Ĥadīth: „Wer auch immer bezeugt, dass es keinen anbetungswürdigen Gott gibt, außer Allah allein [...]."

*  *  *  *  *

‘Ubādah Ibn aş-Şāmit, Allahs Wohlgefallen auf ihm, überlieferte, dass Allahs Gesandter, möge Allah ihn loben und Heil schenken, sagte: „Wer auch immer bezeugt, dass es keinen anbetungswürdigen Gott gibt, außer Allah allein, Der ohne ebenbürtigen Partner ist; und dass Muĥammad Sein Diener und Gesandter ist; und dass ‘Īşā (Jesus) der Diener Allahs, Sein Gesandter und Sein Wort ist, welches Er Maryam (Maria) beschert hat, und ein Geist von Ihm; und dass das Paradies und das Höllenfeuer Wahrheit sind, den wird Allah ins Paradies eingehen lassen, was auch immer seine Taten sein sollten.“ [verzeichnet bei al‐Bukhārī und Muşlim].

____________________

Seine Aussage: „Wer auch immer bezeugt, dass es keinen anbetungswürdigen Gott gibt, außer Allah („lā Ilāha illā-Allah“).“Hiermit ist die Person gemeint, die die Schahādah (Glaubensbekenntnis) ausspricht, über ihre Bedeutung wissend ist, ihre Pflichten umsetzt und von ihr überzeugt ist. Denn es reicht nicht aus, die Worte der Schahādah lediglich auszusprechen, ohne über ihre Bedeutung im Klaren zu sein. Genauso verhält es sich, wenn man die Schahādah ausspricht und ihre Bedeutung kennt, jedoch nicht das umsetzt, was sie erfordert. Auch das reicht nicht aus. Es bedarf also einer Bezeugung, eines Wissens und der Umsetzung der Dinge, die diese gewaltigen Worte erfordern. Diese sind nicht einfach nur so Worte, die über die Zunge laufen, ohne ihre wahre Bedeutung zu kennen. Es reicht auch nicht aus, nur wissend über ihre Bedeutung zu sein, im Gegenteil, man muss das umsetzen, was sie an Pflichten erfordert und zwar, indem man die Anbetung allein Allah widmet und das Anbeten anderer neben Ihm unterlässt. Dies ist die Bedeutung von: "Allah bezeugt, dass es keinen anbetungswürdigen Gott gibt außer Ihm."1

Wenn er also dieses nicht bezeugt, der wird dem Islam nicht zugeschrieben, auch wenn er in seinem Herzen ihre Bedeutung kennt. Wenn er also in seinen Taten Allah anbetet, sich jedoch weigert, die Schahādah zu bezeugen, dann wird er nicht als Muslim anerkannt, solange, bis er die Schahādah bezeugt hat. Denn der Gesandte Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, hat gesagt: „Mir wurde anbefohlen, die Menschen solange zu bekämpfen, bis sie bezeugen, dass es keinen anbetungswürdigen Gott gibt außer Allah.“2

Auch derjenige, der dies mit seiner Zunge bezeugt hat, aber in seinem Herzen nicht daran glaubt, ist kein Muslim, im Gegenteil, er ist ein Heuchler. Denn auch die Heuchler sagen, dass es keinen anbetungswürdigen Gott gibt außer Allah, doch werden sie trotzdem sich auf dem untersten Grund des Höllenfeuers befinden. Warum? Weil sie nicht wirklich an ihre Bedeutung geglaubt haben!

Auch die heutigen Grabesanbeter sagen, dass es keinen anbetungswürdigen Gott gibt außer Allah, doch setzen sie nicht die Dinge um, die diese Worte erfordern, im Gegenteil, sie beten Gräber und Schreine an und richten ihre Bittgebete an Nahestehende Allahs (Wālī) und an rechtschaffene Menschen. Somit haben sie zwar die Schahādah mündlich bestätigt, jedoch haben sie sich ihrer Bedeutung widersetzt. Die Götzendiener hingegen, haben sich der Schahādah sowohl verbal als auch bezüglich ihrer Bedeutung widersetzt. Und die Grabesanbeter haben die Schahādah zwar verbal bestätigt, haben sich dann jedoch ihrer Bedeutung widersetzt. Beide Gruppen sind gleich, es herrscht kein Unterschied zwischen ihnen. Auch die Heuchler haben die Schahādah verbal bestätigt, jedoch glauben auch sie in ihrem Herzen nicht daran. Somit gleichen auch sie den vorherigen zwei Gruppen. Nicht nur das, sie sind sogar schlimmer, als die Ungläubigen. Der erhabene Allah hat gesagt: "Gewiss, die Heuchler werden sich auf dem untersten Grund des Höllenfeuers befinden, und du wirst für sie keinen Helfer finden […]."3

Das erwartet sie, obwohl sie die Schahādah verbal bestätigen und sagen, dass es keinen anbetungswürdigen Gott gibt außer Allah und auch fasten. Doch weil sie diese Worte lediglich mit ihrer Zunge bezeugt haben, ohne diese im Herzen anzuerkennen, weil sie damit einen weltlichen Nutzen ergattern wollen, werden sie sich im untersten Grund des Höllenfeuers befinden - möge Allah uns davor bewahren. Das Resultat ist also, dass diese Worte gewaltig sind, jedoch muss dabei folgendes erfüllt sein:

  1. Das Bezeugen dieser Worte.
  2. Wissend sein bezüglich ihrer Bedeutung.
  3. Das Umsetzen der Dinge, die sie erfordert.

Die Bedeutung von „es gibt keinen anbetungswürdigen Gott außer Allah“ ist, dass man alle Arten der Anbetung verneint, die an Andere neben Allah gerichtet werden und dass man den Anspruch auf alle Arten der Anbetung allein Allah zuschreibt, Erhaben ist Er. Das heißt also folgendes: Das Ablehnen jeglicher Anbetung, die an Andere neben Allah gerichtet werden und das bekräftigen der Anbetung Allahs. Seine Worte „es gibt keinen anbetungswürdigen Gott“ ist eine Ablehnung und Entkräftung jeglicher Art der Anbetung, die an Andere neben Allah gerichtet werden. Und die Worte „außer Allah“ sind eine Bestätigung der Anbetung, die allein Allah gewidmet wird, erhaben ist Er. Deshalb bedeutet „lāIlāha illā-Allah“, dass niemand das Recht auf Anbetung hat, außer Allah oder auch, es gibt niemanden, der der Anbetung würdig ist, außer Allah. Wenn du hingegen sagst, dass diese Worte bedeuten, dass es keinen Gott gibt außer Allah, dann sagen wir dir folgendes: Dies ist ein gewaltiges Fehlgehen! Denn dadurch hättest du all die anderen Götter mit eingeschlossen und hast sie alle zu Allah gemacht. Du hast dadurch die Götzen, Schreine, Himmelskörper und all die anderen Götter, die neben Allah angebetet werden, zu Allah erklärt. Dies ist jedoch ein Fehler. Dies ist auch die Methodik (Madhhab) derer, die an die Theorie der „Einzigheit der Existenzen“4 (Wiĥdat al-Wudjūd) glauben.

Es ist also wichtig, mit den Worten der Wahrheit zu sprechen. Denn die Götter unterteilen sich in zwei Kategorien: Der Gott, der die Wahrheit ist und der Gott, der das Falsche ist. Der Gott, der die Wahrheit ist, ist der erhabene Allah und der Gott, der das Falsche ist, ist jeder von diesen falschen Göttern, der neben Allah angerufen wird. Der erhabene Allah hat gesagt: "Dies, weil Allah die Wahrheit ist und weil das, was sie anstatt Seiner anrufen, das Falsche ist, und weil Allah der Erhabene, der Große ist."5 Dies ist die Bedeutung von „lāIlāha illā-Allah“.

Seine Aussage: „außer Allah allein, Der ohne ebenbürtigen Partner ist (waĥdahu lā Scharīka lah).“ Dies sind Worte, die als Bekräftigung hinzugefügt wurden. Das Wort „allein“ soll diese Bekräftigung nochmals bestätigen und die Worte „der ohne ebenbürtigen Partner ist“ soll die Abschwörung bestätigen. Dies sind also Worte, die „lāIlāha illā-Allah“ und die darin enthaltene Bestätigung und Abschwörung nochmal bestätigen. Dies sind gewaltige Worte, die so im Qur`ān wortwörtlich vorkommen oder wo auf ihre Bedeutung mehrfach hingewiesen wird, so wie in den folgenden Aussagen des erhabenen Allahs: "Wisse also, dass es keinen anbetungswürdigen Gott außer Allah gibt."6 Und: "[…] Denn sie pflegten, wenn zu ihnen gesagt wurde: „Es gibt keinen anbetungswürdigen Gott außer Allah“, sich hochmütig zu verhalten, und sagten: „Sollen wir denn wahrlich unsere Götter verlassen wegen eines besessenen Dichters?“"7 Die Verse, die auf ihre Bedeutung hinweisen, sind unteranderem folgende: "Und als Ibrāhīm zu seinem Vater und seinem Volk sagte: „Gewiss, ich sage mich los von dem, dem ihr dient, außer Demjenigen, Der mich erschaffen hat; denn Er wird mich gewiss rechtleiten.“"8 Seine Aussage "ich sage mich los" ist die Bedeutung des Abschwörens, das ja lautet: Es gibt keinen anbetungswürdigen Gott, außer Demjenigen, Der mich erschaffen hat, also außer Allah, was ja wiederum eine Bestätigung ist. Somit sind dies wahrlich gewaltige Worte.

Und seine Worte: „[…] und dass Muĥammad Sein Diener und Gesandter ist.“ Dies weist darauf hin, dass es nicht ausreicht zu bezeugen, dass es keinen anbetungswürdigen Gott gibt außer Allah, im Gegenteil, man muss auch gleichzeitig bezeugen, dass Muĥammad der Diener und Gesandte Allahs ist. Derjenige, der bezeugt, dass es keinen anbetungswürdigen Gott gibt außer Allah, sich aber weigert zu bezeugen, dass Muĥammad der Diener und Gesandte Allahs ist, der ist nicht in den Islam eingetreten. Denn das eine ist mit dem anderen verbunden, so wie im Gebetsruf, in der Predigt und so weiter. Auch wenn „lāIlāha illā-Allah“ allein erwähnt werden sollte, impliziert dies auch gleichzeitig, dass Muĥammad der Diener und Gesandte Allahs ist.

Seine Aussage „[…] und dass Muĥammad Sein Diener und Gesandter ist“, weist auf das Abschwören der Übertreibung und der Nachlässigkeit ihm gegenüber hin. Das Wort „Diener“ beinhaltet das Abschwören des Übermaßes und der Übertreibung bezüglich des Rechtes des Propheten, möge Allah ihn loben und Heil schenken, indem man ihm einige göttliche Eigenschaften zuschreibt, so wie es diese Unbeholfenen tun. Der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, ist ein Diener, der nichts Göttliches an sich hat. Der erhabene Allah bezeichnete ihn als Diener und sprach ihm eine bevorzugte Stellung zu, wie die Stellung der Offenbarung: "Und wenn ihr im Zweifel über das seid, was Wir Unserem Diener offenbart haben […]."9 Oder auch die Stellung der Nachtreise: "Preis sei Dem, Der Seinen Diener bei Nacht von der geschützten Gebetsstätte zur fernsten Gebetsstätte, deren Umgebung Wir gesegnet haben, reisen ließ"10 Oder auch die Stellung desjenigen, auf dem die Offenbarung herabgesandt wurde: "(Alles) Lob gehört Allah, Der das Buch (als Offenbarung) auf Seinen Diener herabgesandt hat."11 Oder auch: "Segensreich ist Derjenige, Der Seinem Diener die Unterscheidung offenbart hat, damit er für die Weltenbewohner ein Warner sei."12 Oder auch in der besonderen Stellung der Herausforderung: "Und wenn ihr im Zweifel über das seid, was Wir Unserem Diener offenbart haben, dann bringt doch eine Sure gleicher Art bei und ruft eure Zeugen außer Allah an, wenn ihr wahrhaftig seid!."13

Er, möge Allah ihn loben und Heil schenken, ist also ein Diener, der nicht angebetet und ein Prophet, der nicht verleugnet werden darf. Ihm muss gehorcht und gefolgt werden. Ihm darf keinerlei Anbetung gewidmet werden. Diejenigen also, die bei ihm Hilfe ersuchen, ihn darum bitten, sie gegen die Feinde siegreich zu machen, ihn darum anflehen, für sie ihre Angelegenheiten zu regeln oder ihre Sorgen zu lindern, diese haben ihn von der Stellung der Dienerschaft in die Stellung der Gottheit erhoben – wir suchen Zuflucht bei Allah davor. Diese Menschen haben nicht bestätigt, dass er ein Diener Allahs ist, sondern haben ihn zum Partner neben Allah bezüglich Seiner Herrschaft und Seiner Göttlichkeit gemacht. Der Gesandte Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, hat jedoch gesagt: „Rühmet mich nicht wie die Christen den Sohn der Maria rühmten, denn ich bin nichts anderes als ein Diener (Allahs). Sagt also „Allahs Diener und Sein Gesandter.““14 Der erhabene Allah hat gesagt: "Es ist gar nicht deine Angelegenheit, ob Er ihre Reue annimmt oder sie straft, denn sie sind ja Ungerechte."15 Und Er, Erhaben ist Er, sagte auch: "Sag: Ich vermag mir selbst weder Nutzen noch Schaden (zu bringen), außer was Allah will. Wenn ich das Verborgene wüsste, würde ich mir wahrlich viel Gutes verschaffen, und Böses würde mir nicht widerfahren. Ich bin nur ein Warner und ein Frohbote für Leute, die glauben."16 Und der Erhabene sagte auch: "Sag: Ich vermag euch weder Schaden noch Besonnenheit (zu bringen). Sag: Niemand kann mir gegen Allah Schutz gewähren, und ich werde außer (bei) Ihm keinen Ort der Sicherheit finden. (Ich vermag) nur etwas zu übermitteln von Allah und Seinen Botschaften."17

Und seine Aussage: „und Gesandter“. Dies ist eine Widerlegung derjenigen, die nachlässig sind ihm gegenüber und die den Propheten, möge Allah ihn loben und Heil schenken, nicht so einschätzen, wie es Ihm gebührt. Entweder, weil die seine Botschaft verleugnen oder weil sie zwar seine Botschaft bestätigen, aber nicht das befolgen, was erforderlich wäre. Diese Menschen haben nicht bezeugt, dass er der Gesandte Allahs ist. Ihre Bezeugung ist entweder falsch oder unvollständig. Sie ist falsch, wenn sie ihm gar nicht folgen und unvollständig, wenn sie ihm nur in manchen Angelegenheiten folgen und sich ihm in anderen widersetzen, so wie ihr Ego und ihre Gelüste es gerade wünschen.

Seine Aussage, „und Gesandter“,  ist eine klare Widerlegung derjenigen, die nachlässig sind bezüglich des Rechts des Propheten, möge Allah ihn loben und Heil schenken, obwohl er doch das beste und ehrenvollste Geschöpf ist und der beste Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken. Wir dürfen bezüglich seines Rechts nicht nachlässig sein. Das bedeutet aber nicht, dass wir diesbezüglich übertreiben sollen, sodass wir ihm etwas von der Göttlichkeit zuschreiben. Es darf also weder Übertreibung noch Nachlässigkeit ihm gegenüber geben.

Seine Aussage: „und dass ‘Īşā (Jesus) der Diener Allahs, Sein Gesandter und Sein Wort ist, welches Er Maryam (Maria) beschert hat, und ein Geist von Ihm.“ Mit ‘Īşā, möge Allah ihn loben und Heil schenken, ist hier ‘Īşā, der Sohn von Maryam gemeint. Der erhabene Allah hat ihn mit Mutter und ohne Vater erschaffen. Er tat dies, um Seinen Diener zu zeigen, dass Er zu allem die Macht hat, Erhaben ist Er. Die Geschichte von Maryam, möge Allah sie loben, hat der erhabene Allah im Qur`ān erwähnt. Sie stammt aus einem guten Haus, das voller Anbetung war. Ihr Vater verstarb, während sie noch sehr jung war. Der Gesandte Allahs Zakariyā hat dann für sie gesorgt, da ihre Tante mütterlicherseits die Ehefrau von Zakariyā war.

Der erhabene Allah hat gesagt: "Gewiss, Allah hat Ādam und Nūĥ und die Sippe Ibrāhīms und die Sippe ‘Imrāns vor den (anderen) Weltenbewohnern auserwählt, eine der anderen Nachkommenschaft. Und Allah ist Allhörend und Allwissend. Als ‘Imrāns Frau sagte: […]", hier ist die Mutter von Maryam gemeint, "[…] „Mein Herr, ich gelobe Dir, was in meinem Mutterleib ist, für Deinen Dienst freigestellt. So nimm (es) von mir an! Du bist ja der Allhörende und Allwissende.“18 Sie hat das Gelübde abgelegt, das, was in ihrem Bauch ist, für den Dienst des „Bait al-Maqdiş“ („Haus der Heiligkeit“ in Jerusalem) zu geben. Dort befindet sich die Moschee, die zu den drei Moscheen gehört, die es auf der Erde gab.

"Als sie sie dann zur Welt gebracht hatte […]“19, hatte sie gehofft, dass es ein Junge wird. Denn nur dieser konnte die besondere und verantwortungsvolle Aufgabe bewältigen. "Als sie sie dann zur Welt gebracht hatte, sagte sie: „Mein Herr, ich habe ein Mädchen zur Welt gebracht.“ Und Allah wusste sehr wohl, was sie zur Welt gebracht hatte […]."20 Sie sagte dies aus der Sicht eines Bittgebets und nicht, weil sie den erhabenen Allah darüber informieren wollte, dass sie ein Mädchen gebärt hat. Lies den Vers: "Und Allah wusste sehr wohl, was sie zur Welt gebracht hatte […]." Diese Aussage dient zur Verdeutlichung, dass der erhabene Allah über alles Bescheid weiß. Ihm blieb die Geburt dieses kleinen Mädchens nicht verborgen. Die Ehegattin von ‘Imrān berichtet ihren Herrn, Erhaben ist Er, also nicht vom Geschlecht ihres Neugeborenen, sondern sagt zu Ihm in einem Bittgebet: "[…]und der Knabe ist nicht wie das Mädchen."21 Das heißt: Ein Junge wäre hier besser gewesen als ein Mädchen, da dies eine anspruchsvolle Aufgabe ist. Ein Junge kann Dinge erledigen, die ein Mädchen nicht erledigen kann, da Allah in manchen Dingen das männliche Geschlecht vor der Weiblichen begünstigt hat. Dies gilt bezüglich des Geschlechts, nicht aber bezüglich einer speziellen Person. Denn es kann sein, das eine bestimmte Person, das weiblich ist, in vielerlei Hinsicht besser ist, als manche Männer. Was jedoch das Geschlecht anbetrifft, so ist das männliche Geschlecht besser als das Weibliche, denn das männliche Geschlecht ist zu Arbeiten fähig, zu denen das weibliche Geschlecht nicht im Stande ist. Ohne Zweifel ist auch der Verstand des männlichen Geschlechts gegenüber dem, des weiblichen Geschlechts, weitsichtiger.

"[…]„Ich habe sie Maryam genannt, und ich stelle sie und ihre Nachkommenschaft unter Deinen Schutz vor dem gesteinigten Satan.“ Da nahm ihr Herr sie auf gütigste Art an und ließ sie auf schöne Weise heranwachsen […]."22 Das heißt, Er hat Maryam sie auf gütigste Art angenommen und ließ sie auf schöne Weise heranwachsen, denn sie wuchs mit Anbetung und Gehorsamkeit auf. "[…]Und gab sie Zakariyā zur Betreuung." Denn die Kinder Israels haben sich gestritten, wer sich um Maryam sorgen wird. Jeder wollte diese ehrbare Aufgabe übernehmen, da sie die Tochter ihres Schriftgelehrten und ihren Scheich war. Sie wetteiferten untereinander, wer Maryam betreuen darf, so wie es der erhabene Allah berichtet hat: "Dies gehört zu den Nachrichten vom Verborgenen, das Wir dir (als Offenbarung) eingeben.Denn du warst nicht bei ihnen, als sie ihre Rohre warfen (, um durch das Los zu bestimmen), wer von ihnen Maryam betreuen sollte."23 Die haben ausgelost, wer Maryam betreuen darf. "Und du warst nicht bei ihnen, als sie miteinander stritten." Das heißt: Du, o Muĥammad, hast die vergangenen Epochen und das, was darin geschehen ist, nicht erlebt. Doch dies gehört zu den Zeichen Allahs und zu den Wundern dieses Propheten, möge Allah ihn loben und Heil schenken, dass Allah ihn über diese Dinge berichtet hat, so als wäre er dort anwesend gewesen.

Die Söhne Israels waren beeindruckt gewesen, als er zu ihnen mit einigen Informationen kam, die sie bis dato nicht kannten. Diese Dinge waren in ihren Büchern zu finden, doch kannten diese nur ihre Schriftgelehrten. Dieser Prophet hat ihnen über das berichtet, was in den vergangenen Völkern vorgefallen ist. Dies gehörte zu seinen Wundern, möge Allah ihn loben und Heil schenken, da solche Dinge nicht von ihm selbst kommen konnten, er war ein Analphabet gewesen, der weder lesen noch schreiben konnte. All das kam vom erhabenen Allah, so wie Er es Selbst, Erhaben ist Er, gesagt hat: "Gewiss, dieser Qur`ān erzählt den Kindern Işrā`īls das meiste von dem, worüber sie uneinig sind."24 Dies ist wahrlich ein Wunder. Es ist das letzte offenbarte Buch und berichtet trotzdem von Zeiten, die bereits lange zurücklegen, so wie sie geschehen sind. Dies ist das größte Wunder dieses Propheten, möge Allah ihn loben und heil schenken.

Das Los fiel dann auf Zakariyā, möge Allah ihn loben. Die Tante von Maryam war die Schwester ihrer Mutter. Somit sorgte sich Zakariyā um sie. "Jedesmal, wenn Zakariyā zu ihr in die Zelle trat […]"25, das heißt in den Ort, wo sie gebetet hat. Mit Miĥrāb (hier Zelle) ist ein Ort gemeint, wo gebetet wird. Somit ist der Miĥrāb nicht allein auf den gebetsort begrenzt, der sich in einer Moschee befindet. "[…] fand er bei ihr Versorgung. Er sagte: „O Maryam, woher hast du das?“ Sie sagte: „Es kommt von Allah; Allah versorgt, wen Er will, ohne zu berechnen.“"26 Dies gehört zu den Wundern (Karāmāt), die Allah Seinen Nahestehenden gewährt. Er fand im Winter bei ihr Früchte, die nur im Sommer zu finden waren und im Sommer fand er bei ihr Früchte, die es nur im Winter gibt. Diese Dinge hat ihr der erhabene Allah bereitgesellt, um sie zu ehren. Denn sie betete stets in diesem Raum und keine andere Person hatte Zutritt dorthin. Und trotzdem fang der Gesandte Allah bei ihr diese Versorgung.

Dann erwähnte Allah die Geschichte von Zakariyā und seinem Bittgebet, das er an seinen Herrn gerichtet hat. Danach erwähnte Er die restliche Geschichte von Maryam und ihrer Schwangerschaft mit ‘Īşā: "Und als die Engel sagten: „O Maryam, Allah hat dich auserwählt und dich rein gemacht und dich auserwählt vor den Frauen der (anderen) Weltenbewohner! O Maryam, sei deinem Herrn demütig ergeben, wirf dich nieder und verbeuge dich zusammen mit den sich Verbeugenden.“ Dies gehört zu den Nachrichten vom Verborgenen, das Wir dir (als Offenbarung) eingeben."27

Dies ist das Wunder. Das soll heißen: O Prophet, wie konntest du davon berichten, wenn du doch der letzte aller Propheten bist. Außerdem bist du ein Analphabet, du kannst also weder lesen noch schreiben. Dies ist eines deiner größten Wunder. "Denn du warst nicht bei ihnen, als sie ihre Rohre warfen (, um durch das Los zu bestimmen), wer von ihnen Maryam betreuen sollte. Und du warst nicht bei ihnen, als sie miteinander stritten." Wer hätte dir davon berichten können, wenn nicht Allah, Erhaben ist Er? Dies gehört zu den Nachrichten vom Verborgenen, das heißt von Nachrichten, die bereits vergangen sind. Das Verborgene kann sich aber auch auf die Zukunft beziehen, denn niemand kennt das Verborgene außer Allah, sei es bezüglich der Vergangenheit oder der Zukunft oder auch Seine Propheten, denen Er es als Offenbarung eingegeben hat.

"Als die Engel sagten: „O Maryam, Allah verkündet dir ein Wort von Ihm, dessen Name al-Maşīĥ ‘Īşā, der Sohn Maryams ist, angesehen im Diesseits und Jenseits und einer der (Allah) Nahegestellten. Und er wird in der Wiege zu den Menschen sprechen und im Mannesalter und einer der Rechtschaffenen sein.“"28 Dies war eine Frohbotschaft für sie gewesen, doch sie atmete schwer, weil sie nun ein Kind gebärt, obwohl sie nicht verheiratet war. "Sie sagte: „Mein Herr, wie sollte ich ein Kind haben, wo mich (doch) kein menschliches Wesen berührt hat?“ Er (, der Engel,) sagte: „So (wird es sein); Allah erschafft, was Er will. Wenn Er eine Angelegenheit bestimmt, so sagt Er zu ihr nur: "Sei!" und so ist sie. Und Er wird ihn die Schrift, die Weisheit, die Thora und das Evangelium lehren. Und (Er wird ihn schicken) als einen Gesandten zu den Kindern Işrā`īls (, zu denen er sagen wird): „Gewiss, ich bin ja mit einem Zeichen von eurem Herrn zu euch gekommen: dass ich euch aus Lehm (etwas) schaffe […].“"29

Dies ist das, was der erhabene Allah über den Werdegang von Maryam und ihrem Sohn ‘Īşā, möge Allah ihn loben, berichtet hat. Deshalb, als Dja’far Ibn Abī Tālib, Allahs Wohlgefallen auf ihn, dem König an-Nadjāschī und seinen Patriarchen und christlichen Großgelehrten diese Verse über den Werdegang von ‘Īşā, möge Allah ihn loben, hat an-Nadjāschī zugegeben, dass dies eine Offenbarung von Allah sein muss. Er sagte: „Dieses hier und das, was Mūşā (Moses) als Offenbarung eingegeben wurde, stammte aus derselben Lichtquelle ab.“ Somit nahm an-Nadjāschī, möge Allah mit ihm gnädig sein, den Islam an, als er von der ausführlichen und detaillierten Nachricht Allahs hörte, die Er über ‘Īşā berichtet hat. Denn es war unmöglich, dass dies von Muĥammad, möge Allah ihn loben und Heil schenken, selbst kommen kann.

In seiner Aussage, möge Allah ihn loben und Heil schenken, „und dass ‘Īşā (Jesus) der Diener Allahs, Sein Gesandter ist", ist eine Widerlegung der Juden und Christen. Denn die Juden Leugnen die Botschaft von ‘Īşā, möge Allah ihn loben, und haben ihn verleumdet – möge Allah uns davor bewahren – sie sagten, dass er ein Hurensohn sei – möge Allah sie entstellen und verfluchen für das, was sie da von sich geben. Sie haben außerdem versucht, ihn zu ermorden, doch Allah bewahrte ihn vor ihrer List und hob ihn zu Sich.

Hierin ist aber auch eine Widerlegung der Christen, die nicht bestätigen wollen, dass ‘Īşā ein Diener Allahs ist, sondern behaupten, dass er der Sohn Allahs sei oder indem sie an die Trinität30 glauben. Andere wiederum sagen, dass ‘Īşā selbst Gott sei. Diese drei Sichten haben sie. Der erhabene Allah hat sie im Qur`ān erwähnt: "Fürwahr, ungläubig sind diejenigen, die sagen: „Gewiss, Allah ist al-Maşīĥ, der Sohn Maryams“ […]."31 Und: "Fürwahr, ungläubig sind diejenigen, die sagen: „Gewiss, Allah ist einer von dreien.“ […]."32 Er sagte auch: "[…]und die Christen sagen: „Al-Maşīĥ ist Allahs Sohn.“ Das sind ihre Worte aus ihren (eigenen) Mündern."33 Sie behaupten diese Dinge in ihren Sendungen bis zum heutigen Tag. Sie wiederholen immer wieder diese abscheulichen Worte, die voller Unglaube sind. Sie sagen immer wieder: „‘Īşā ist der Sohn Allahs.“ Damit geben sie das Glaubensfundament der Christen wieder, die vor ihnen waren. Sie beharren weiter auf diese Falschheit, die ja ist: ‘Īşā ist der Sohn Allahs, Erhaben ist Allah über das, was sie behaupten. ‘Īşā hat es von sich aus zugelassen, dass man ihn ermordet. Er wurde getötet und gekreuzigt, um sie von der Sündenlast zu erlösen, die damals – nach ihrer Auffassung – Ādam, möge Allah ihn loben, begangen haben soll. Sie bezeichnen ihn deshalb auch als Erlöser und diese Tat als Selbstopferung. ‘Īşā hat sich angeblich selbst geopfert für die Kinder Ādams, um sie von den Folgen dieser Sünde zu erlösen, die ja die Bestrafung ist.

Und seine Aussage: „[…] und Sein Wort ist, welches Er Maryam (Maria) beschert hat.“ Sein Wort, Erhaben ist Er, war das, was Er an ‘Īşā gerichtet hat, als Er sagte: "Sei!" Denn ‘Īşā wurde ohne Vater geschaffen. Er wurde durch das Wort „Sei“ (arab. Kunn). Damit ist nicht gemeint, dass ‘Īşā selbst das Wort ist. Er wird damit beschrieben, da er mit diesem Wort geschaffen wurde. Dies steht im Widerspruch zur restlichen Menschheit. Denn sie werden von einem Vater und einer Mutter geschaffen. Deshalb sagte Er auch bezüglich Ādam: "Gewiss, das Gleichnis ‘Īşās ist bei Allah wie das Gleichnis Ādams. Er erschuf ihn aus Erde. Hierauf sagte Er zu ihm: "Sei!" und da war er."34 Solltet ihr euch nun wundern, wie ‘Īşā mit Mutter aber ohne Vater geschaffen werden konnte und zwar als Folge des Wortes „Sei“, dann müsstet ihr euch doch auch darüber wundern, wie Ādam aus Erde geschaffen werden konnte, ohne Mutter und ohne Vater, sondern als des Wortes „Sei“? Darin steckt wahrlich nichts Seltsames bezüglich der Stärke des erhabenen Allahs.

Seine Aussage: „[…] und ein Geist von Ihm.“ Hiermit ist nicht damit gemeint, dass ‘Īşā ein Geist (arab. Rūĥ) von Allah ist, insofern, dass er vom Wesen Allahs abstammt, nein, hiermit ist gemeint, dass seine Seele (Geist) von Allah geschaffen wurde. Denn Allah hat alle Seelen geschaffen, zu diesen Seelen gehört auch die Seele von ‘Īşā, möge Allah ihn loben und Heil schenken. Das Wort „von Ihm“ weißt auf den Schaffer hin. Die Seele stammt von Allah ab, so wie du zum Beispiel sagst, dass diese Nahrung von Allah ist. Das soll heißen, dass Allah Derjenige ist, der diese Dinge erleichtert hat. Er hat all diese Dinge ermöglicht und geschaffen. Der erhabene Allah hat gesagt: "Und Er hat euch alles, was in den Himmeln und was auf der Erde ist, dienstbar gemacht, alles von Sich aus."35 Das bedeutet, dass der Ertrag, der Regen und die Geschöpfe von Allah sind, erhaben ist Er. Das Wort „von“ verweist auf den Schaffer. Es könnte jetzt jemand kommen und fragen: „Nach dieser Erklärung sind ja alle Seelen der Kinder Ādams von Allah. Warum wird aber trotzdem immer nur ‘Īşā mit dieser Eigenschaft in Verbindung gebracht?“ Wir sagen: Gewiss, alle Seelen der Kinder Ādams sind von Allah. Doch ‘Īşā wurde mit dieser Eigenschaft beschrieben, da er ohne Vater geschaffen wurde. Er ist eine Seele ohne Vater.

Seine Aussage: „[…] und dass das Paradies und das Höllenfeuer Wahrheit sind.“ Damit ist derjenige gemeint, der bezeugt, dass das Paradies – was ja die Wohnstätte der Gottesfürchtigen ist – und die Hölle – was ja die Wohnstätte der Ungläubigen ist – beides Wahrheit sind, dass beide existieren und geschaffen wurden und dass beide ewig existieren werden und unvergänglich sind, das Paradies für die Gottesfürchtigen und die Hölle für die Ungläubigen. Dabei unterteilt sich die Wohnstätte, wir es Ibn al-Qayyim erklärt hat, in drei Kategorien:

Erste Kategorie:         Die Wohnstätte in der irdischen Welt. Sie ist eine Wohnstätte des Arbeitens und des Erwerbs.

Zweite Kategorie:       Die Wohnstätte des Barrzakh. Dies ist die Wohnstätte im Grab. Barrzakh befindet sich zwischen dem Diesseits und dem Jenseits. Barrzakh bedeutet Isolator (oder auch Zeitspanne). Das Leben im Gab wird als das Barrzakhiyah-Leben bezeichnet. Dort sind höchst sonderbare Dinge zu finden. In ihn gibt es sowohl Wonne als auch Strafe. Das Grab ist entweder eines der Gruben des Höllenfeuers oder eines der Gärten des Paradieses. Die Toten bleiben solange in ihren Gräbern, bis Allah, Der Erhabene, sie auferstehen lassen will, um sie zu versammeln und zur Rechenschaft zu ziehen. Dieses Leben ist eine Station des Wartens.

Dritte Kategorie:        Die Wohnstätte der Vergeltung, das ja der Tag der Auferstehung sein wird. Dort wird es nur Paradies oder Hölle geben. Diese Wohnstätte wird für immer unvergänglich sein. Wenn ein Mensch nun an diese zwei Wohnstätten glaubt (Paradies und Hölle), dann wird ihn dies dazu bringen, rechtschaffene Werke zu verrichten und die Sünden und Fehltritte aufrichtig zu bereuen, die er begangen hat. Wenn er davon überzeugt ist, dass es ein Paradies gibt und dass man in dieses Paradies nur durch die rechtschaffenen Werke eintreten darf, dann wird er dafür arbeiten. Und wenn er davon überzeugt ist, dass es eine Höllenfeuer gibt, in das er durch seine Sünden, seines Unglaubens und seiner Fehltritte kommt, dann wird er sich davor in Acht nehmen und zu Allah, Dem Erhabenen, reumütig zurückkehren. Der Glaube an den Jüngsten Tag, an Paradies und Hölle, bringen einen Diener dazu, mehr rechtschaffene Werke zu verrichten und die Sünden und Fehltritte zu bereuen.  Derjenige jedoch, der nicht an den Jüngsten Tag glaubt, der wird nur das tun, zu was ihn seine Neigungen und Begierden rufen. Er zieht sich selbst nicht zur Rechenschaft, da er weder an eine Auferstehung glaubt noch an eine Abrechnung. Überaus hoch Erhaben ist Allah über das, was die Ungerechten und Ungläubigen sagen. "Und sie sagen: „Es gibt nur unser diesseitiges Leben; wir sterben und leben, und nur die Zeiten vernichten uns."36 Sie leugnen die Auferstehung. "Verspricht er euch etwa, dass ihr, wenn ihr gestorben und zu Erde und Knochen geworden seid, (wieder) hervorgebracht werdet?Weit, weit entfernt ist das, was euch versprochen wird. Es gibt nur unser diesseitiges Leben: Wir sterben und wir leben, und wir werden nicht auferweckt."37 So sagen sie. Denn die Ungläubigen, zu denen der Gesandte Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, entsandt wurde, haben die Auferstehung geleugnet.

Zu ihnen gehören auch die Atheisten und Materialisten (Dahriyyah). Sie glauben weder an einen Gott, an eine Auferstehung noch eine Abrechnung. Zu ihnen gehören auch gleichermaßen die Philosophen, die ja sagen: „All diese Dinge basieren auf Fantasievorstellungen, um einen Nutzen von den Menschen zu erzielen. Die Propheten oder auch Gesandten sagen diese Dinge aus ihrer Fantasie heraus, um einen Nutzen von den Menschen zu erzielen. Es gibt weder ein Paradies, eine Hölle noch eine Auferstehung. Sie erfinden diese Dinge fantasievoll, um durch Lügen einen Nutzen zu erzielen. Dabei hoffen sie darauf, dass die Menschen aufhören, verächtliche Taten zu begehen und nur noch schöne Dinge tun. Dies sollen sie tun, auch wenn es weder Paradies noch Hölle gibt.“ Dies wird als „Erkenntnistheorie“ bezeichnet und wird von einer Gruppe von Philosophen und von anderen irregegangenen Bāţiniyah-Gruppen vertreten. Sie leugnen das Paradies und die Hölle. Sie sagen: „Dies sind lediglich Metapher und keine Wirklichkeit.“ Die Ungläubigen unterscheiden sich je nach ihrer Glaubensform: Es gibt den Götzendienst, den Materialismus, die Philosophie und die Bāţiniyah, all diese Gruppen glauben nicht an den Jüngsten Tag.

Deshalb richtete der erhabene Allah eine Drohung an diese Menschen mit Seiner Aussage: "Meint ihr denn, dass Wir euch zum sinnlosen Spiel erschaffen hätten und dass ihr nicht zu Uns zurückgebracht würdet?“"38 Das bedeutet: würde es weder eine Auferstehung noch eine Abrechnung geben, dann hätte Allah diese Geschöpfe lediglich zum sinnlosen Spiel erschaffen, denn diese Schaffung hätte weder Sinn noch Ziel. Somit kann der Ungerechte ungerecht sein, der Mörder töten, der Sünder Sünden begehen und der Gehorsame sich abmühen in seinem Gehorsam und seiner Anbetung und niemand würde Vergeltung für seine Taten erfahren - überaus hoch Erhaben ist Allah über das, was sie da sagen. Wenn es jedoch eine Auferstehung und eine Vergeltung für die Taten geben wird, indem der Rechtschaffe für seine Rechtschaffenheit und der Schändliche für seine Schandtaten entlohnt wird, dann würde hinter der Schaffung der Geschöpfe ein Sinn stecken und ein Ziel haben und kein sinnloses Spiel sein. Denn es gibt ungerechte, die sterben, bevor sie im Diesseits für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen werden konnten und es gibt rechtschaffene Menschen, die sterben, während sie arm und krank sind. Warum? Weil die Vergeltung erst am Jüngsten Tag stattfinden wird. Auf all diese Leute wartet ihre Vergeltung im Jenseits.

Auf diesen Ungläubigen, diesen Ungerechten, diesen Tyrannen und diesen Herrschsüchtigen wartet eine Vergeltung im Jenseits. Und auf diesen Gläubigen, Gottesfürchtigen und Rechtschaffenen, der wegen einer Krankheit oder Armut verstarb, auf ihn wartet eine Vergeltung im Jenseits, die das Paradies sein wird. Denn der erhabene Allah hat die Geschöpfe und all diese Dinge, die Er schuf, nicht zum sinnlosen Spiel erschaffen. All das muss ein Ergebnis haben und ein Ziel, wo es dort endet: "Meint ihr denn, dass Wir euch zum sinnlosen Spiel erschaffen hätten und dass ihr nicht zu Uns zurückgebracht würdet?“"39 "Meint der Mensch (etwa), dass er außer Acht gelassen wird?"40 Das soll heißen: Glaubt der Mensch etwa, dass ihm nichts befohlen und verboten wird, dass er nicht auferstehen und ihm vergolten wird? Glaubt er etwa, dass er essen und trinken kann, bösartig und abgeirrt sein kann und dann alles im Nichts endet? Oder dass er gottesfürchtig ist und sich selbst mit Anbetung abmüht und dann alles im Nichts endet? Das ist der Aspekt hinsichtlich des Glaubens an das Paradies und der Hölle. Denn der Glaube daran fordert das Verrichten von rechtschaffenen Werken und das Bereuen der schlechten Taten. Die Auferstehung und die Abrechnung gehören auch zu den Dingen, die von vielen Gruppierungen der Ungläubigen geleugnet werden. Es ist deshalb erforderlich, daran zu glauben, sie zu bezeugen und zu bestätigen.

Dieser Glaube gehört außerdem zu den sechs Fundamenten des Glaubens, die ja sind: Der Glaube an Allah, an die Engel, an die Bücher, an die Gesandten, an den Tag des Gerichtes und an die göttliche Bestimmung – mit ihrem Guten und Schlechten. Wir finden vor, dass Allah manchmal alle sechs Fundamente des Glaubens erwähnt und manchmal nur vier davon. Manchmal erwähnt Er nur zwei, nur der Glaube an Allah und an den Tag des Gerichtes: "[…] wer immer an Allah und den Jüngsten Tag glaubt und rechtschaffen handelt, – die haben ihren Lohn bei ihrem Herrn, und keine Furcht soll sie überkommen, noch werden sie traurig sein."41 Er erwähnte den Glauben an den Jüngsten Tag. Denn der Glaube an Allah und an den Jüngsten Tag erfordert auch gleichzeitig den Glauben an die restlichen Fundamente.

In diesem Ĥadīth sagte er sich von allen drei Glaubensbekenntnissen los: Das Glaubensbekenntnis der Juden, das Glaubensbekenntnis der Christen und das Glaubensbekenntnis der Götzendiener. Somit ist dies ein besonderer Ĥadīth.

In seiner Aussage, möge Allah ihn loben und Heil schenken, „wer auch immer bezeugt, dass es keinen anbetungswürdigen Gott gibt, außer Allah allein […]; und dass Muĥammad Sein Diener und Gesandter ist“, ist eine Lossagung von der Religion der Götzendiener.

Und in seiner Aussage, „und dass ‘Īşā (Jesus) der Diener Allahs, Sein Gesandter und Sein Wort ist, welches Er Maryam (Maria) beschert hat“, eine Lossagung von der Religion der Juden und Christen. Denn die Juden sind ungläubig im Bezug auf ‘Īşā und die Christen haben ihm gegenüber übertrieben, sodass sie anfingen, ihn zu ihrem Herrn zu nehmen. Außerdem sind Juden und Christen gleichermaßen ungläubig im Bezug auf Muĥammad, möge Allah ihn loben und Heil schenken.

Somit ist in diesem Ĥadīth eine Lossagung von allen drei Glaubensbekenntnissen: Von dem Glaubensbekenntnis der Götzendiener, indem man bezeugt, dass es keinen anbetungswürdigen Gott gibt außer Allah und dass Muĥammad der Gesandte Allahs ist. Die Lossagung von dem Glaubensbekenntnis der Juden und Christen, indem man bezeugt, dass ‘Īşā der Diener und Gesandter Allahs ist.

Und der Zeuge dieses Ĥadīths bezüglich des Kapitels „Der Vorzug des Tauĥīds und was er an Sünden sühnt“ ist der folgende Abschnitt: „[…] den wird Allah ins Paradies eingehen lassen, was auch immer seine Taten sein sollten.“ Dies ist ein Versprechen Allahs, Dem Erhabenen, gegenüber den Leuten des Tauĥīds, nämlich dass Er sie ins Paradies eingehen lassen wird. Die Leute des Tauĥīds sind jene, die bezeugen, dass es keinen anbetungswürdigen Gott gibt, außer Allah allein, Der ohne ebenbürtigen Partner ist; und dass Muĥammad Sein Diener und Gesandter ist; und dass ‘Īşā der Diener Allahs, Sein Gesandter und Sein Wort ist, welches Er Maryam beschert hat, und ein Geist von Ihm; und dass das Paradies und das Höllenfeuer Wahrheit sind. Das sind die Leute des Tauĥīds. Der erhabene Allah hat ihnen das Versprechen gegeben, dass sie in das Paradies eingehen werden. In diesem steckt ein Vorzug des Tauĥīds und dass er der Grund für das Eingehen ins Paradies ist.

Was bedeutet jedoch: „[…] was auch immer seine Taten sein sollten“? Diesbezüglich gibt es zwei Aussagen der Leute des Wissens:

Erste Aussage:            Allah wird ihn ins Paradies eingehen lassen, was auch immer seine Taten sein sollten, das heißt, auch wenn er Sünden begangen hat, solange er kein Schirk begeht. Diese Fehltritte werden nicht zwischen ihm und dem eingehen ins Paradies trennen. Entweder von Anfang an oder erst zum Schluss. Hierin zeigt sich der Vorzug des Tauĥīds und dass er – mit Allahs Erlaubnis – die Sünden tilgt und verhindert, dass man ewig in der Hölle bleibt.

Zweite Aussage:         Allah wird ihn ins Paradies eingehen lassen, was auch immer seine Taten sein sollten, das heißt, er geht ins Paradies ein und wird die Ebene einnehmen, die seinen Taten entspricht. Denn die Paradiesbewohner unterscheiden sich bezüglich ihren Rängen, die sie durch ihre Taten erlangt haben. Es gibt jene, die in der höchsten Ebene verweilen und andere, die da drunter sind. Die Leute des Paradieses unterscheiden sich also bezüglich ihrer Ränge. Das Paradies besteht aus Ebenen, eine über die andere. Genauso beseht die Hölle aus Gründe, eins tiefer als das andere. Die Hölle liegt in den tiefen Gründen und das Paradies in den hohen Ebenen. Der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, hat gesagt: „Wahrlich, es gibt im Paradies  einhundert  Rangstufen, die Allah für diejenigen vorbereitete, die auf dem Weg Allahs den Dschihad unternahmen, und zwischen der einen Stufe und der anderen ist eine Entfernung, wie zwischen Himmel und Erde.“42 Das weist daraufhin, dass das Paradies aus Ebenen besteht und dass die Menschen in die Ebenen eingehen werden, die entsprechend ihrer Taten sind.

In diesem Ĥadīth ist eine Widerlegung all der ungläubigen Gruppen: Er widerlegt die Götzendiener, die Jeden und die Christen.

In diesem Ĥadīth wird jedoch auch die Notwendigkeit gefordert, an alle Propheten, möge Allah sie loben und Heil schenken, zu glauben. Denn der Ĥadīth-Text weist darauf hin, dass an ‘Īşā und Muĥammad, möge Allah ihn loben und Heil schenken, geglaubt werden muss. Dies ist ein Verweis auf die Notwendigkeit, auch an alle anderen Propheten glauben zu müssen, so wie es der erhabene Allah gesagt hat: "[…]und ebenso die Gläubigen; alle glauben an Allah, Seine Engel, Seine Bücher und Seine Gesandten – Wir machen keinen Unterschied bei jemandem von Seinen Gesandten."43 Es ist als erforderlich, an alle Propheten, möge Allah sie loben und Heil schenken, zu glauben. Derjenige, der ungläubig ist bezüglich einen von ihnen, der ist ungläubig bezüglich ihnen allen. Die Juden also, die behaupten, an Mūşā (Moses) zu glauben, sind ungläubig im Bezug auf Mūşā, da sie ungläubig sind im Bezug auf Muĥammad, möge Allah ihn loben und Heil schenken. Sie sind ungläubig im Bezug auf Mūşā, da Mūşā ihnen darüber berichtet hat, dass Muĥammad, möge Allah ihn loben und Heil schenken, entsandt wird, so wie es in der Taurāt (Thora) stand, das Mūşā offenbart wurde. Der erhabene Allah hat gesagt: "[…]die dem Gesandten, dem schriftunkundigen Propheten, folgen, den sie bei sich in der Thora und im Evangelium aufgeschrieben finden. Er gebietet ihnen das Rechte und verbietet ihnen das Verwerfliche, er erlaubt ihnen die guten Dinge und verbietet ihnen die schlechten […]."44

Auch ‘Īşā, möge Allah ihn loben, hat über Muĥammad, möge Allah ihn loben und Heil schenken, berichtet und hat die Menschen angehalten, an ihm zu glauben: "Und als ‘Īşā, der Sohn Maryams, sagte: „O Kinder Işrā`īls, gewiss, ich bin Allahs Gesandter an euch, das bestätigend, was von der Thora vor mir (offenbart) war, und einen Gesandten verkündend, der nach mir kommen wird: sein Name ist Aĥmad.“"45 ‘Īşā, möge Allah ihn loben, hat somit den Kindern Israels die Frohbotschaft übermittelt, dass noch ein weiterer Prophet Namens Muĥammad, möge Allah ihn loben und Heil schenken, entsandt wird. Das bedeutet, dass er ihnen anbefohlen hat, an ihn zu glauben. Da die Christen nicht an Muĥammad, möge Allah ihn loben und Heil schenken, glauben, sind sie somit auch ungläubig im Bezug auf ‘Īşā, möge Allah ihn loben, da er ja ihnen die Frohbotschaft überbracht hat, dass Muĥammad, möge Allah ihn loben und Heil schenken, entsandt wird. Das bedeutet, dass sie sich ihrem Propheten ‘Īşā widersetzt haben und an ihn nicht wirklich glauben, so wie sie behaupten. Jeder der Propheten bestätigt den anderen und jeder von ihnen glaubt an den anderen. Die Propheten, möge Allah sie loben und Heil schenken, bilden eine einheitliche Kette, von ihrem Ersten bis zu ihrem Letzten. Ihre Ersten überbringen die Frohbotschaft über jene, die direkt nach ihnen kommen werden, oder erst später. Und die Späteren bestätigen die Früheren und glauben an ihnen. Sie bilden somit eine einheitliche Kette. Deshalb sagte der erhabene Allah in Sure asch-Schu’arā`: "Das Volk Nūĥs bezichtigte die Gesandten der Lüge."46 Dabei bezichtigten sie lediglich einen Gesandten, nämlich Nūĥ. Doch da sie ihren Gesandten bezichtigt haben, haben sie damit auch alle anderen Gesandten bezichtigt, so wie es der erhabene Allah gesagt hat: "Diejenigen, die Allah und Seine Gesandten verleugnen und zwischen Allah und Seinen Gesandten einen Unterschied machen wollen und sagen: „Wir glauben an die einen und verleugnen die anderen“, und einen Weg dazwischen einschlagen wollen, das sind die wahren Ungläubigen."47

 

 

­­­­­­­­­­­­­­­­­­­______________________________

[1]  Āli-‘Imrān 3:18

[2] Verzeichnet bei Bukhārī (385)

[3] An-Nişā` 4:145

[4] Anm. des Übersetzers:    Diese abscheuliche ’Aqīdah besagt, dass Allah der Allmächtige, eine Einheit mit seinen Geschöpfen bildet, sodass Schöpfer und Schöpfung Eins sind.

[5] Al-Ĥadj 22:62

[6] Muĥammad 47:19

[7] Aş-Şāffāt 37:35-36

[8] Az-Zuchruf 43:26-27

[9] Al-Baqarah 2:23

[10] Al-Işrā` 17:1

[11] Al-Kahf 18:1

[12] Al-Furqān 25:1

[13] Al-Baqarah 2:23

[14] Verzeichnet bei Buchārī (3445). Dieser Ĥadīth wurde von ‘Ummar Ibn al-Khattāb, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtet.

[15] Āli-‘Imrān 3:128

[16] Al-A’rāf 7:188

[17] Al-Djin 72:21-23

[18] Āli-‘Imrān 3:33-35

[19] Āli-‘Imrān 3:36

[20] Āli-‘Imrān 3:36

[21] siehe vorherige

[22] Āli-‘Imrān 3:36-37

[23] Āli-‘Imrān 3:44

[24] An-Naml 27:76

[25] Āli-‘Imrān 3:37

[26] Siehe vorherige

[27] Āli-‘Imrān 3:42-44

[28] Āli-‘Imrān 3:45-46

[29] Āli-‘Imrān 3:47-49

[30] Anm. des Übersetzers:   (Heilige) Dreifaltigkeit, Dreieinigkeit oder Trinität  (lat. trinitas  ‚Dreizahl‘) bezeichnet in der christlichen Theologie die Wesens-Einheit von Gott Vater, Gott Sohn (Jesus Christus) und Gott Heiliger Geist.

[31] Al-Mā`idah 5:72

[32] Al-Mā`idah 5:73

[33] At-Taubah 9:30

[34] Āli-‘Imrān 3:59

[35] Al-Djāthiyah 45:13

[36] Al-Djāthiyah 45:24

[37] Al-Mu`minūn 23:35

[38] Al-Mu`minūn 23:115

[39] Al-Mu`minūn 23:115

[40] Al-Qiyāmah 75:36

[41] Al-Baqarah 2:62

[42] Verzeichnet bei Bukhārī (6987) und Aĥmad (2/335)

[43] Al-Baqarah 2:285

[44] Al-A’rāf 7:157

[45] Aş-Şaff 61:6

[46] Asch-Schu’arā` 26:105

[47] An-Nişā` 4:150-151

Meistgelesene Beiträge