KAPITEL 4: Die Furcht vor dem Schirk (Götzendienst)

Dieses Kapitel ist eine Fortführung der vorherigen Kapitel, was auf die Exaktheit des Wissens und Verständnisses des Autors, möge Allah mit ihm gnädig sein, verweist. Als er im ersten Kapitel die Wirklichkeit des Tauĥīds erwähnt hat, im Zweiten, den Vorzug des Tauĥīds und was er an Sünden sühnt und im Dritten, dass wer den Tauĥīd verwirklicht, das Paradies ohne Abrechnung betreten wird, sah er es als angebracht, das Gegensatz zum Tauĥīd zu erwähnen, nämlich Schirk.

Denn es reicht nicht aus, dass eine Person den Tauĥīd kennt und diesen umsetzt, nein, er muss auch den Gegensatz dazu kennen, nämlich den Schirk, aus Furcht in diesen zu fallen, der ihm dann seinen Tauĥīd zu Nichte macht. Denn derjenige, der eine Sache nicht kennt, läuft Gefahr, in diese zu geraten, so wie es der Führer der Gläubigen, ‘Ummar Ibn al-Khattāb, Allahs Wohlgefallen auf ihm, gesagt hat: „Die Bänder (‘Urwah) des Islams werden eine nach der anderen reißen, wenn es im Islam keinen mehr gibt, der die Djāhiliyyah kennt.“ Denn sie werden die Dinge, die zur Djāhiliyyah gehören, nicht kennen oder glauben, dass diese gut sind, obwohl sie zur Djāhiliyyah gehören. Dadurch, dass sie ihre Wirklichkeit nicht kennen, werden sie durch sie verwirrt sein und einige ihrer Dinge tun, obwohl diese zur Djāhiliyyah gehören. Genauso verhält es sich auch mit demjenigen, was ja viel gefährlicher ist, der den Schirk nicht kennt und auch nicht die Wege, die zu ihm führen. Auch kennt er nicht die Arten des Schirk und seine Gefahren. Dieser läuft Gefahr, in Schirk zu fallen, ohne es zu merken. Denn Unwissenheit ist eine tödliche Krankheit. Ein Dichter hat gesagt:

Die Schönheit einer Sache wird dadurch erkennbar,

wenn man gleichzeitig ihr Gegensatz kennt.

Denn ihr Gegensatz macht sie erst so sonderbar,

und sie erlöscht, wenn man diese trennt.

Den Wert der Gesundheit wird deswegen nur derjenige zu schätzen wissen, der krank ist. Und den Wert des Lichtes wird nur derjenige zu schätzen wissen, der sich in Dunkelheit befindet. Und den Wert des Wassers wird nur derjenige zu schätzen wissen, der durstig ist. Und den Wert der Nahrung wird nur derjenige zu schätzen wissen, der Hunger erlitten hat. Und den Wert der Sicherheit wird nur derjenige zu schätzen wissen, der in Angst lebt. Deshalb wird auch nur derjenige den Wert des Tauĥīds, seiner Gunst und seiner Verwirklichung zu schätzen wissen, der den Schirk kennt und die Angelegenheiten der Unwissenheit, um diese zu unterlassen und um mehr auf den Tauĥīd zu achten.

Hier wird auch der Fehler derjenigen ersichtlich, die sagen: „Es ist nicht notwendig, die falschen Glaubenslehren zu lernen und die falschen Schulen zu kennen. Warum sollten wir weiterhin die Mu’tazilah und die Djahmiyyah widerlegen, diese sind schon längst Geschichte. Lehrt den Menschen stattdessen nur den Tauĥīd, das reicht vollkommen.“ Andere wiederum sagen: „Ihr braucht ihnen den Tauĥīd nicht zu lehren, diese Menschen sind doch auf der Fittrah geboren und sind in einem muslimischen Land aufgewachsen. Den Tauĥīd werden sie schon durch ihre Fittrah und ihrer Umgebung erlangen.“ Es gibt wirklich Leute, die das sagen. Andere sagen weiter: „Die Menschen haben die Phase des Glaubens an Mythen bereits überschritten. Sie sind jetzt gebildet und wissen mehr. Es wird nicht passieren, dass sie noch einmal dem Schirk verfallen. Denn der Schirk herrschte in der Djāhiliyyah, als die Menschen noch naiv und primitiv waren.“ Für sie ist der Schirk in Angelegenheiten der Anbetung etwas Primitives. Der Schirk, den sie kennen, ist der politische Schirk, der Schirk gegenüber den Machthabern oder auch der „Schirk al-Ĥākimiyyah“.

Deshalb schenken sie der Ablehnung des Schirk auch keinerlei Beachtung, obwohl die Propheten entsandt wurden, um diesen abzulehnen. Ihre ablehnende Haltung gilt nur für den Schirk in der Herrschaft.

All das Gehört zur List des Teufels für die Kinder Adams. Unsere Pflicht ist jedoch, dass wir auch die Falschheit kennen müssen, so wie wir auch die Wahrheit kennen, um mit der Wahrheit zu arbeiten und die Falschheit zu unterlassen. Wegen diesem besonderen Anlass, hat der Scheikh das Kapitel „Die Furcht vor dem Schirk“ erwähnt, nachdem er in den vorherigen Kapiteln, den Tauĥīd und seine Vorteile erwähnt hatte und was er an Sünden sühnt und demjenigen bringt, der ihn verwirklicht. Diese sind gewiss eine besondere Gunst. Doch eine Person, die zu all dem gelangt ist, sollte den Gegensatz dazu fürchten. Er muss den Gegensatz kennen, um es zu unterlassen. Wir müssen wirklich auf solche Dinge Acht geben. Denn es gibt heutzutage viele Menschen, die im Lernen solcher Dinge kürzer getreten sind, nämlich im Lernen des Tauĥīds, des Schirk, der Scheinargumente und der Irreleitung. Sie enthalten sich diesen Dingen. All das geschieht entweder aus ihrer Unwissenheit und ihrer Unkenntnis heraus, oder weil sie gegen die Muslime intrigieren wollen und ihnen ihre ‘Aqīdah vernichten wollen. Wir müssen uns ernsthaft davor in Acht nehmen.

Wir haben gehört, wie einige sagten, dass derjenige, der die ‘Aqīdah der Mu’tazilah lehrt und diese widerlegt, jemand ist, der ein Grab steinigt. Denn sie sind bereits tot. Das sind ihre Worte. Wir sagen: Yā Şubĥānallāh! Gewiss, sie sind mit ihren Körpern gestorben, doch ihre Schulen existieren immer noch. Auch ihre Scheinargumente existieren noch. Und ihre Bücher werden immer noch gedruckt und kommentiert. Es werden weiterhin enorme Gelder für das Verbreiten dieser Bücher ausgegeben. Wie kann dann noch gesagt werden, dass wir das Reden über sie einstellen sollen, weil sie bereits verstorben sind. Auch der erhabene Allah hat die Scheinargumente der vergangenen Völker von den Muschrikīn erwähnt, wie zum Beispiel von Fir‘aun, Hāmān, Qārūn, dem Volk von Nūĥ, ‘Ād und Thamūd, obwohl die Völker bereits vergangen sind. Er erwähnte ihre Scheinargumente und widerlegte diese zugleich. Die Lektion liegt nicht in Personen, sondern in den (Lehr-)Schulen und den Scheinargumenten, die sie hinterlassen haben. Und jedes Volk hat ihre Nachahmer.

Deshalb sagte der Scheich: „Kapitel: Die Furcht vor dem Schirk.“ Das bedeutet, dass ein Muwaĥĥid den Schirk fürchten muss. Er darf nicht sagen: „Ich bin ein Muwaĥĥid, ich kenne den Tauĥīd gut. Der Schirk bildet keine Gefahr auf mich.“ Dies ist eine Verführung des Teufels. Niemand sollte sich selbst loben. Niemand kann sich vor der Versuchung sicher fühlen, solang er noch am Leben ist. Eine Person ist stets der Versuchung ausgesetzt. Es sind bereits Gelehrte in die Irre gegangen, die wissend waren. Sie sind abgewichen und hatten ein schlechtes Ende gehabt, obwohl sie Gelehrte waren. Die Gefahr ist groß! Niemand kann sich sicher sein, dass nicht auch er abweichen wird und sich in die Finsternis begeben wird oder dem Schirk verfallen wird. Deshalb ist es umso notwendiger, auch diese Dinge zu lernen, um Abstand davon zu halten und um auf Allah zu vertrauen und Ihn darum bitten, einen zu schützen und rechtzuleiten. "Unser Herr, lasse unsere Herzen nicht abschweifen, nachdem Du uns rechtgeleitet hast."[1] Fürchtet euch vor der Abschweifung, nachdem ihr rechtgeleitet wurdet. Derjenige, der rechtgeleitet ist, fürchtet sich am meisten vor der Abschweifung und dass ihr Ende schlecht wird und sie deshalb zu den Höllenbewohnern sein werden. Möge Allah uns ihm Guten bewahren.

 

 

 



[1]
Āli-‘Imrān 3:8

Vers: "Allah vergibt gewiss nicht, dass man Ihm (etwas) beigesellt. Doch was außer diesem ist, vergibt Er, wem Er will."

Und die Aussage des erhabenen Allahs: "Allah vergibt gewiss nicht, dass man Ihm (etwas) beigesellt. Doch was außer diesem ist, vergibt Er, wem Er will."[1]

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Er sagte: „Und die Aussage des erhabenen Allahs: "Allah vergibt gewiss nicht, dass man Ihm (etwas) beigesellt. Doch was außer diesem ist, vergibt Er, wem Er will."“ Dies ist eine Benachrichtigung Allahs über Sich Selbst. Es wird mit dem Wort „gewiss“ nochmals ausdrücklich bekräftigt.

Er "vergibt gewiss nicht, dass man Ihm (etwas) beigesellt." Hierin liegt die Gefahr des Schirk. Allah vergibt dem Muschrik nicht, obwohl Seine Barmherzigkeit alles überwiegt. Doch der Muschrik, fällt wegen der Gewaltigkeit seines Vergehens, nicht darunter. Derjenige, der stirbt, während er weiter noch Schirk begeht, ihm wird niemals vergeben werden. Das weist auf die enorme Gefahr des Schirk hin. Wenn also vom Schirk diese enorme Gefahr ausgeht, dann muss man sich davor unbedingt in Acht nehmen. Jede Sünde kann vergeben werden, außer dem Schirk. Dem Schirk kann man nur dann fernbleiben, wenn man ihn und seine Gefahr kennt.

In einem anderen Vers berichtet uns der erhabene Allah, dass Er dem Muschrik das Paradies verboten hat. Der Erhabene sagt: "Wer Allah (etwas) beigesellt, dem verbietet fürwahr Allah das Paradies, und dessen Zufluchtsort wird das (Höllen)feuer sein. Die Ungerechten werden keine Helfer haben."[2] Deshalb wird es einem Muschrik nie möglich sein, von den Köstlichkeiten des Paradieses zu kosten oder ihren Duft zu riechen.

Im dritten Vers sagt der erhabene Allah: "Die Götzendiener sind fürwahr unrein, so sollen sie sich der geschützten Gebetsstätte nach diesem, ihrem Jahr nicht mehr nähern!"[3]Der erhabene Allah hat es ihnen verwehrt, sich der geschützten Gebetsstätte (Maşdjid al-Ĥarām) zu nähern, weil sie unrein sind. Die Unreinheit des Schirk ist eine metaphonische Unreinheit. Den Maşdjid al-Ĥarām dürfen nur die Leute des Tauĥīds betreten: "Und sie waren nicht ihre Beschützer. Ihre Beschützer sind ja nur die Gottesfürchtigen! Aber die meisten von ihnen wissen nicht."[4]

Außerdem sind Blut und Eigentum eines Muschrik erlaubt. Der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, hat gesagt: „Mir wurde befohlen, die Menschen zu bekämpfen, bis sie bezeugen, dass kein anbetungswürdiger Gott da ist außer Allah. Wenn sie dies tun, haben sie sich dadurch von mir Schutz für ihr Blut und ihr Gut erworben, es sei denn, (sie begehen Taten, die) nach dem Recht des Islam (strafbar sind); und ihre Abrechnung ist bei Allah, dem Erhabenen.“[5]

 

 

 

 



[1]
An-Nişā` 4:48

[2] Al-Mā`idah 5:72

[3] At-Taubah 9:28

[4] Al-Anfāl 8:34

[5] Verzeichnet bei Bukhārī und Muşlim

Ĥadīth: „Was ich am meisten für euch fürchte, ist der kleine Schirk.“

Und im Ĥadīth sagte er: „Was ich am meisten für euch fürchte, ist der kleine Schirk.“ Als er danach gefragt wurde, sagte er: „Ar-Riyā` (Augendienerei).“

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Er sagte: „Und im Ĥadīth“. Das bedeutet, im Ĥadīth, den Aĥmad, at-Tabarānī und al-Baihaqī verzeichnet haben und wo der Gesandte Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, zu seinen Gefährten sagte: „Was ich am meisten für euch fürchte, ist der kleine Schirk.“  Der Gesandte Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, sagt dies zu Abu Bakr, ‘Ummar und den ehrenwerten Gefährten von den Muhādjirīn und Anşār, die ja alle den Gipfel des Tauĥīds, des Glaubens und des Djihāds für die Sache Allahs erklommen haben. Doch trotzdem hatte der Prophet Angst um sie gehabt. Wer kann sich nach diesen Menschen noch jemals sicher sein?

„Was ich am meisten für euch fürchte, ist der kleine Schirk.“ Als er danach gefragt wurde, sagte er: „Ar-Riyā`.“Das ist ein Beleg dafür, dass die Gefährten sich um solche Angelegenheit kümmerten. Ar-Riyā` bedeutet, dass eine Person sich vor den Leuten verstellt, indem er vorgibt, gottesfürchtig zu sein, rechtschaffene Werke zu verrichten, das Gebet auf beste Art und Weise zu beten und so weiter, um von ihnen dafür gelobt zu werden. Ar-Riyā` stammt von Wort ar-Ru`yah ab, was bedeutet, gesehen werden. Eine Person liebt es, von Menschen gesehen zu werden, wenn er gerade dabei ist, eine rechtschaffene Tat zu verrichten, damit sie ihn dafür loben. Und aş-Şumm’ah (Ruf, Ansehen) bedeutet, dass eine Person es liebt, wenn Menschen seine Worte hören und von seinen Taten erfahren, damit sie ihn dafür Loben. Ar-Riyā` ist also im Bezug auf die Taten, die man sieht und aş-Şumm’ah ist im Bezug auf die Taten, übe die man hört.

Der Riyā` ist ein versteckter Schirk. Denn der Schirk besteht aus zwei Sorten: Der offene Schirk und der versteckte Schirk. Der offene Schirk ist der, der sich in den Taten und Worte einer Person wiederspiegelt, indem er zum Beispiel andere neben Allah um Dinge bittet, über die allein Allah die Macht hat oder für andere neben Allah Opfertiere darbringt oder andere neben Allah um göttlichen Beistand bittet und so weiter. All das sind Taten, die offen sind, sodass die Menschen diese sehen und hören können. Dann gibt da jedoch auch einen versteckten Schirk, über den die Menschen nicht erfahren können, da dieser im Herzen begangen wird. Diesen kennt nur der erhabene Allah. Es ist der Schirk in der Absicht (Niyyah) und im Willen (Irādah). Es kann als passieren, dass eine Person zwar vom großen Schirk verschont blieb, aber nicht vom kleinen Schirk, der sich im Herzen befindet. Deshalb sollte sich ein Muslim vor allem hier sehr in Acht nehmen.

Der Riyā` ist eine Eigenschaft der Heuchler. Der erhabene Allah sagt über die Heuchler: "Gewiss, die Heuchler möchten Allah betrügen, doch ist Er es, der sie betrügt. Und wenn sie sich zum Gebet hinstellen, stellen sie sich schwerfällig hin, wobei sie von den Menschen gesehen werden wollen, und gedenken Allahs nur wenig."[1] Der erhabene Allah hat denen Strafe angedroht, die beim Verrichten ihrer Taten lediglich gesehen werden wollen. Er, erhaben ist Er, sagte: "Wehe nun den Betenden, denjenigen, die auf ihre Gebete nicht achten, denjenigen, die dabei (nur) gesehen werden wollen."[2] Er droht ihnen mit Strafe. Und im Ĥadīth heißt es, dass Allah am Tag der Auferstehung denjenigen sagen wird, die beim Verrichten ihrer Taten lediglich gesehen werden wollten: „Geht zu denen, für die ihr im irdischen Leben eure Taten verrichtet habt und schaut mal, ob ihr eine Belohnung von ihnen bekommt!“

In diesem Ĥadīth wird die Furcht vor dem Schirk deutlich, da der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, diesen für seine edlen Gefährten von den Muhādjirīn und Anşār und für die Besten dieser Ummah gefürchtet hat. Was ist dann mit denen, die nach ihnen kommen sollten. Wenn dies die Furcht vor dem kleinen Schirk war, der einen nicht aus dem Kreis des Islams austreten lässt, was ist dann mit dem großen Schirk, möge Allah uns davor bewahren?

In diesem Ĥadīth ist auch ein Beweis für die Notwendigkeit, die Absicht allein für Allah aufrichtig vorzunehmen. Ein Mensch sollte beim Verrichten seiner rechtschaffenen Werke nie den Lob oder die Anerkennung der Menschen beabsichtigen und auch nicht die Begehrlichkeiten des Diesseits.

Dieser Ĥadīth weist also auf folgende Dinge hin:

Erstens:          Die Furcht vor dem Schirk.

Zweitens:       Der Riyā` (Augendienerei) ist Schirk, das bedeutet – so wie wir es bereits erwähnt hatten – dass eine Person es liebt, von Menschen gesehen zu werden, wenn er gerade dabei ist, ein Gottesdienst zu verrichten, damit sie ihn dafür loben.

Drittens:         Der Riyā` ist ein versteckter Schirk, den die Menschen einer Person nicht ansehen können. Nur der erhabene Allah hat Kenntnis darüber, weil dieser Schirk im Herzen stattfindet.

 

 

 



[1]
An-Nişā` 4:142

[2] Al-Mā’ūn 107:4ff

Vers: "Und lasse mich und meine Kinder es meiden, Götzen zu dienen."

 (Allahs) Freund, Allahs Heil auf ihn, sagte: "Und lasse mich und meine Kinder es meiden, Götzen zu dienen."[1]

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Seine Aussage: „(Allahs) Freund, Allahs Heil auf ihn, sagte: "Und lasse mich und meine Kinder es meiden, Götzen zu dienen."“ Der Freund Allahs (al-Khalīl) ist Ibrāhīm, Allahs Heil auf ihn. Er wird Allahs Freund genannt, weil der erhabene Allah ihn zum Freund nahm, so wie Er es gesagt hat: "Und Allah nahm sich Ibrāhīm zum Freund (Khalīl)."[2] „Al-Khullah“ (von dem das Wort al-Khalīl abstammte) ist die höchste Ebene der Liebe. Das bedeutet, dass ihn Allah in höchster Form liebt. Diese Ebene der Liebe erreichte nur Ibrāhīm und Muĥammad, möge Allah sie loben und Heil schenken.

Seine Aussage: "Und lasse mich […] es meiden." Das bedeutet, halte mich von dieser Sache fern und lass mich weit davon entfernt sein. "[…] Götzen zu dienen." Er fürchtete sich davor, Götzen zu dienen.

Obwohl Ibrāhīm diese besondere Stellung bei Allah genoss und obwohl er den Schirk bekämpft und die Götzen vernichtet hat und deswegen auch viel Leid erdulden musste, als er sogar ins Feuer geschmissen wurde, fürchtete er sich trotzdem davor, in Schirk zu fallen, da die Herzen zwischen den Fingern Allahs sind (und Er kann sie wenden, wann immer Er will). Derjenige, der noch am Leben ist, ist vor der Versuchung nie sicher. Deshalb sagten einige Şalaf: „Wer kann sich vor der Heimsuchung noch sicher fühlen, nachdem selbst Ibrāhīm sich davor fürchtete?“ Ibrāhīm fürchtet sich davor, in Schirk zu fallen, als er sah, wie viele Menschen bereits in Schirk gefallen waren. Er sagte über die Götzen: "Mein Herr, sie haben viele von den Menschen in die Irre geführt."[3]

Hierin ist die größte Widerlegung derer, die sagen: „Es herrscht keine Furcht mehr, dass die Muslime in Schirk geraten könnten, das ja nun alle gebildet und intellektuell sind. Der Schirk im Bezug auf Götzen, ist etwas primitives, über das der Gebildete und Intellektuelle schon längst hinweg ist. Das, was wir im Bezug auf die Menschen befürchten ist, dass sie in Schirk al-Ĥākimiyyah geraten (Schirk gegenüber den Machthabern).“ Dabei beharren sie immer wieder auf diese Sorte des Schirk und vernachlässigen und lehnen den Schirk ab im Bezug auf die Göttlichkeit Allahs (al-Ulūhiyyah) und dem Gottesdienst für Allah(al-’Ibādah). Das heißt also, dass Ibrāhīm, Allahs Heil auf ihn, und die anderen Propheten, einen Schirk abgelehnt haben, der primitiv war! Gleichzeitig haben sie nicht vor dem Schirk gewarnt, der eine wirkliche Gefahr darstellt, nämlich dem Schirk al-Ĥākimiyyah, so wie sie es sagen.

 

 

 



[1]
Ibrāhīm 14:35

[2] An-Nişā` 4:125

[3] Ibrāhīm 14:36

Ĥadīth: „Wer auch immer stirbt, während er Allah Teilhaber zuschreibt, tritt in das Höllenfeuer ein.“

*          *          *          *

Und von Ibn Maş’ūd, Allahs Wohlgefallen auf ihn, wird berichtet, dass der Gesandte Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, sagte: „Wer auch immer stirbt, während er Allah Teilhaber zuschreibt, tritt in das Höllenfeuer ein.“[1]

Und bei Muslim ist verzeichnet, dass Djābir berichtet hat, dass der Gesandte Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, sagte: „Jeder, der Allah begegnet, ohne Ihm irgendjemanden (in der Dienerschaft) beigesellt zu haben, wird in das Paradies eintreten; und ein jeder, der Ihm begegnet und Ihm irgendjemanden beigesellt hat, wird in das Höllenfeuer eintreten.“

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Er sagte: „Und von Ibn Maş’ūd, Allahs Wohlgefallen auf ihn, wird berichtet, dass der Gesandte Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, sagte: „Wer auch immer stirbt, während er Allah etwas beigesellt, tritt in das Höllenfeuer ein.““ Dies ist eine Benachrichtigung vom Propheten, möge Allah ihn loben und Heil schenken, die besagt, dass derjenige, der stirbt, während er sich immer noch auf dem Schirk befindet, zu den Höhlenbewohnern gehören wird und dass ihm niemals vergeben wird. Und achtet hier auf das Wort „etwas“. Dies bezieht sich allgemein auf jede Art des Schirk, egal ob man dabei Allah einen Propheten, einen Wālī (Nahestehenden Allahs) oder einen Engel beigesellt. Denn Allah wird den Schirk niemals akzeptieren: "Allah vergibt gewiss nicht, dass man Ihm (etwas) beigesellt. Doch was außer diesem ist, vergibt Er, wem Er will."[2]

Und wer kann schon wissen, wann er sterben wird? Und wer weiß überhaupt, in welchem Zustand er sterben wird? Eine Person sollte sich davor fürchten, ein schlechtes Ende zu haben und zu sterben, während er Allah Teilhaber zuschreibt, sodass er dann zu den Höhlenbewohnern gehören wird. Ein Mensch sollte deshalb sich ein Leben lang vor dem Schirk in Acht nehmen, da er schließlich nicht weiß, wann der Augenblick seines Todes sein wird, sodass er dann zu den Höhlenbewohnern gehören wird.

Hier wird klar auf die Furcht vor dem Schirk hingewiesen und dass einer Person sein Leben mit dem Schirk beendet werden kann, sodass er dann zu den Höhlenbewohnern gehören wird. Hier spielt es auch keine Rolle, ob er vorher zu den Leuten des Tauĥīds gehört hat, den Tauĥīd kannte, und den rechten Weg eingehalten hat. Er sollte sich stets davor fürchten, doch vom rechten Weg abzuweichen und Allah Teilhaber zuzuschreiben und auf diese Art zu sterben, sodass er dann schließlich zu den Höhlenbewohnern gehören wird. Möge Allah uns standhaft machen. Deshalb muss man sich stets vor dem Schirk in Acht nehmen.

Er sagte: „Und bei Muslim ist verzeichnet, dass Djābir berichtet hat, dass der Gesandte Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, sagte: „Jeder, der Allah begegnet, ohne Ihm irgendjemanden (in der Dienerschaft) beigesellt zu haben, wird in das Paradies eintreten.““ Hier wird die Vorzüglichkeit des Tauĥīds ersichtlich und dass derjenige, der mit dem Tauĥīd stirbt, ins Paradies eintreten wird. Dies ist ein Versprechen des erhabenen Allahs und Allah wird Sein Versprechen nicht brechen. Auch wenn dieser Mensch Sünden und Fehltritte hat, die jedoch kein Schirk sind, kann Allah ihm all diese vergeben und ihn ohne vorherige Bestrafung ins Paradies eintreten lassen. Allah kann ihn aber auch vorher für seine begangenen Sünden bestrafen und ihn danach ins Paradies eintreten lassen. Die Rückkehr eines Muwaĥĥids wird stets das Paradies sein, entweder von Anfang an oder zum Schluss.

Seine Aussage, „jeder, der Allah begegnet“, bedeutet, dass wenn eine Person stirbt. „Und ein jeder, der Ihm begegnet und Ihm irgendjemanden beigesellt hat, wird in das Höllenfeuer eintreten.“ Diese Aussage gleicht dem vorherigen Ĥadīth von Ibn Maş’ūd, der besagt, dass derjenige, der auf dem Schirk stirb, zu den Höllenbewohnern gehören wird. Möge Allah uns im Guten bewahren!

Hierin ist eine Warnung vor dem schlechten Ende, womit das Leben eines Menschen beendet werden kann. Hier wird aber auch die Nähe des Paradieses und des Höllenfeuers zu einer Person ersichtlich, so wie es der Scheikh, möge Allah mit ihm gnädig sein, erwähnt hat. Das, was dich vom Paradies oder dem Höllenfeuer trennt, ist der Tod. Und niemand kann wissen, ob er nicht doch jetzt sofort sterben wird, oder in wenigen Minuten, oder nach einem Monat, oder nach einem Jahr. Nichts steht zwischen dir und dem Paradies oder dem Höllenfeuer, außer dem Tod. Wenn eine Person stirbt, wird entweder ins höllenfeuer kommen oder ins Paradies. Hier zeigt sich, wie doch das Paradies und das Höllenfeuer nah sind an einer Person. Der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, sagt: „Das Paradies ist jedem von euch näher als sein Schnürsenkel, und ähnlich ist es auch mit dem Höllenfeuer.“[3] Du kannst in dieser Welt aufwachen und zu Abend bereits im Paradies sein oder umgekehrt.

In diesem Ĥadīth wird auf die Furcht hingewiesen vor dem Schirk und der Begegnung mit Allah, während man sich auf dem Schirk befindet, sodass man dann zu den Höllenbewohnern gehören wird. Möge Allah uns davor bewahren!

In den Texten dieses Kapitels wird also darauf hingewiesen, dass eine Person sich niemals von sich selbst täuschen lassen darf, egal wie viel Wissen er sich aneignen konnte oder Glaube und Erkenntnis er hat. Im Gegenteil, er muss sich seine Unfähigkeit eingestehen und dass er auf den erhabenen Allah stets angewiesen ist und dass wenn Allah ihn nicht beschützen würde, er der Gefahr ausgesetzt ist.

In diesem Kapitel wird auch die Bedeutung von „Lā Ilāha illa-llāh“ (es gibt keinen anbetungswürdigen Gott, außer Allah) deutlich, so wie es der Scheikh in seinen Sachverhalten beschrieben hat: „In diesem Kapitel wird die Bedeutung von „La Ilāha illa-llāh“ deutlich und zwar im letzten Ĥadīth: „Jeder, der Allah begegnet, ohne Ihm irgendjemanden (in der Dienerschaft) beigesellt zu haben, wird in das Paradies eintreten; und ein jeder, der Ihm begegnet und Ihm irgendjemanden beigesellt hat, wird in das Höllenfeuer eintreten.“ Das ist die Bedeutung von „Lā Ilāha illa-llāh“. Denn in diesem Ĥadīth wird sowohl auf den Tauĥīd als auch auf den Schirk hingewiesen. Die Worte von „Lā Ilāha illa-llāh“ bekräftigen den Tauĥīd und verneinen den Schirk. „Es gibt keinen anbetungswürdigen Gott“ (Lā Ilāha) ist eine Bekräftigung des Tauĥīds und „außer Allah“ (illa-llāh) eine Verneinung des Schirk.

Wir bitten den erhabenen Allah, Er möge uns das Wissen aneignen lassen, das nützlich ist für uns und dass Er uns zu den Taten verhilft, die rechtschaffend sind. Möge Er uns Standhaftigkeit in Seiner Religion geben und uns die Wahrheit als Wahrheit erkennen lassen und uns ihr folgen lassen und das Falsche als falsch erkennen lassen und uns von diesem fernhalten. Möge Er uns davor bewahren, dass das Falsche uns umhüllt, sodass wir dann in die Irre gehen werden. Und wir suchen Zuflucht bei Allah vor der Täuschung. Und wir suchen Zuflucht bei Allah vor der Bewunderung. Und wir suchen Zuflucht bei Allah vor dem Selbstlob, den Er in Seiner folgenden Aussage verboten hat: "So erklärt nicht euch selbst für lauter. Er weiß sehr wohl, wer gottesfürchtig ist."[4]

 

 

 



[1]
Verzeichnet bei Bukhārī

[2] An-Nişā` 4:48

[3] Verzeichnet bei Bukhārī

[4] An-Nadjm 53:32

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