KAPITEL 1: Die Definition des Wortes Tauĥīd

Sprachlich: Etwas für einzig erklären oder als eins erklären. Der Begriff stammt von dem arabischen Verb „waĥĥada“, was sprachwissenschaftlich „zu einem machen“ bedeutet.

In der islamischen Rechtslehre (Scharī’ah): Die Aufrechterhaltung der Einheit in der Herrschaft Allahs (Tauĥīd ar-Rubūbiyyah), in der Göttlichkeit Allahs (Tauĥīd al-Ulūhiyyah) und in den Namen und Eigenschaften Allahs (Tauĥīd al-Aşmā` wa ş-Şifāt).

Die drei Kategorien der Einheit Allahs (Tauĥīd):

  1. Die Aufrechterhaltung der Einheit in der Herrschaft Allahs (Tauĥīd ar-Rubūbiyyah)
  2. Die Aufrechterhaltung der Einheit in der Göttlichkeit Allahs (Tauĥīd al-Ulūhiyyah).
  3. Die Aufrechterhaltung der Einheit in den Namen und Eigenschaften Allahs (Tauĥīd al-Aşmā` wa ş-Şifāt)

Erste Kategorie: Tauĥīd ar-Rubūbiyah (Die Aufrechterhaltung der Einheit in der Herrschaft Allahs)

Die Aufrechterhaltung der Einheit Allahs in der Schöpfung (al-Khalq), in der Herrschaft (al-Mulk) und in der Verfugungsgewalt (at-Tadbīr).

Die Aufrechterhaltung der Einheit Allahs in der Schöpfung (al-Khalq):  Der Mensch muss glauben, dass es keinen Schöpfer gibt außer Allah. Der erhabene Allah hat gesagt: "Sein ist die Schöpfung und der Befehl."1

Dieser Satz bezweckt eine Einschränkung, um das Prädikat vorzuziehen. Wenn nämlich etwas vorgezogen wird, dass eigentlich zurückgestellt werden müsste, dann bezweckt dies eine Einschränkung.2 Er , der Erhabene, sagte: "Gibt es einen anderen Schöpfer als Allah, Der euch vom Himmel und von der Erde versorgt?"3

Dieser Vers bezweckt eine Spezifizierung der Fähigkeit der Schöpfung auf Allah. Das, was jedoch über das Bekräftigen eines anderen Schöpfers als Allah berichtet wurde, wie die Aussage des erhabenen Allahs "Segensreich ist Allah, der beste Schöpfer" oder die Aussage des Gesandten Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken: „Macht das lebendig, was ihr geschaffen habt“4, so ist dies weder eine wirkliche Schöpfung noch eine Schaffung nach einer Nichtigkeit. Dies ist lediglich eine Umwandlung einer Sache von einem Zustand in den anderen. Außerdem ist dies auch nicht allumfassend. Im Gegenteil, sie ist beschränkt auf das, was ein Mensch bewältigen kann. Sie ist außerdem auch in einem sehr engen Kreis beschränkt. Deshalb steht dies nicht in Gegensatz zu unserer Aussage: Die Aufrechterhaltung der Einheit Allahs in der Schöpfung.

Die Aufrechterhaltung der Einheit Allahs in der Herrschaft (al-Mulk):  Wir müssen glauben, dass niemand über die Schöpfung herrschen kann, außer ihr Schöpfer, so wie es der erhabene Allah gesagt hat: "Allah gehört die Herrschaft der Himmel und der Erde."5 Und der erhabene Allah sagt auch: "Sag: In wessen Hand ist die Herrschaftsgewalt über alles?"6

Das, was jedoch über das Bekräftigen eines anderen Herrschers als Allah berichtet wurde, wie die Aussage des erhabenen Allahs "[…] außer gegenüber ihren Gattinnen oder was ihre rechte Hand (an Sklavinnen) besitzt, denn sie sind (hierin) nicht zu tadeln […]"7 oder Seiner Aussage "[…] (in einem Haus,) dessen Schlüssel ihr besitzt […]"8 so ist diese Herrschaft sehr eingeschränkt und umfasst nur einen kleinen Bereich der Schöpfung. Der Mensch besitzt lediglich das, was unter seiner Hand ist und nicht das, was unter der Hand eines anderen ist. Außerdem ist dieser Besitzt ein sehr geringer, denn ein Mensch besitzt den wirklich das, was er hat, völlig. Er darf mit diesen Dingen nur so verfahren, wie es ihm die islamische Rechtslehre erlaubt. Zum Beispiel: Wenn jemand sein eigenes Geld verbrennen möchte oder sein Tier quälen möchte, zu ihm sagen wir: Dies ist nicht erlaubt. Was jedoch den erhabenen Allah anbetrifft, so besitzt Er die völlige und allumfassende Herrschaft über alles.

Die Aufrechterhaltung der Einheit Allahs in der Verfugungsgewalt (at-Tadbīr):           Der Mensch muss glauben, dass niemand die absolute Verfugungsgewalt besitzt außer Allah allein. Die Verfugungsgewalt des Menschen ist eingeschränkt auf das, was unter seiner Hand ist und auf das, was ihm die islamische Rechtslehre vorschreibt.

Diese Kategorie des Tauĥīd (Tauĥīd ar-Rubūbiyyah) haben die Götzendiener (Muschrikīn), zu denen der Gesandte Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, entsandt wurde, nicht abgelehnt. Im Gegenteil, sie haben es anerkannt. Der erhabene Allah hat gesagt: "Und wenn du sie fragst: „Wer schuf die Himmel und die Erde?“, werden sie sicherlich sagen: „Der Allmächtige, der Allwissende hat sie erschaffen.“"9

Sie bestätigen, dass Allah sowohl Derjenige ist, Der die Angelegenheit regelt als auch Derjenige, in dessen Hand das Reich der Himmel und der Erde ist. Kein bekannter Sohn Adams (also Mensch) hat dies jemals abgelehnt. Niemand der Geschöpfe hat jemals gesagt: Das Universum hat zwei gleichgestellte Schöpfer.

Niemand verleugnete den Tauĥīd ar-Rubūbiyyah, weder auf dem Wege des at-Ta’ţīl (eine Bedeutung außer Kraft setzen – also Leugnung) noch auf dem Wege des at-Taschrīk (Teilhaberei). Außer Pharao, der dies auf dem Wege der Leugnung und aus Sturheit getan hat. Er erkannte Allah die Herrschaft ab und leugnete Seine Existenz. Der erhabene Allah sagte erzählend über ihn: "Er (Pharao) sagte: „Ich bin euer höchster Herr.“"10 Pharao sagte auch: "Ich weiß euch keinen anderen Gott als mich."11

Diese Sturheit von ihm kam, weil er genau wusste, dass er nicht Gott ist, sondern jemand anders, so wie es der erhabene Allah gesagt hat: "Und sie verleugneten sie, obwohl sie selbst davon überzeigt waren, aus Ungerechtigkeit und Überheblichkeit."12

Der erhabene Allah sagte erzählend über Moses, während er mit Pharao diskutierte: "Er sagte: „Du weißt ja, niemand außer dem Herrn der Himmel und der Erde hat diese als einsichtbringende Zeichen herabgesandt.“"13 Auch Pharao hat in seinem Innern bestätigt, dass der erhabene Allah der alleinige Herr ist.

Die Sonnenanbeter (al-Madjūş) haben den Tauĥīd ar-Rubūbiyyah auf dem Wege der Teilhaberei geleugnet. Sie sagen: „Das Universum hat zwei Schöpfer, einmal die Finsternis und einmal das Licht.“ Und trotzdem haben sie diese zwei Schöpfer nicht gleichgestellt. Sie sagen: „Das Licht ist besser als die Finsternis, denn das Licht erschafft all das Gute und die Finsternis all das Schlechte. Deshalb ist derjenige, der das Gute erschafft besser, als der, der nur Schlechtes erschafft.“ Sie sagen auch: „Die Finsternis ist nichtig und erhellt nicht. Das Licht hingegen existiert und erhellt. Deshalb ist dieser Vollkommender in seinem Wesen.“ Sie sagen auch, dass es eine dritte Kategorie gibt: Nach der Auffassung der Philosophen ist das Licht viel älter als die Finsternis. Sie sind sich jedoch uneins darüber, ob die Finsternis alt oder neuartig ist. Hier gibt es zwei Aussagen.

Die logischen Beweise, dass der Schöpfer des Universums nur ein Einziger sein kann:

Der erhabene Allah hat gesagt: "Allah hat Sich keine Kinder genommen, und keinen Gott gibt es neben Ihm, sonst würde fürwahr jeder Gott das wegnehmen, was er erschaffen hat, und die einen von ihnen würden sich den anderen gegenüber wahrlich überheblich zeigen."14

Würden wir diesem Universum zwei Götter zuschreiben, dann würde wahrlich jeder Gott seinen Anteil, das er erschaffen hat, für sich allein beanspruchen wollen, ohne Beteiligung eines Zweiten, so wie es bei allen Königen und Herrschern der Fall ist. Niemand von ihnen kann es ertragen, dass ihn jemand in seiner Macht beteiligt. Wenn nun jeder von ihnen die alleinige Herrschaft für sich beansprucht, dann werden sie sich gegenseitig nur behindern. Und wenn einer von ihnen den anderen besiegt, dann muss der Unterlegende der beiden dem anderen die Herrschaft anerkennen. Wenn beide jedoch gleichstark sind, dann werden sie sich weiterhin nur gegenseitig behindern und niemand von ihnen hätte wirklich die absolute Macht, die die ar-Rubūbiyyah voraussetzt. Somit könnten beide keine Götter sein.

 

 

 

 

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[1] al-A’rāf 7:54

[2] Der Scheich des Islam Ibn Taimiyah hat in „Madjmū’ al-Fatāwah“ (1/92) gesagt: „Was jedoch die zweite Sorte anbetrifft, so ist dies der Schirk in der Aufrechterhaltung der Einheit Allahs in der Herrschaft (ar-Rubūbiyyah).  Der erhabene Allah ist der Herrscher (al-Mālik) und Derjenige, Der die absolute Verfugungsgewalt besitzt (al-Mudabbir), der Geber (al-Mu’ti) und Zurückweisende (al-Māni’), der Wohltäter (an-Nāfi’) und derjenige, ohne dessen Erlaubnis niemand etwas zustoßen kann (ad-Dār), der Erniedrigende (al-Khāfid) und der Erhöhende (ar-Rāfi’), der Ehrende (al-Mu’izz) und der Entehrende (al-Mudhill). Wer also bezeugt, dass entweder der Geber (al-Mu’ti) oder der Zurückweisende (al-Māni’), derjenige, ohne dessen Erlaubnis niemand etwas zustoßen kann (ad-Dār) oder der Wohltäter (an-Nāfi’), der Ehrende (al-Mu’izz) oder der Entehrende (al-Mudhill) jemand anders ist, als Allah, dann hat er Schirk im Bezug auf ar-Rubūbiyyah.

Wenn man diesen Schirk loswerden möchte, dann soll man sich den ersten Geber anschauen und ihn für all das danken, was Er ihm an Wohl gegeben hat. Dann soll man sich denjenigen anschauen, der einem eine Wohltat erwiesen hat und ihn dafür auch belohnen. Denn der Gesandte Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, hat gesagt: „Wer dir eine Wohltat erweist, dann belohne ihn dafür […].“ Der erhabene Allah ist Der, Der in Wirklichkeit gibt. Denn Er erschuf die Versorgung und bemisst es auch […]. Das, was diese Bedeutung mehr bekräftigt, ist die Aussage des Gesandten Allahs , möge Allah ihn loben und Heil schenken,, der gesagt hat: „Und wisse, dass, wenn die gesamte Gemeinde beschließt, dir in einer Sache zu nutzen, sie dir nur in etwas nutzt, das Allah schon für dich niedergeschrieben hat […].“ Das zeigt, dass in Wirklichkeit niemand dir Nutzen kann außer Allah und dass dir nur mit Allahs Erlaubnis etwas zustoßen kann. Das gilt für all das, was wir im Bezug auf ar-Rubūbiyyah erwähnt haben.

Wer nun also diesen Weg geht, der braucht sich keine Sorgen bezüglich der Anbetung der Schöpfung zu machen […]. Der Tauĥīd hat sich in seinem Herzen entfaltet und somit seinen Glauben (Īmān) gestärkt, seine Brust (für den Islam) geweitet und es erhellt […]. Deshalb sagte al-Fadīl Ibn ’Iyād: „Wer die Menschen kennt, der kann entspannt sein.“ Damit meint er – und Allahs weiß es am Besten – dass sie weder Nutzen noch Schaden können.“

[3] Fātir 35:3

[4] Ĥadīth von Ibn ’Ummar der bei al-Bukhārī in seinem Şaĥīĥ verzeichnet hat: Buch „Die Kleidung“, Kapitel „Die Bestrafung derer, die Bilder machen“.

[5] Āli-’Imrān 3:189

[6] al-Mu`minūn 23:88

[7] al-Mu`minūn 23:6

[8] an-Nūr 24:61

[9] az-Zukhruf 43:9

[10] an-Nāzi’āt 79:24

[11] al-Qaşaş 28:38

[12] an-Nūr 27:14

[13] al-Işrā` 17:102

[14] al-Mu`minūn 23:91

Dritte Kategorie: Tauĥīd al-Aşmā` wa ş-Şifāt (Die Aufrechterhaltung der Einheit in den Namen und Eigenschaften Allahs)

Das bedeutet, dass man bekräftigt, dass Allah einzig ist in den Namen und Eigenschaften, die Er hat. Das beinhaltet zweierlei Dinge:

Erstens:          Die Bekräftigung. Man bekräftigt also dem erhabenen Allah all Seine Namen und Eigenschaften.

Zweitens:       Das Verneinen der Vergleichung. Man verneint jeglichen Vergleich mit Allah in Seinen Namen und Eigenschaften, so wie der erhabene Allah gesagt hat: "Nichts ist Ihm gleich und Er ist der Allhörende, der Allsehende."1

Dieser Vers weist klar darauf hin, dass Ihm in all Seinen Eigenschaften kein Geschöpf gleich ist, auch wenn sich die Wortbedeutungen ähneln sollten. Denn sie unterscheiden sich trotzdem in ihrer Wirklichkeit enorm. Somit ist derjenige, der nicht das bekräftigt, was Allah Sich Selbst zugeschrieben hat, ein Annullierer (Mu’attil). Seine Annullierung (Leugnung) hier gleicht der Annullierung von Pharao. Und wer diese zwar bekräftigt, aber diese auch gleichzeitig mit denen der Geschöpfe vergleicht, der gleicht den Götzendienern, die auch andere neben Allah angebetet haben. Und wer diese nun bekräftigt, ohne dabei Vergleiche zu ziehen, der gehört zu den Muwaĥĥidīn.

Bezüglich dieser Kategorie des Tauĥīds sind einige irregegangen, die der islamischen Gemeinschaft angehören und spalteten sich in zahlreichen Gruppen. Manche von ihnen sind den Weg des Annullierens gegangen und haben Allah einige Seiner Eigenschaften aberkannt mit der Begründung, sie würden dadurch Allah die Makellosigkeit zuschreiben. Diese sind jedoch irregegangen. Denn derjenige, der Allah wahrlich die Makellosigkeit zuschreibt, ist derjenige, der Ihm sowohl alle Eigenschaften des Makels und des Mangels abschwört als auch die Makellosigkeit Seiner Worte im Bezug auf Verblendung und Irreführung. Derjenige, der sagt, dass Allah kein Gehör, kein Sehvermögen, kein Wissen und keine Macht hat, der hat Allah nicht die Makellosigkeit zugeschrieben, sondern hat Ihn mit dem schlimmsten Makel beschimpft und Seine Worte als verblendend und irreführend bezeichnet. Denn der erhabene Allah hat all diese Eigenschaften mehrfach in Seinen Aussagen wiederholt und auch bekräftigt: "Allah ist Allhörend, Allsehend", "Allah ist Allmächtig, Allweise", "Allah ist Allverzeihend, Barmherzig". Wer diese Worte nun bekräftigt, sie aber gleichzeitig von ihrer Bedeutung entleert, der ist wahrlich verblendet, irregegangen und hat die Worte des erhabenen Allahs verleumdet. Andere sind wiederum den Weg des Vergleichens gegangen mit der Begründung, sie würden damit das bekräftigen, was Allah Sich Selbst zugeschrieben hat. Sie sind jedoch irregegangen, da sie keineswegs Allah verherrlicht haben, wie es Ihm gebührt. Somit haben sie Ihn mit Makel und Mangel beschimpft, da sie Denjenigen, der in jeglicher Hinsicht vollkommen ist, verglichen haben mit demjenigen, der in jeglicher Hinsicht unvollkommen ist. Denn auch wenn der Vergleich des Vollkommenen mit dem Unvollkommenen nur dazu dienen soll, diese Vollkommenheit hervorzuheben, so beinhaltet dieser Vergleich trotzdem einen Werteverlust dieser Vollkommenheit, wie man hier am folgenden Beispiel deutlich sehen kann: „Siehst du nicht, dass der Wert des Schwertes geschmäht wird, wenn gesagt wird, es wäre schärfer als ein Holzstab?“

Wie sieht es dann aus, wenn man die Vollkommenheit mit der Unvollkommenheit vergleichen würde?! Dieser Verglich ist natürlich schlimmer und frevelhafter im Bezug auf das Recht Allahs, dem Erhabenen.

Die Antwort auf all das lautet wie folgt: Wir müssen an all das glauben, womit Allah Sich Selbst im Qur`ān und über Seinen Gesandten, möge Allah ihn loben und Heil schenken, beschrieben und bezeichnet hat, ohne dabei etwas an den Texten zu verändern oder zu verfälschen (Taĥrīf), etwas zu leugnen an was geglaubt werden muss (at-Ta’ţīl), die Beschaffenheit eines Attributs Allahs zu bestimmen und zu beschreiben (at-Takyīf) und die Attribute Allahs mit den Attributen Seiner Geschöpfe zu vergleichen (at-Tamthīl).

Genau das sagten auch Scheich al-Işlām Ibn Taimiyah und andere Leute des Wissens. Unser Glaubensfundament (‘Aqīdah) also muss frei sein von diesen vier Dingen, die wir erwähnt haben.

Mit at-Taĥrīf meinen wir hier die Auslegung der Verfälscher im Bezug auf die Texte über die Eigenschaften Allahs. Denn sie haben sich selbst den Namen „Die Leute der Auslegung“ (Ahlu t-Ta`wīl) gegeben, um diesen Weg, dem sie gefolgt sind, als gemäßigt zu deklarieren. Denn die Seelen flüchten vor dem Wort at-Taĥrīf. Doch das gehört zur Rubrik der prunkenden Reden und zur Verschönerung für die Menschen, damit sie nicht davonlaufen.

Die Wirklichkeit ihrer Auslegung (at-Ta`wīl) ist die Verfälschung, was ja das entleeren des Wortes von seinem eigentlichen Wortlaut (oder auch von seinem wörtlichen Sinn) bedeutet. Wir sagen: Wenn diese Umformung auf ein Beleg basiert, der authentisch ist, so ist diese dann keine Auslegung nach ihrem Verständnis, sondern eine Erklärung (at-Taffşīr). Doch wenn es hierfür keinen authentischen Beweis gibt, der diese Uminterpretation unterstützt, dann handelt es sich hier klar um eine Verfälschung und um eine Entleerung des Wortes von seinem eigentlichen Wortlaut. Somit sind diejenigen, die diesem Weg gefolgt sind, auch irregegangen. Sie haben zwar die Eigenschaften Allahs bekräftigt, doch haben sie diese auch gleichzeitig verfälscht. Deshalb sind sie einen Weg gegangen, der nicht der Weg der Leuten der Ahlu ş-Şunnah wa l-Djamā‘ah ist und sogar entgegengesetzt zu diesem ist.

Deshalb dürfen diese Menschen nicht zu den Leuten der Ahlu ş-Şunnah wa l-Djamā’ah aufgezählt werden. Denn die Zuordnung zu einer Sache beinhaltet eine Zugehörigkeit zu dieser. Die Leute der Ahlu ş-Şunnah sind der Şunnah zugehörig, da sie sich an ihr festhalten. Doch diese Menschen halten sich nicht an die Şunnah fest im Bezug auf das, was sie verfälscht haben.

Außerdem bedeutet al-Djamā’ah (im Wort Ahlu ş-Şunnah wa l-Djamā‘ah), al-Idjtimā‘, Zusammenkunft. Diese Menschen jedoch kommen bei all ihren Meinungen nie zusammen. In ihren Büchern findet man stets Verstrickungen, Widersprüche und Verwirrungen, wobei jeder dem anderen, Irreleitung vorwirft oder sich sogar selbst in seinen Büchern widerspricht.

Der Verfasser der „at-Taĥāwiyyah“ hat einige Aussagen  von al-Ĝazālī – der ja den Gipfel der „Wissenschaft der Worte“2 erklommen hatte – überliefert, die demjenigen, der sie liest, die Fehler, die Fehltritte und die Schwachsinnigkeit zeigen, auf dem sich diese Leute der Worte (Ahlu l-Kalām) befinden und dass sie sich nicht im Klaren sind, was sie da eigentlich sagen. Ar-Rāzī, der ja zu ihren Führungspersonen gehört, hat gesagt: „Wir konnten aus all unseren Forschungen, die wir ein Leben lang geführt haben keinen einzigen Nutzen ziehen, außer, dass wir lediglich die Aussagen von dem und dem darin gesammelt haben.“ Dann sagte er weiter: „Ich habe mir  sowohl Gedanken gemacht über die Wege dieser „Wissenschaft der Worte“ als auch über die Methodik der Philosophie und bin dann letztendlich zum Entschluss gekommen, dass diese weder eine Krankheit heilen können noch können sie den Rachedurst stillen. Dann fand ich vor, dass der Weg, der am nächsten zur Wahrheit ist, der Weg des Qur`ān war. Ich lese im Qur`ān über das, was Allah Sich Selbst zugeschrieben hat: "Der Allerbarmer hat Sich über den Thron erhoben"3 und "Zu Ihm steigt das gute Wort auf"4, und schreibe Ihm das auch in dieser Form zu. Und ich lese über das, was Allah Sich Selbst abgeschrieben hat: "Nichts ist Ihm gleich"5 und "aber sie umfassen Ihn nicht mit ihrem Wissen"6, und schreibe Ihm das auch in dieser Form ab und sage, dass Er mit unserem Wissen nicht erfasst werden kann. Und wer das ausprobiert hat, was ich ausprobiert habe, der wird dann auch das wissen, was ich weiß.“

Somit findest du vor, dass sie stets verwirrt und verstört sind, da sie sich nicht im Klaren sind, was die da eigentlich sagen. Im Gegensatz dazu findest du vor, dass diejenigen, die der erhabene Allah zu Seinem rechten Weg geleitet hat, beruhigend, entspannt und unbekümmert sind. Sie lesen im Buche Allahs und in der Şunnah Seines Gesandten und bekräftigen all die Namen und Eigenschaften, die Allah Sich Selbst dort zugeschrieben hat. Denn niemand hat mehr Kenntnis über Allah, als Allah Selbst. Und kein Bericht ist wahrheitstreuer als die Berichte Allahs. Und keine Erklärung ist authentischer als die Erklärung Allahs. Denn der erhabene Allah hat gesagt: "Allah will euch Klarheit verschaffen."7 Und Er sagte auch: "Allah macht euch das klar, damit ihr nicht irrt."8 Und Er sagt: "Und Wir haben dir das Buch zur Erklärung aller Dinge herabgesandt."9 Weiterhin sagt Er: "Und wer ist glaubwürdiger in der Aussage als Allah?"10 An einer anderen Stelle sagt Er: "Und wer ist dieser, der wahrhaftiger als Allah spricht?!"11

All diese Verse, aber auch andere, weisen klar daraufhin, dass Allah den Geschöpfen diesen Weg erklärt hat, der sie zum Ihm führt. Denn das, was die Geschöpfe am meisten an Erklärung brauchen ist das, was im Bezug zum erhabenen Allah, zu Seinen Namen und zu Seinen Eigenschaften steht, damit sie Ihn mit Klarheit (Başīrah) anbeten können. Denn eine Anbetung, die an Jemanden gerichtet wird, dessen Eigenschaften man nicht kennt oder der keine Eigenschaften hat, ist nicht umsetzbar. Deshalb ist es erforderlich, dass du die Eigenschaften des Angebeteten kennst, sodass sie dich dazu bringen, dass du dich zu Ihm flüchtest und Ihn in der Art und Weise anbetest, die auch Seiner würdig ist.

Der Mensch sollte deshalb seine Grenzen nicht überschreiten, indem er anfängt, die Beschaffenheit eines Attributs Allahs zu bestimmen und zu beschreiben (at-Takyīf) oder die Attribute Allahs mit den Attributen Seiner Geschöpfe zu vergleichen (at-Tamthīl). Denn, wenn der Mensch nicht mal dazu fähig ist, seine eigene Seele (an-Naffs) völlig zu begreifen, dann ist es doch vorrangiger, dass er auch nicht die Fähigkeit dazu haben wird, das zu begreifen, womit Allah Sich Selbst beschrieben hat. Deshalb sollte ein Mensch sich selbst die Frage nach dem „Wie“ und „Warum“ verbieten, wenn es sich um die Namen und Eigenschaften Allahs handelt. Außerdem sollte er aufhören in der Art und Weise darüber nachzudenken, indem er anfängt Vergleiche zuziehen.

Wenn der Mensch diesem Weg folgt, wird er beruhigt und gelassen sein. Und das war auch die Lage der Şalaf (Vorfahren) – möge Allah mit ihnen gnädig sein. Als ein Mann Imam Mālik Ibn Anaş über das Sicherheben (al-Iştiwā`) im Vers "Der Allerbarmer hat Sich über den Thron erhoben" gefragt hat, antwortete er darauf wie folgt: „Das Sicherheben (al-Iştiwā`) ist bekannt, und das Wie (also die Art und Weise, wie Allah dies getan hat) unbekannt! Der Glaube daran ist Pflicht, das Ableugnen Unglaube und die Frage danach eine Neuerung. Und ich glaube, dass auch du einer dieser Neuerer bis.“

Wenn wir uns unsere heutigen Zeit anschauen, dann finden wir Leute vor, die sagen, dass wenn Allah im letzten Drittel von jeder Nacht zum Himmel der Erde herabsteigt12, dann hieße das doch, dass Er Sich in jeder Nacht im Himmel der Erde befindet, da es immer irgendwo auf der Erde Nacht ist und somit das letzte Drittel der Nacht weiter vom einen Ort zum anderen zieht. So etwas haben die Gefährten, Allahs Wohlgefallen auf sie alle, nie gefragt. Würde das Herz eines Gläubigen dieses hier nicht annehmen können, dann hätte der erhabene Allah dies im Qur`ān beschrieben oder es über die Zunge Seines Gesandten, möge Allah ihn loben und Heil schenken, erklären lassen. Er hätte auch einen bestimmen können, der den Gesandten diesbezüglich gefragt hätte, damit er ihm antwortet, so wie ein Gefährte den Propheten, möge Allah ihn loben und Heil schenken, folgendes gefragt hat: „Wo war Allah, bevor er Himmel und Erde erschuf?“ Der Gesandte Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, gab ihm daraufhin die Antwort.13

Diese bedeutsame Frage belegt, dass all das, was der Mensch benötigt, durch den erhabenen Allah auch auf eines dieser drei Wege erklärt wurde. Die Antwort auf die Verwirrung im Bezug auf den Ĥadīth über das Herabsteigen im letzten Drittel der Nacht lautet: Wenn in einem Bereich der Erde das letzte Drittel der Nacht noch nicht vorüber ist, so ist das Hinabsteigen in ihr gewiss. In den anderen Orten, in denen das letzte Drittel der Nacht oder auch die letzte Hälfte der Nacht noch nicht angebrochen ist, so gibt es in ihr kein Hinabsteigen. Und Allah ist Nichts gleich! Der Ĥadīth weist darauf hin, dass die Zeit des Hinabsteigens mit dem Beginn des Fadjr endet.

Wir müssen uns hier fügen und sagen: Wir hören, gehorchen, befolgen und glauben! Genau das ist unsere Position! Wir überschreiten weder die Grenzen des Qur`āns noch die Grenzen der Aĥādīthe.

 

 

 

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[1] asch-Schūrah 42:11

[2] Anmerkung des Übersetzers:      Im arabischen „’Ilm al-Kalām“: Von der Philosophie beeinflusste Richtung, die in der muslimischen Welt entstand, vor allem nachdem die griechische Philosophie ins Arabische übertragen wurde. Zu dieser Richtung gehören u.a. die al-Mu’tazilah.

[3] TāHā 20:5.

[4] Fātir 35:10

[5] asch-Schūrah 42:11

[6] TāHā 20:110

[7] an-Nişā` 4:26

[8] an-Nişā` 4:176

[9] an-Naĥl 16:89

[10] an-Nişā` 4:122

[11] an-Nişā` 4:87

[12] Anmerkung des Übersetzers: Hier bezieht er sich auf folgenden Ĥadīth: Abu Hurairah, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtet, dass der Gesandte Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, gesagt hat: „Unser Herr, gesegnet und erhaben ist Er, steigt jede Nacht zum Himmel der Erde herab, wenn das letzte Drittel der Nacht bleibt und spricht: "Wer ruft Mich an, so dass Ich ihn erhöre? Wer bittet Mich, so dass Ich ihm gebe? Wer bitte Mich um Vergebung, so dass Ich ihm vergeben.“ [Verzeichnet bei al-Bukhārī]

[13] Verzeichnet bei al-Bukhārī: Kitāb: Badd`u l-Khalq, Bāb: Mā Djā`a fī Qauli Allahi Ta’ālah: "Wa Huwa l-Ladhī Yubdi`u l-khalqa".

Zweite Kategorie: Tauĥīd al-Ulūhiyah (Die Aufrechterhaltung der Einheit in der Göttlichkeit Allahs)

Diese Kategorie nennt man auch: Tauĥīd al-’Ibādah (die Aufrechterhaltung der Einheit im Gottesdienst für Allah). Bezieht man sich bei dieser Kategorie auf den erhabenen Allahs, dann nennt man diese Kategorie: Tauĥīd al-Ulūhiyyah. Wird sie jedoch auf die Geschöpfe bezogen, nennt man sie: Tauĥīd al-’Ibādah. Dies ist die Aufrechterhaltung der Einheit im Gottesdienst für Allah.

Derjenige, der es alleine verdient hat, dass man ihn anbetet, ist der erhabene Allah. Er, der Erhabene, hat gesagt: "Dies, weil Allah die Wahrheit ist und weil das, was sie anstatt Seiner anrufen, das Falsche ist."1

Der Gottesdienst wird auf zwei Dingen angewandt:

Erstens:          At-Ta’abbud – die Anbetung. Dies bedeutet, dass man sich selbst für Allah erniedrigt, indem man den Dingen nachkommt, die einem der erhabene Allah angeordnet hat und das unterlässt, was Er ihm verboten hat, und das aus Liebe und Verherrlichung.

Zweitens:        Al-Muta’abbad bihi – das, womit man Ihn anbetet, also die Anbetung selbst. Scheich al-Işlām Ibn Taimiyah, möge Allah mit ihm gnädig sein, hat dies erklärt, indem er sagte: „Es ist ein Wort, dass alles umfasst, was Allah liebt und womit Er an Aussagen und Taten zufrieden ist, die äußerlich und innerlich sind.“

Ein Beispiel hierzu ist das rituelle Gebet (aş-Şalah). Das Verrichten dieses rituellen Gebets ist eine ’Ibādah, ein Gottesdienst. Somit ist diese Handlung ein Ta’abbud, eine Anbetung. Außerdem ist das Gebet auch gleichzeitig selbst ein Mittel der Anbetung, mit der man Allah anbeten kann. Somit ist sie ein Muta’abbad bihi, das, womit man Ihn anbetet.

Die Aufrechterhaltung der Einheit im Gottesdienst für Allah bedeutet also, dass man allein ein Diener Allahs sein soll und dass man sich allein für Ihn erniedrigt, aus Liebe und Verherrlichung. Der erhabene Allah hat gesagt: "Setze neben Allah keinen anderen Gott, sonst wirst du gescholten und im Stich gelassen dasitzen."2 Er, der Erhabene, sagte auch: "(Alles) Lob gehört Allah, dem Herrn der Welten."3

Seine Beschreibung als der Herr der Welten ist eine Begründung dafür, dass Ihm allein die Göttlichkeit gebührt. Er ist der Gott, da Er der Herr der Welten ist. Der Erhabene hat gesagt: "O ihr Menschen! Dient eurem Herrn, Der euch und diejenigen vor euch erschaffen hat."4

Der alleinige Schöpfer ist deshalb derjenige, der es verdient hat, dass man ihn allein anbetet. Es gehört doch zur Schwachsinnigkeit, dass man ein Geschöpf, das selbst erschaffen wurde und dessen Ende unumgänglich ist, zu einem Gott macht, den man anbetet. Denn in Wirklichkeit kann er dir nicht nutzen, weder kann er dir etwas schaffen, noch kann er dir etwas in einen alten Zustand zurückführen, noch wird er dir deine (Lebens-)Frist verlängern können. Weiter gehört es auch zur Schwachsinnigkeit, dass man ein Grab eines Menschen besucht, der nun zu Staub geworden ist, um ihn zu bitten und anzubeten. Denn er ist eher derjenige, der auf dein Bittgebet angewiesen ist und nicht umgekehrt. Du bist nicht darauf angewiesen, ihn um etwas zu bitten. Er kann sich selbst weder nutzen noch schaden, geschweige noch einem anderen, auch wenn diese Person die höchste Stellung bei Allah genießt, was ja der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, wäre. Der erhabene Allah hat gesagt: "Wer wird das Glaubensbekenntnis Ibrāhīms wohl verschmähen außer dem, der selbst betört ist?"5

Die meisten der Geschöpfe sind bezüglich dieser Kategorie des Tauĥīd ungläubig geworden und haben es verleugnet. Doch wegen diesem Tauĥīd hat der erhabene Allah überhaupt all die Propheten gesandt und die Bücher offenbart. Der erhabene Allah hat gesagt: "Und Wir haben vor dir keinen Gesandten gesandt, dem Wir nicht (die Weisung) eingegeben hätten: „Es gibt keinen (anbetungswürdigen) Gott außer Mir, so dient Mir.“"6

Und trotzdem war die Anhängerschaft der Propheten immer gering gewesen. Der Gesandte Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, hat gesagt: „Ich sah einen Propheten von einer Gruppe von weniger als zehn Leuten begleitet, dann einen anderen von nur einem oder zwei Menschen begleitet und dann schließlich einen Propheten, der allein war.“7

Bemerkung:

Es ist schon sehr merkwürdig, dass die meisten der letzteren Autoren, die über die Lehren des Tauĥīds geschrieben haben, sich mehr auf den Bereich des Tauĥīd ar-Rubūbiyyah (die Aufrechterhaltung der Einheit in der Herrschaft Allahs) konzentriert haben, als würden sie Völker ansprechen, die die Existenz Gottes leugnen – auch wenn es manche gibt, die Gott leugnen. Doch viele Muslime sind dem Schirk in der Anbetung verfallen. Deshalb ist es erforderlich, dass man sich eher auf diesen Bereich des Tauĥīd konzentriert, um diejenigen Muslime da wieder herauszuholen, die sagen, dass sie Muslime seien, doch in Wahrheit Götzendiener (Muschrikīn) sind, ohne es zu wissen.

 

 

 

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[1] Sure 31, Luqmān, Vers 30

[2] Sure 17, al-Işrā`, Vers 22

[3] Sure 1, al-Fātiĥah, Vers 2

[4] Sure 2, al-Baqarah, Vers 21

[5] Sure 2, al-Baqarah, Vers 130

[6] Sure 21, al-Anbiyā`, Vers 25

[7] Ĥadīth von Ibn ’Abbāş und verzeichnet bei al-Bukhārī (10/155) und Muşlim (1/199)

Vers: "Und Ich habe die Djinn und die Menschen nur darum erschaffen, damit sie Mir dienen (sollen)."

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Allah, der Allmächtige, sagte:

«.وَمَا خَلَقْتُ الْجِنَّ وَالإِنسَ إِلاَّ لِيَعْبُدُونِ»

"Und Ich habe die Djinn und die Menschen nur darum erschaffen, damit sie Mir dienen (sollen)."1

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Seine Aussage "damit sie Mir dienen" zeigt den ausschließlichen Grund für diese Schöpfung. Das heißt: Er hat die Djinn und die Menschen für nichts anderes erschaffen, außer für die Anbetung.

Das Wort „damit“ (arab. „Li“) in Seiner Aussage "damit sie Mir dienen" dient der Begründung. Diese Begründung zeigt die Weisheit hinter der Schöpfung. Diese Begründung ist jedoch keineswegs so zu verstehen, dass es eine Notwendigkeit im Bezug auf die Schöpfung darstellt. Denn das würde bedeuten, dass alle Geschöpfe Diener wären, die Ihn allein anbeten. Doch dies ist nicht der Fall. Somit dient diese Begründung der Zweckbestimmtheit und nicht der Notwendigkeit.

Deshalb ist diese Begründung eine Erklärung des Zwecks und der Absicht hinter dieser Tat. Dieser Zweck kann auftreten, muss es aber nicht. Zum Beispiel: „Ich spitze meinen Bleistift, damit ich damit schreibe.“ Das heißt, ich kann nun Anfangen damit zu schreiben, muss es aber nicht.

Wenn man diese Begründung als eine Notwenigkeit betrachten würde, dann hieße dies folgendes: Das, worauf diese Begründung bezogen wurde, ist an diese fest gebunden. Somit muss diese Begründung erfüllt werden. Das, worauf diese Begründung bezogen wurde, hat keine andere Möglichkeit, als diese erwähnte Begründung zu erfüllen. Zum Beispiel: „Die Glasscheibe ist durch die extreme Hitze zu Bruch gegangen.“

Seine Aussage "erschaffen" bedeutet, etwas in die Existenz zu bringen, das es vorher nicht gegeben hat. Diese Existenz ist an die Vorbestimmtheit Allahs ihr gegenüber gebunden.

Seine Aussage "Djinn" bedeutet, dass es sich hier um eine verborgene Welt handelt, die uns verwehrt geblieben ist. Deshalb stammt dieses Wort auch vom Wortstamm „Djīm“ (ج) und „Nūn“ (ن) ab, die darauf verweisen, dass es sich hierbei um etwas handelt, dass verborgen und verhüllt ist, wie zum Beispiel: al-Djannah (das Paradies), al-Djinnah (die Djinn) und al-Djunnah (das Schutzschild).

Seine Aussage "Menschen" heißt im arabischen „al-Innş“. Dieses Wort stammt sprachlich vom Wort „Īnāş“ ab, was Geselligkeit bedeutet. Das heißt, dass die Menschen ohne Geselligkeit nicht leben können. Jeder von ihnen gesellt sich zu einem anderen. Und jeder von ihnen bewegt sich zu einem anderen.

Seine Aussage "damit sie Mir dienen" wurde wie folgt ausgelegt: „Damit sie Mir gegenüber den Tauĥīd verwirklichen.“ Und gewiss, das ist die Wahrheit. Diese Aussage wurde auch wie folgt ausgelegt: „Sie erniedrigen sich selbst Mir gegenüber durch ihr Gehorsam, indem sie den Befehlen nachkommen und den Verboten fernbleiben.“ Zu der Gehorsamkeit Allahs gegenüber gehört auch die Umsetzung des Tauĥīds Ihm gegenüber. Dies ist die Weisheit hinter der Schöpfung der Djinn und der Menschen.

Deshalb gab der erhabene Allah den Menschen einen Verstand, entsandte zu ihnen Gesandten und sandte zu ihnen Bücher herab. Würde der Zweck hinter der Schaffung der Menschen denen der Tiere gleichen, dann wäre die Weisheit hinter der Entsendung der Gesandten und dem Offenbaren von Büchern verloren gegangen. Denn letztendlich würde man dann doch nur einem Baum gleichen, das wächst, gedeiht und dann abstirbt. Deshalb sagte der erhabene Allah: "Wahrlich, Er, Der den Qur`ān bindend für dich gemacht hat - Er wird dich zur Stätte der Wiederkehr zurückbringen."2 Somit ist es für dich unausweichlich, dass Er dich zu einem Ort zurückbringen wird, an dem du bezüglich deiner Taten zu Rechenschaft gezogen wirst, waren diese gut, so wird es gut für dich sein, waren diese jedoch schlecht, so wird es schlecht für dich sein.

Die Weisheit hinter der Schaffung der Geschöpfe liegt nicht darin, dass Allah uns braucht, um für Sich Selbst einen Nutzen daraus ziehen zu können. Deshalb sagte der erhabene Allah: "Ich will keine Versorgung von ihnen, noch will Ich, dass sie Mir Speise geben."3

Was jedoch Seine Aussage "Wer ist es, der Allah ein gutes Darlehen gibt, damit Er es ihm um ein vielfaches verdoppele?"4anbetrifft, so ist dies nicht so zu verstehen, dass man Allah ein Darlehen gibt, nein, denn Er ist unbedürftig! Der erhabene Allah hat das Handeln Seines Dieners Ihm gegenüber hier mit einem Darlehen verglichen, da dieses zurückgegeben werden muss. Das heißt, dass der erhabene Allah uns damit zeigen möchte, dass Er Sich Selbst dazu verpflichtet hat, demjenigen den Lohn für seine Taten zu geben, der Gutes verrichtet hat, wie auch derjenige, dem ein Darlehen gegeben wurde, dieses zurückgeben muss.

 

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[1] adh-Dhāriyāt 51:56

[2] al-Qaşaş 28:85

[3] adh-Dhāriyāt 51:57

[4] al-Baqarah 2:245

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