutlich zu sehen ist.

Bei Allah, du wirst dich wundern, wenn du siehst, wie prahlerisch, losgelöst und freizügig einige Frauen und muslimische Jugendliche umhergehen und das von ihrem Körper zur Schau stellen, was nicht gezeigt werden darf, weil sie damit Ungläubige und Frevler nachahmen wollen. Haben denn diese Leute nicht Angst um ihre Körper vor dem Leid, das durch den bösen Blick verursacht werden kann, wenn sie schon keine Angst vor der Bestrafung Allahs haben, Der ihre Körper zum Brennstoff des Höllenfeuers machen wird? [2] Aber nur diejenigen bedenken, die Verstand besitzen!

Wenn nun aber das Leid, das durch den bösen Blick verursacht werden kann, eingetroffen ist und sich im Körper verbreitet hat, dann kann dieses Leid durch Ruqyā und Bittgebete, die authentisch überliefert wurden, geheilt werden, weit weg von den betrügerischen Lügnern und den Zauberern und Scharlatanen, die lediglich den Besitz der Menschen in unrechter Weise aufzehren.

Damit wir anderen durch unseren Blick kein Leid zufügen, hat uns die Rechtslehre Allahs Dinge erlassen, die wir sagen sollen, wenn wir von der Gestalt eines Muslims, von seiner Lage, seinem Vermögen, seinen Kindern oder ähnlichem beeindruckt sind, nämlich: „Es sei, was Allah will; es gibt keine Kraft außer durch Allah.“ (ما شاء الله لا قوة إلا بالله - mā schā`-Allah, lā Quwatah illā billāh“), so wie es der erhabene Allah in der Geschichte über den Besitzer der zwei Oasen berichtet hat, als Er sagte: "Würdest du doch, wenn du deinen Garten betrittst, sagen: „(Es sei,) was Allah will; es gibt keine Kraft außer durch Allah!“" [al-Kahf 18:39].

Ibn Kathīr, möge Allah mit ihm gnädig sein, hat in seinem Taffşīr gesagt: „Manche Şalaf haben gesagt: „Derjenige, der von seiner Lage, seinem Vermögen oder seinen Kindern beeindruckt ist, sollte sagen: „Es sei, was Allah will; es gibt keine Kraft außer durch Allah.“

Zu den Maßnahmen, mit denen der böse Blick abgewehrt werden kann, ist die Segnung (at-Tabrīk), indem man sagt: „Möge Allah es segnen.“ (اللهم بارك فيه - Allāhumma Bārik fīh) oder „Es sei, was Allah will; Segensreich ist Allah.“ (ما شاء الله تبارك الله - mā schā` Allah tabārak-Allah), so wie es in der Geschichte von Şahl Ibn Ĥunaif berichtet wurde, dem ‘Āmir Ibn Rabī’ah Leid zugefügt hatte.

Diese Geschichte haben Imām Aĥmad, Ibn Mādjah, Mālik und andere von Şahl Ibn Ĥunaif, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtet. Eines Tages reiste der Gesandte Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, mit seinen Gefährten nach Mekka. Als sie die Felsenschlucht von al-Khazzār in al-Djuĥfah erreicht haben, hat sich Şahl Ibn Ĥunaif dort gewaschen. Er war ein weißer Mann, mit einem schönen Körper und einer schönen Haut. ‘Āmir Ibn Rabī’ah sah ihn, als er sich wusch, und sagte: „Ich habe noch nie so etwas gesehen, nicht mal die verborgene Haut einer Jungfrau ist so weiß.“ (Das war eine Metapher für die intensive Weiße seiner Haut). Daraufhin erlitt Şahl einen Anfall (ein epileptischer Anfall, in dem er zu Boden fiel). Der Gesandte Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, wurde daraufhin gerufen und man fragte ihn: „O Gesandter Allahs! Weißt du, was mit Şahl geschehen ist? Bei Allah, er kann weder seinen Kopf heben noch aufwachen.“ Er sagte: „Habt ihr irgendjemanden wegen ihm beschuldigen?“ Sie sagten: „‘Āmir Ibn Rabī’ah hat ihn angeschaut.“ Der Gesandte Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, ließ daraufhin ‘Āmir bringen und war sehr zornig auf ihn gewesen. Er sagte zu ihm: „Weshalb tötet einer von euch seinen eigenen Bruder? Wenn du etwas gesehen hast, was dich beeindruckt, dann bitte doch um Segnung für ihn?“ Dann sagte er weiter zu ihm (also zu ‘Āmir): „Verrichte die Gebetswaschung für ihn.“ Also hat ‘Āmir sein Gesicht, seine Hände, seine Ellbogen, die Unterseite seiner Füße in einer Schale gewaschen. Danach haben sie dieses Wasser über ihn (Şahl) gegossen - ein Mann, goss es über seinen Kopf und über seinen Rücken. Als sie dies für ihn getan haben, ist Şahl aufgestanden und ist mit den Leuten gegangen so, als wäre nie etwas geschehen.“

Dieser Ĥadīth zeigt, dass es für denjenigen erlaubt ist, der vom bösen Blick getroffen wurde und weiß, wer ihm das angetan hat, dass er ihn darum bittet, er möge für ihn die Gebetswaschung durchführen. Und derjenige, der dieses Unheil verursacht hat, sollte seiner Bitte nachkommen und nicht querulieren. Denn der Gesandte Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, hat gesagt: „Wenn ihr also aufgefordert werdet, die Gebetswaschung vorzunehmen, damit diese Person vom Einfluss des bösen Blickes geheilt wird, dann nimmt die Gebetswaschung vor.“ Al-Ĥāfidh Ibn Ĥadjar, möge Allah mit ihm gnädig sein, hat gesagt: „Nach dem Wortlaut zu urteilen, ist dies sogar eine Pflicht.“

Jeder, der glaubt, dass er wahrscheinlich andere mit seinen bösen Blick treffen könnte, sollte bezüglich seinen Geschwistern Allah fürchten, so wie es der Gesandte Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, gesagt hat und für sie bei Allah um Segnung bitten. Er sollte außerdem das übermäßige Beschreiben und Bewundern von Dingen unterlassen und das Rebellieren seiner Seele, die etwas gesehen hat, das sie beeindruckt, unterbinden.

Du würdest dich wundern, wenn du über die Hartnäckigkeit einiger Menschen Bescheid wüsstest, die andere mit ihren bösen Blick schaden wollen. Sie wetteifern sogar untereinander, wer einer bestimmten Person mehr Schaden und Leid zufügen kann oder wer dessen Auto oder dessen Haus einen Schaden verursachen kann.

O Diener Allahs! Wenn derjenige, der anderen Leid mit seinem bösen Blick zufügt, darauf beharren sollte, dieses weiter zu tun, dann ist es dem Machthaber oder dem Richter gestattet, ihn zurechtzuweisen und gegebenenfalls in Gewahrsam zu nehmen, solange bis er diese Tat unterlässt, so wie es von den Gelehrten bekräftigt wurde.

Das, worauf jedoch unbedingt hingewiesen werden muss ist, dass der böse Blick, der dich durch eine andere Person getroffen hat, nicht unbedingt bedeuten muss, dass diese Person schlecht ist. Denn eine Person kann sogar vom eignen bösen Blick getroffen werden. Ibn al-Qayyim hat gesagt: „Eine Person kann vom eignen bösen Blick getroffen werden und er kann andere damit unabsichtlich treffen.“

Ibn ‘Abdul-Barr, möge Allah mit ihm gnädig sein, hat gesagt: „Ein rechtschaffener Mensch kann andere mit seinem bösen Blick treffen. Er kann sogar sich selbst mit dem bösen Blick treffen.“

Al-Manāwī hat über den Kalifen Şulaimān Ibn ‘Abdul-Malik berichtet, dass er eines Tages sich selbst im Spiegel betrachtet hat und dabei sagte: „Muĥammad, möge Allah ihn loben und Heil schenken, war der Prophet, Abū Bakr war der Wahrhaftige, ‘Ummar war der Trenner (zwischen Glaube und Unglaube) und ‘Uthmān der Liebling. Ich aber bin der junge König.“ Kein Monat ist danach vergangen, als er starb.

Ein anderer Mann hatte eine hübsche Tochter gehabt. Eines Tages ging er zu ihr, schaute sie an und sagte, ohne dabei den Namen Allahs zu erwähnen: „Du bist wahrlich ein Abbild des Glücks, wessen Anteil wirst du wohl sein?“ (D.h. wer wird die Ehre haben, dich als seine Ehegattin zu haben.) Es vergingen nur wenige Stunden, als ihre Körpertemperatur anstieg und sie dann verstarb, eher der Morgen anbrach.

O Diener Allahs! Alles geschieht durch die Erlaubnis Allahs. Deshalb darf all jenen, die bekannt sind für ihren bösen Blick, weder Ehrfurcht noch Angst entgegen gebracht werden. Außerdem darf man auch nicht verleitet werden zu glauben, dass in ihren Händen die Macht für Schaden und Nutzen liegt oder dass sie anderen durch ihren eigenen Willen Schaden zufügen können. Liest wenn ihr wollt die Aussage Allahs, die er über die Zauberer getätigt hat, deren Schaden ja bekanntlich größer ist als von jene, die andere mit ihrem bösen Blick Leid zufügen: "Doch können sie damit niemandem schaden, außer mit Allahs Erlaubnis." [al-Baqarah 2:102].

Somit besitzt nur Er allein die Verfugungsgewalt. Keine Brise fegt durch das Land außer mit Seinem Befehl und nichts, was das Gewicht eines Stäubchens hat und in diesem weiten Universum existiert, bewegt sich, außer durch Sein Wille und mit Seiner Kenntnis, Erhaben ist Er.

Es gibt Menschen, denen etwas wiederfahren ist, das schlimmer ist als der böse Blick, nämlich, dass sie alles auf den bösen Blick zurückführen. Wenn sie nun beim sprechen stottern sollten, beim gehen stolpern oder einen Unfall mit ihrem Fahrzeug haben, glauben sie, dass dies das Resultat des bösen Blicks sei. Du wirst Frauen und Männer vorfinden, die nichts an sich haben was zu bewundern wäre, weder ihr Äußeres, noch ihr Charakter, noch ihr Wissen noch ihre Religion und trotzdem glauben sie, dass sie überall vom bösen Blick verfolgt werden. Dies ist jedoch lediglich ein Köder des Teufels, damit die Menschen mit diesen Einflüsterungen leben, die ihnen ihre Religion verdirbt und ihre weltlichen Vorteile behindern.

Möge Allah uns im Guten bewahren und uns vor dem bösen Blick schützen.

 

 

 

 

__________________________________

 

[1] Siehe dazu Sure 12, Yūşuf, Vers 67f.

[2] Siehe dazu Sure 2, al-Baqarah, Vers 24.

Die Wirklichkeit hinter den göttlichen Prüfungen (al-Ibtilā`)

 


O ihr Gläubige! Fürchtet Allah in geziemender Furcht. Ehrt sowohl die Gebote Allahs als auch Seine Verbote, indem ihr den Geboten nachkommt und den Verboten fernbleibt. Denn nur dadurch erlangt ihr die Gottesfurcht!

O ihr Gläubige! Der erhabene Allah ist Derjenige, in Dessen Hand die Herrschaft über Himmel und Erde ruht. Er allein besitzt die absolute Macht. Allah bestimmt über Seine Diener das, was Er möchte. Er erweitert und beschränkt dem, dem Er will, die Mittel zum Unterhalt. All das sind Prüfungen des erhabenen Allahs!

Deshalb ist die göttliche Prüfung ein sehr bedeutsames und höheres Gesetz, das die Muslime behüten sollten. Sie sollten die Grundlagen der islamischen Rechtslehre lernen und lehren, so wie sie im Buche Allahs und in der Şunnah Seines Gesandten, möge Allah ihn loben und Heil schenken, überliefert wurde. Denn diese Quellen zeigen die Wirklichkeit hinter der göttlichen Prüfung und den Zweck, den sie dabei erfüllt. Der erhabene Allah hat uns berichtet, dass Er die Menschen mit dem Bösen und mit dem Guten auf die Probe stellt. Beides sind also Prüfungen, sowohl das Gute als auch das Böse. Mit beiden prüft der erhabene Allah die Menschen gleichermaßen.

Es werden manchmal ganze Gruppen von Menschen von Allah geprüft und manchmal aber auch nur vereinzelte Personen. Sie werden geprüft, indem sie manchmal mit Guten und manchmal mit Katastrophen auf die Probe gestellt werden. All das obliegt Seiner uneingeschränkten Weisheit. Er bestimmt, was Er will und Er entscheidet mit dem, was Er will! Ihm allein obliegt die absolute Macht und Ihm allein obliegt die Herrschaft über aller Dinge.

Alle Dinge, die geschehen, geschehen, weil Er es so bestimmt hat und in Übereinstimmung mit Seiner Weisheit und mit Seinem Willen. Das, was Er will, wird geschehen und das, was Er nicht will, wird nicht geschehen! Deshalb erweitert Er einigen Menschen die Mittel zum Unterhalt und anderen nicht.

Der edle Qur`an und die Şunnah des Gesandten Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, zeigen uns die Weisheit, die dahinter steckt. Denn der erhabene Allah hat gesagt: "Wenn sie aber den (rechten) Weg einhalten, dann werden Wir ihnen reichlich Wasser zu trinken geben, um sie dadurch zu prüfen." [al-Djin 72:16f].

Derjenige also, dem Freude, Gunst und Segen gewährt wurde, muss sich bewusst machen, in welch eine gänzliche Lage er gebracht wurde. Er muss sich fragen, ob er auch zu denen gehört, die den rechten Weg einhalten oder nicht. Er muss sich selbstkritisch hinterfragen, ob er zu den Gläubigen gehört, die auf Allah hören, indem sie Seinen Geboten folgen und Seinen Verboten fernbleiben oder nicht. Wenn er zu denen gehören sollte, die den rechten Weg einhalten, gläubig sind und auf die Gebete achten und denen der erhabene Allah außerdem die Mittel zum Unterhalt erweitert hat, dann soll er wissen, dass der erhabene Allah ihm all das gegeben hat, um ihn damit zu prüfen. Er prüft ihn, ob er sich bezüglich all dieser Güte als dankbar erweisen wird, oder diese doch leugnen wird.

Denn wie oft schon haben Menschen den rechten Weg eingehalten und sind dann, als ihnen Reichtum und Wohlstand gewährt wurde, in die Irre gegangen und haben den erhabenen Allah für all das nicht gedankt. Derjenige also, der den rechten Weg einhält, im vollen Besitz seiner Kräfte ist, Gesund ist und über ausreichen Wohlstand verfügt, der sollte wissen, dass der erhabene Allah ihn mit all diesen Dingen prüft, um zu sehen, ob er dankbar sein wird oder leugnen wird. Denn das hat uns der erhabene Allah über Şulaimān, Allahs Heil auf ihm, berichtet, als er sagte: "Dies geschieht durch die Gnade meines Herrn, um mich zu prüfen, ob ich dankbar oder undankbar bin." [an-Naml, 27:40].

Diese Worte sagte Şulaimān, Allahs Heil auf ihm, als ihm der Thron von Bilqīş gebracht wurde. Er verstand sofort, dass diese Gunst, die ihm der erhabene Allah gewährt hat, eine Prüfung war, um festzustellen, ob er sich dankbar zeigen wird oder ob er glaubt, all das allein geschafft zu haben.

Eine andere Sorte von Menschen wird auch mit Wohlstand und Wohlergehen geprüft, während sie jedoch zu denen gehören, die nicht den vollkommenen Glauben im Herzen tragen, unmäßig bei den Pflichten sind, den Verboten nacheifern und keinem sein Recht geben. Diese Menschen sollten Wissen, dass dies eine Prüfung ist und dass der erhabene Allah sie stufenweise dem Verderben näherbringt. Denn das wurde im folgenden Ĥadīth überliefert. Der Gesandte Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, hat gesagt: „Wenn du siehst, wie Allah einem Diener (Wohlstand) gibt und dieser (trotzdem) auf Sünden beharrt, dann wisse, dass er ihn stufenweise (dem Verderben) näherbringt.“ [Dieser Ĥadīth von ’Uqbah Ibn ’Āmir, Allahs Wohlgefallen auf ihm, ist authentisch (Şaĥīĥ) und wurde bei Aĥmad verzeichnet (4/145)].

Der erhabene Allah hat dazu gesagt: "Wir werden sie stufenweise (dem Verderben) näherbringen, von wo sie nicht wissen. Und Ich gewähre ihnen Aufschub. (Aber) gewiss, Meine List ist fest." [al-Qalam, 68:44f].

Der erhabene Allah reagiert mit wachsamerer Sorge, wenn Er sieht, dass Seine Heiligtümer verletzt werden und trotzt alledem erweitert Er dem, der den rechten Weg nicht einhält, die Mittel zum Unterhalt, damit er ihn prüft. Deshalb sollten diese Menschen, die undankbar sind, wissen, dass all dies dazu dienen soll, dass einem dadurch das Verderben stufenweise nähergebracht wird, damit andere Menschen sehen, was aus ihnen geworden ist, nachdem die Bestrafung sie ereilt hat.

Ein Muslim sollte stets zu seinem Herrn zurückkehren für all das, was Er ihm an Freude, Gunst und Segen gegeben hat. Wenn er gläubig ist, den Geboten nachkommt und den Verboten fernbleibt, dann sollte er stets darum bemüht sein, seinem Herrn dafür zu danken. Außerdem sollte er all das, was er von seinem Herrn bekommen hat, auch für das einsetzen, was erlaubt ist. Er sollte auch nicht glauben, dass er all das durch seine eigene Kraft und durch sein Können erreicht hat, sondern, weil der erhabene Allah ihm dies gewährt hat.

Wer sich jedoch mit Sünden umgibt und nicht den rechten Weg einhält, obwohl der erhabene Allah ihm Freude, Gunst und Segen gegeben hat, der sollte endlich aufwachen, bevor er all diese Dinge wieder verliert.

Die andere Sorte von Menschen wird nicht mit dem Guten geprüft, sondern mit Katastrophen und Heimsuchungen. Diese Katastrophe kann sich folgendermaßen auswirken: Das Vermögen kann sich verringern, die Gesundheit kann sich verschlechtern und so weiter. Diese Heimsuchungen entsprechen jedoch der vollkommenen Weisheit des erhabenen Allahs, Seiner Vorherbestimmung und Seines Vorgehens gegen Seine Schöpfung. Seitdem Ādam als Erster auf dieser Erde war, gibt es schon Heimsuchungen. Diese können Krankheiten sein, Todesfälle, Hungerkatastrophen, Verlust von Vermögen oder ähnliches. Hier prüft der erhabene Allah den Glauben der Menschen, so wie er es zur Zeit des Kalifats von ’Ummar Ibn al-Chattab, Allahs Wohlgefallen auf ihm, getan hat. In seiner Zeit wurden die Muslime von Allah mit einer Hungerskatastrophe geprüft, das ein ganzes Jahr andauerte. Der erhabene Allah wollte mit dieser Prüfung sehen, ob sie Ihn um Rettung fragen werden und sich geduldig zeigen oder ob sie gegenüber ihren muslimischen Geschwistern geizen werden. Auch der Gesandte Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, wurde mit seinen Gefährten von Allah in der Schlacht von Uĥud geprüft. Der erhabene Allah hat gesagt: "Und als euch ein Unglück traf, nachdem ihr das Doppelte erlangtet, sprachet ihr da etwa: „Woher (kommt) dies?“ Sprich: "Es kommt von euch selber."" [Āli-’Imrān, 3:165].

Diese Menschen wurden prüft, trotz ihres festen Glaubens und trotzt ihrer Standhaftigkeit. Der erhabene Allah hat sie geprüft, obwohl sie sehr weit entfernt waren vom Schirk (Götzendienst) oder den Neuerungen (Bidda’). Diese Menschen wurden geprüft um zu sehen, ob sie weiterhin an ihrer Religion ausnahmslos festhalten werden, so wie sie es zuvor stets getan haben, oder ob sie anfangen werden zu zweifeln, so wie es leider bei vielen Unwissenden heutzutage der Fall ist.

Eine andere Gruppe von Menschen wird auch durch Katastrophen und Heimsuchungen geprüft, indem zum Beispiel Überschwemmungen und Erdbeben bei ihnen auftreten, sie ihren Reichtum verlieren oder ähnliches. Wenn man sich jedoch diese Menschen etwas genauer anschaut, dann stellt man fest, dass sie den Sünden nachgeeifert haben, den Rechten und Pflichten Allahs keinerlei Beachtung gaben, den Tauĥīd ignorierten, obwohl dieser das Wichtigste überhaupt ist und haben weder das Übel bekämpft noch das Gute unterstützt, im Gegenteil sie haben dafür gesorgt, dass sich das Übel verbreitet. All diese Menschen hat diese Katastrophe ereilt, weil der erhabene Allah sie für ihre Taten bereits im Diesseits bestrafen wollte. Wenn es Muslimen widerfährt, die gläubig sind, so ist es eine Prüfung von Allah. Doch wenn es Menschen trifft, die bereits in Sünden ertrunken sind, so ist dies eine Bestrafung von Allah. Der erhabene Allah berichtet uns im Qur`ān über die Eigentümer des Gartens, die unter sich folgendes vereinbart haben: "[…] „Zu euch hinein darf ihn heute kein Armer betreten.“" [al-Qalam, 68:17].

Sie haben den Menschen ihr Recht verwehrt. Dies war eine Sünde, die eine Heimsuchung mit sich brachte. Der erhabene Allah hat gesagt: "Dann kam eine Heimsuchung deines Herrn über ihn, während sie schliefen. Und am Morgen war (der Garten) bereits verwüstet. Dann riefen sie am Morgen einander zu: „Geht in der Frühe zu eurem Acker hinaus, wenn ihr ernten möchtet.“ Und sie machten sich auf den Weg und redeten dabei flüsternd miteinander: „Zu euch hinein darf ihn heute kein Armer betreten.“ Und sie gingen in der Frühe hin mit dem festen Vorsatz, geizig zu sein. Doch als sie ihn sahen, sagten sie: „Wahrlich, wir befinden uns im Irrtum!“" [al-Qalam, 68:19ff].

Als sie ungerecht wurden, kam die Bestrafung sofort. Das sind also all die Gruppen unter den Muslimen, die vom erhabenen Allah geprüft werden, mal ist es das Gute und mal das Böse, womit der erhabene Allah Seine Diener prüft. Es gehört zur Grundlage der islamischen Rechtslehre, dass wenn einem Muslim etwas Böses widerfährt, er sich geduldig zeigen muss. Und wenn es einem Muslim widerfährt, der gegenüber den Rechten und Pflichten Allahs zu kurz getreten ist, dann soll dieser wissen, dass dies eine Bestrafung ist, mit der der erhabene Allah Seine Diener Angst machen möchte. Der Gesandte Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, hat gesagt: „Keiner reagiert mit wachsamerer Sorge als Allah, wenn Er sieht, dass Sein Diener oder Seine Dienerin Unzucht (Zina) begehen.“ [Diesen Ĥadīth von ’Ā`ischah, Allahs Wohlgefallen auf ihr, hat al-Buchārī unter der Nr. 1044 verzeichnet].

Liebe Muslime, seid Wachsam! Wenn der erhabene Allah euch Wohlstand und Gutes gewährt hat, dann seid dankbar dafür und haltet euch an Ihm fest. Und wenn Er euch mit Katastrophen und Bösem prüft, dann seid standhaft und zweifelt nicht an Seine Religion.

Möge der erhabene Allah uns vor solchen Prüfungen verschonen. Und wenn Er uns dann doch prüfen sollte, dann möge Er uns standhaft machen! Hört, was der erhabene Allah im folgenden Vers gesagt hat: "Und Wir wollen euch sicherlich prüfen, bis Wir diejenigen von euch ausscheiden, die kämpfen und standhaft sind. Und Wir wollen eure Verhaltensweise bekannt geben." [Muĥammad, 47:31].

Möge Allah unseren geliebten Propheten Loben und Heil schenken. Und möge Er Wohlgefallen haben auf unsere vier rechtschaffenen Kalifen, die mit der Wahrheit gerichtet haben und gerecht waren.

 

Scheich Şāliĥ Ben ’Abdul-’Azīz Āl asch-Scheich

Seite 1 von 2

Meistgelesene Beiträge