Der Ehemann der Nichte ist kein Maĥram

 


Frage:

Ich habe eine Schwester, deren Tochter verheiratet ist. Gehört ihr Ehemann zum Kreis meiner Maĥram oder nicht?

 

Antwort:

Der Ehemann deiner Nichte gehört für dich nicht zum Kreis deiner Maĥram. Du darfst ihm deshalb weder die Hand geben noch darfst du dich mit ihm irgendwo alleine befinden. Du darfst mit ihm auch nicht alleine verreisen, so wie es für dich mit einem Maĥram erlaubt wäre.

[Fatāwā al-Ladjnah ad-Dā`imah, 17/438]

Tochter des Bruders oder der Schwester

Darf man vor dem Schwager den Niqāb ausziehen?

 


Frage:

Nächstes Jahr bin ich (Deutsche) mit meinen Mann und den Kindern bei seiner Familie in Algerien zur hochzeit seines Bruders eingeladen. Er hat drei Brüder, die älter sind als ich und alle leben in einem Haus. Das heißt, ich würde ihnen ständig begegnen. Auch die fünf Söhne des älteren Bruders leben mit im haus. Ich müsste mein Niqāb im Haus immer tragen, weil sie nicht meine Maĥram sind. Aber jetzt schimpft die Familie auf mich und sagt ich bräuchte das nur auf der Strasse zu tragen, nicht vor der Familie. Können Sie mir helfen und das Urteil über diese Situation geben. Bārakallahu fīk.

 

Antwort:

Alles Lob gebührt Allah!

Liebe Schwester. Wenn du zu denen gehörst, die davon überzeugt sind, dass das Tragen von Niqāb für die Frau Pflicht ist, dann darfst du es vor deinen Schwager und deren Söhne nicht ausziehen, da diese Personen nicht zum Kreis deiner Maĥram gehören und somit dein Gesicht nicht sehen dürfen.

Scheich Ben Bāz - möge Allah mit ihm gnädig sein, der die Überzeugung hatte, dass für die Frau das Tragen von Niqāb Pflicht ist,  hat gesagt:

„Was den Bruder des Ehemannes, der Ehemann der Schwester, die Söhne des Onkels väterlicher- und mütterlicherseits oder ähnliche Personen anbetreffen, so sind sie kein Maĥram für die Frau. Sie dürfen deshalb weder ihr Gesicht sehen noch darf sie in deren Anwesenheit ihr Gewand (Djilbāb) ablegen. Denn mit dieser Tat würde sie diese Personen unnötig in Versuchung bringen. Von 'Uqbah Ibn 'Āmir - Allahs Wohlgefallen auf ihm - wird berichtet, dass der Gesandte Allahs - möge Allah ihn loben und Heil schenken - gesagt hat: „Hütet euch zu Frauen ins Haus zu gehen.“ Sie sagten: „O Gesandter Allahs, was denkst du über den al-Ĥammu?“ Er sagte: „Der al-Ĥammu ist der Tod.“ [Verzeichnet bei Buchārī und Muşlim]

Das, was mit al-Ĥammu beabsichtigt ist, ist der Bruder des Ehemannes (Schwager), sein Onkel oder auch andere. Denn diese Personen betreten meist ohne Bedenken das Haus. Diese Personen sind jedoch keine Maĥram, auch wenn sie in dieser engen Beziehung zum Ehemann stehen sollten. Deshalb darf eine Frau ihre Reize vor ihnen nicht zeigen, auch wenn sie rechtschaffene Menschen sind, denen vertraut werden kann. Denn der erhabene Allah hat der Frau nur gegenüber ihrer Maĥram erlaubt, ihre Reize zu zeigen. Der Bruder, der Onkel und die Neffen des Ehemannes gehören nicht dazu. Der Gesandte Allahs - möge Allah ihn loben und Heil schenken - hat gesagt: „Niemand sollte allein mit einer Frau ohne Maĥram sein, außer wenn er ihr Maĥram ist.“ Und mit Maĥram sind all jene gemeint, die sie ein Leben lang nicht heiraten darf, sei es wegen der engen Verwandtschaftsbeziehung, wegen der Anheiratung oder wegen des Stillens. Dazu gehören zum Beispiel der Vater, der Sohn, der Bruder, der Onkel und so weiter. Der Gesandte Allahs - möge Allah ihn loben und Heil schenken - hat dies verboten, damit der Teufel nicht seine Fänge der Verführung zwischen ihnen ausbreitet und ihnen die Sünde verschönert. Es ist über den Gesandten Allahs - möge Allah ihn loben und Heil schenken - überliefert worden, dass er sagte: „Kein Mann ist allein mit einer Nicht-Maĥram Frau, ohne dass der Teufel als Dritter anwesend ist.“ [Verzeichnet bei at-Tirmidhī (2165) und von al-Albānī als authentisch in Şaĥīĥ at-Tirmidhī gestuft.]

Wenn in manchen Ländern das Gegenteilige Tradition ist, dann müssen sich die Menschen dort bemühen, diese Traditionen zu beenden. Sie müssen das Übel beseitigen, das solch eine Tradition mit sich bringt, damit die Ehre bewahrt wird. Die Menschen sollten einander zur Güte und Gottesfurcht helfen und die Befehle des erhabenen Allahs und die Seines Gesandten - möge Allah ihn loben und Heil schenken - umsetzen. Außerdem sollten sie bei Allah um Vergebung bitten für die Missetaten, die sie bereits begangen haben. Sie sollten die größten Anstrengungen erbringen, die nötig sind, um das Rechte zu gebieten und das Verwerfliche zu verbieten. Sie müssen sich auf Allahs Weg abmühen und nicht den Tadel der Tadelnden oder den Spott der Spottenden fürchten.

Denn für einen Muslim ist es verpflichtend, die Gesetze Allahs zu befolgen und das aus Sehnsucht nach dem, was Er für ihn bereitgestellt hat, auch wenn die engsten Verwandten und Bekannte dies ablehnen sollten.“ [Fatāwah Scheich Ben Bāz, 4/256-258]

Und Allah weiß es am besten!

Wer sind die Maĥram, vor denen eine Frau ihren Schleier ablegen darf?

 


Frage:

Welche Menschen gehören zum Maĥram, sodass eine muslimische Frau ihren Schleier vor ihnen ablegen darf?

 

Antwort:

Alles Lob gebührt Allah.

Es ist einer Frau nicht gestattet, ihren Ĥidjāb abzulegen, außer vor ihrem Maĥram.

Und der Maĥram einer Frau ist eine Person, der ihr für Immer verboten bleibt, ihn heiraten zu dürfen, sei es wegen der engen Blutsverwandtschaft (wie ihr Vater, ihr Großvater, ihr Urgroßvater, usw., ihr Sohn, ihr Enkel, ihr Urenkel, usw., ihr Onkel väterlicher- oder mütterlicherseits, ihr Bruder, der Sohn ihres Bruders oder auch der Sohn ihrer Schwester), oder wegen der Radā’ah, also der Stillzeit (wie der Milchbruder, dessen Mutter sie gestillt hat oder der Ehemann der Frau, von der sie gestillt wurde) oder weil sie nun durch eine Anheiratung miteinander verbunden sind (wie z. B. der Ehemann der eigenen Mutter, der Vater dieses Mannes, der Großvater von ihm, usw., aber auch der Sohn dieses Mannes aus einer anderen Ehe, der Enkel, usw.). Nun werden mit Allahs Hilfe weitere Details zu diesem Thema folgen:

1.         Maĥram durch die enge Blutsverwandtschaft.

Das sind all jene, die in der Sure an-Nūr erwähnt wurden, als der erhabene Allah sagte (in der ungefähren Bedeutung):

"Und sie sollen […] ihren Schmuck nicht offen zeigen, außer ihren Ehegatten, ihren Vätern, den Vätern ihrer Ehegatten, ihren Söhnen, den Söhnen ihrer Ehegatten, ihren Brüdern, den Söhnen ihrer Brüder und den Söhnen ihrer Schwestern […]." [Sure 24, an-Nūr, Vers 31]

Die Mufaşşirīn haben gesagt: Der männliche Maĥram für eine Frau bezüglich der engen Blutsverwandtschaft ist der, der in diesem Vers erwähnt wurde oder aus diesem ableitbar ist. Diese sind also:

Erstens:          Der Vater einer Frau samt all den Groß- und Urgroßvätern. Hierbei sind sowohl die Großväter väterlicher- als auch mütterlicherseits gemeint. Was die Großväter des Ehemannes anbetrifft, so sind auch sie ihr Maĥram, jedoch durch Anheiratung, wie wir weiter unten sehen werden.

Zweitens:       Ihre Söhne samt den Enkel- und Urenkelkinder. Hierbei sind sowohl die (Ur-) Enkelkinder gemeint, die von Söhnen stammen als auch von Töchtern. Was jedoch die Söhne des Ehegatten anbetrifft, die in diesem Vers erwähnt wurden, so sind es Söhne, die der Ehegatte aus einer anderen Ehe mitgebracht hat, d.h. Söhne, die eine andere Mutter haben. Auch sie sind ihr Maĥram, jedoch durch Anheiratung und nicht durch die enge Blutsverwandtschaft, wie wir weiter unten sehen werden.

Drittens:         Ihre Brüder, egal ob es Vollbrüder sind, die von beiden Elternteil abstammten oder nur Halbbrüder, die nur von einem Elternteil abgestammt sind.

Viertens:         Ihre Neffen samt den Urneffen. Darunter fallen also sowohl alle Kinder ihrer Geschwister, obgleich sie von Brüdern oder Schwestern abstammten, als auch wiederum ihre Kinder, wie zum Beispiel die Söhne der Neffen.

Fünftens:        Ihre Onkels väterlicher- und mütterlicherseits. Auch sie gehören zum Maĥram durch enge Blutsverwandtschaft, auch wenn sie nicht explizit im Vers erwähnt wurden, da sie den Eltern gleichen. Sie genießen unter den Menschen den gleichen Status wie die Eltern. Ein Onkel väterlicherseits kann auch Vater genannt werden. Der erhabene Allah hat gesagt (Interpretation der Bedeutung): "Oder wart ihr etwa Zeugen, als Ya’qūb der Tod nahte? Als er zu seinen Söhnen sagte: „Wem werdet ihr nach mir dienen?“ Sie sagten: „Wir werden deinem Gott und dem Gott deiner Vorväter Ibrāhīm, Ismā’īl und Işĥāq dienen, als dem Einen Gott, und Ihm sind wir ergeben." [Sure 2, al-Baqarah, Vers 133] Ismā’īl war der Onkel der Kinder von Ya’qūb.

2.         Maĥram durch das Stillen (ar-Radā’ah).

Eine Frau kann auch einen Maĥram durch das Stillen haben. Es heißt in Taffşīr al-Alūşī:

„Der Status des Maĥrams einer Frau, vor dem sie ihren Schmuck zeigen darf, kann genauso durch das Stillen als auch durch die enge Blutsverwandtschaft gegeben sein, so dass es für eine Frau auch hier zulässig ist, ihren Schmuck ihrem Milchvater oder ihrer Milchsöhne zu zeigen.“ [Taffşīr al-Alūşī, 18/143] Das Verhältnis gegenüber einem Maĥram durch das Stillen gleicht völlig dem durch die enge Blutsverwandtschaft - das bedeutet, dass eine Ehe mit einem Maĥram durch das Stillen aufgrund dieser Bindung für immer untersagt ist. Das ist auch das, worauf Imām al-Djaşşāş hingewiesen hat, als er den oben erwähnten Vers kommentierte. Er – möge Allah mit ihm gnädig sein – sagte: „Wenn Allah erwähnt, dass es für die Väter für immer verboten ist, eine Ehe mit einer Maĥram-Frau einzugehen, so bedeutet dies, dass das gleiche Verbot auch für andere Maĥram-Beziehungen gilt, wie gegenüber der Schwiegermutter, gegenüber die Maĥram durch das Stillen und andere.“ [Aĥkām al-Qur`ān li l-Djaşşāş, 3 / 317]

All die Dinge, die gegenüber einem Maĥram durch die enge Blutsverwandtschaft verboten sind, sind auch gegenüber einem Maĥram durch das Stillen verboten.

Es ist in der edlen Şunnah auch folgendes überliefert worden: „Die gleichen Dinge sind gegenüber einem Maĥram durch das Stillen verboten, wie auch gegenüber einem Maĥram durch die enge Blutsverwandtschaft.“ Das bedeutet, dass sowohl die Männer ein Maĥram der Frau sind, die durch die enge Blutsverwandtschaft in Beziehung mit ihr stehen als auch durch das Stillen. Es wurde im Şaĥīĥ Muşlim verzeichnet, dass die Mutter der Gläubigen ’Ā`ischah – Allahs Wohlgefallen auf sie – sagte:

„Aflaĥ, der Bruder von Abu l-Qu’aiş, kam zu mir und bat um Einlass. Dieser war mein Onkel auf Grund der Stillzeit (ar-Radā’ah). Dies war, nachdem die Offenbarung über die Schleierpflicht herabgesandt wurde. Ich verwehrte ihm den Einlass, bis der Gesandte Allahs – möge Allah ihn loben und Heil schenken – kam. Als ich ihm von dem erzählte, was ich getan habe, befahl er mir, dass ich ihm (den Eintritt) erlauben solle.“ [Şaĥīĥ al-Buchārī bi Scharĥ al-’Aşqallānī, 9 / 150]

Dieser Ĥadīth wurde ebenfalls bei Imām Muşlim mit folgendem Wortlaut verzeichnet: „Von ’Urwah wird berichtet, dass ’Ā`ischah ihm erzählt hat, dass ihr Onkel durch das Stillen (ar-Radā’ah), genannt Aflaĥ, um Einlass bat und sie ihm dies verwehrt hat. Als sie dem Gesandten Allahs – möge Allah ihn loben und Heil schenken – davon erzählte, sagte er zu ihr: „Du brauchst dich nicht vor ihm zu verschleiern, denn die gleichen Dinge sind gegenüber einem Maĥram durch das Stillen verboten, wie auch gegenüber einem Maĥram durch die enge Blutsverwandtschaft." [Şaĥīĥ Muşlim bi Scharĥ an-Nawawī, 10/22]

Im Einklang mit dem Qur`ān und der Şunnah, haben die Fiqh-Gelehrten festgestellt, dass für die Frau ihr Maĥram durch das Stillen gleichbedeutend ist wie ihr Maĥram durch die enge Blutsverwandtschaft. Somit ist es für eine Frau erlaubt, ihren Schmuck vor ihrem Maĥram durch das Stillen zu tragen, so wie es ihr auch erlaubt ist, dieses vor dem Maĥram durch die enge Blutsverwandtschaft zu tun. Für den Maĥram durch das Stillen ist es außerdem erlaubt, soviel von ihrem Körper sehen zu dürfen, wie es auch dem Maĥram durch die enge Blutsverwandtschaft gestattet ist.

3.         Maĥram durch Anheiratung.

Die Maĥram durch Anheiratung, die einem Mann für Immer verboten bleiben, sie heiraten zu dürfen, sind zum Beispiel die Frau des Vaters (Stiefmutter), die Frau des Sohnes (Schwiegertochter) oder auch die Mutter der Frau (Schwiegermutter). [Scharĥ al-Muntahā, 3 / 7]

Die Maĥram durch Anheiratung,  die einer Frau für Immer verboten bleiben, sie heiraten zu dürfen, sind zum Beispiel der Sohn des Ehemanns aus einer anderen Ehe (Stiefsohn), der Vater des Ehemannes (Schwiegervater) oder auch der Ehemann der Tochter (Schwiegersohn). Der erhabene Allah sagt in Sure an-Nūr (in der ungefähren Bedeutung):

"Und sie sollen […] ihren Schmuck nicht offen zeigen, außer ihren Ehegatten, ihren Vätern, den Vätern ihrer Ehegatten, ihren Söhnen, den Söhnen ihrer Ehegatten […]." [Sure 24, an-Nūr, Vers 31]

Somit sind sowohl die Väter ihrer Ehegatten (Schwiegerväter) als auch die Söhne ihrer Ehegatten (Stiefsöhne) Maĥram der Frau durch Anheiratung. Der erhabene Allah erwähnte sie zusammen mit den Vätern und Söhnen der Frau und machte sie damit alle gleich in dem Sinne, dass Frauen ihren Schmuck vor ihnen zeigen dürfen. [al-Muĝnī, 6 / 555]

Und Allah weiß es am besten!

Zählt die Schwester der Ehefrau (Schwägerin) auch zum Maĥram?

 


Frage:

Zählt die Schwester der Ehefrau, also die Schwägerin, auch zum Maĥram eines Mannes?

 

Antwort:

Alles Lob gebührt Allah.

Die Schwester der Ehefrau (Schwägerin) ist eine „Fremde“ (Nicht-Maĥram) im Bezug auf den Mann. Und der Ehemann einer Schwester (Schwager) ist ein „Fremder“ (Nicht-Maĥram) im Bezug auf die Frau. Somit darf er sie weder anschauen, noch mit ihr allein sein noch ihr die Hand schütteln.

Manche Leute glauben, dass wenn die Schwägerin doch dem Ehemann der Schwester verboten ist, dann darf er sie auch anschauen, mit ihr allein sein und ihr die Hand schüttelt. Das ist aber falsch! Das, was mit dem Verbot hier gemeint ist, ist die Ehe mit dieser Frau. Denn ein Mann darf nicht eine Frau und gleichzeitig auch ihre Schwester zur selben Zeit heiraten, ebenso ist es ihm auch verboten, eine Frau und ihre Tante väterlicher- oder mütterlicherseits zur gleichen Zeit zu heiraten. Das Verbot, nämlich dass ein Mann nicht eine Frau und ihre Schwester zur selben Zeit heiraten darf, ist im Qur`ān erwähnt. Der erhabene Allah hat bezüglich den Frauen, die man nicht heiraten darf, gesagt:  "[…] Und (verboten ist es euch,) dass ihr zwei Schwestern zusammen (zur Frau) nehmt […]." [Sure 4, an-Nişā`, Vers 23]

In der authentischen Şunnah ist überliefert worden, dass es verboten ist, eine Frau und ihre Tante väterlicher- oder mütterlicherseits zur selben Zeit zu heiraten. Siehe dazu al-Buchārī (4821) und Muşlim (1408).

Somit ist das, was verboten ist, die Tatsache, dass ein Mann nicht mit zwei Schwestern zur selben Zeit verheiratet sein darf und nicht, dass er bezüglich einer Ehe für die Schwägerin ein Leben lang verboten bleibt. Wenn die Ehefrau zum Beispiel verstorben ist, dann dürfte er seine Schwägerin heiraten. Ein richtiger Maĥram jedoch bleibt bezüglich einer Ehe ein Leben lang verboten.

Scheich Ibn ’Uthaimīn – möge Allah mit ihm gnädig sein – wurde einmal bezüglich einer Frau befragt, die mit ihrer verheirateten Schwester lebt und vor dem Mann ihrer Schwester keinen Ĥidjāb trägt. Dabei brachte sie das Argument ein, dass ihr Schwager doch für den Zeitraum, wo er mit ihrer Schwester verheiratet ist, für sie verboten bleibt und somit ein zeitlich begrenzter Maĥram ist. Er antwortete darauf wie folgt:

„Diese Frau ist verwirrt. Sie glaubt, da es für sie nicht zulässig ist den Ehemann ihrer Schwester zu heiraten, so lange ihre Schwester bei ihm ist, dann ist dieser Mann für sie nun zu einem zeitlich begrenzten Maĥram geworden. Dieses Verständnis ist falsch, da eine Person, den man durch diesen Zeitraum der Ehe nicht heiraten darf, kein Maĥram ist.

Die Maĥram sind diejenigen, mit denen man ein Leben lang keine Ehe eingehen darf, sei es aus Gründen der engen Blutsverwandtschaft oder aus einem anderen zulässigen Grund, wie die Anheiratung oder durch das Stillen (Siehe dazu auch folgende Frage). Der erhabene Allah hat gesagt (in der ungefähren Bedeutung):

"Und heiratet nicht Frauen, die (vorher) eure Väter geheiratet haben, außer dem, was bereits geschehen ist. Gewiss, das ist eine Abscheulichkeit und etwas Hassenswertes und ein böser Weg. Verboten (zu heiraten) sind euch eure Mütter, eure Töchter, eure Schwestern, eure Tanten väterlicherseits, eure Tanten mütterlicherseits, die Nichten, eure Nährmütter, die euch gestillt haben, eure Milchschwestern, die Mütter eurer Frauen, eure Stieftöchter, die sich im Schoß eurer Familie befinden von euren Frauen, zu denen ihr eingegangen seid, – wenn ihr jedoch nicht zu ihnen eingegangen seid, so ist es keine Sünde für euch (, deren Töchter zu heiraten) – und (verboten zu heiraten sind euch) die Ehefrauen eurer Söhne, die aus euren Lenden (hervorgegangen) sind, und (verboten ist es euch,) daß ihr zwei Schwestern zusammen (zur Frau) nehmt, außer dem, was bereits geschehen ist. Gewiss, Allah ist Allvergebend und Barmherzig." [Sure 4, an-Nişā`, Vers 22f]

Der erhabene Allah hat hier nicht gesagt: "Und die Schwestern eurer Ehegattinnen." Deswegen ist das, was verboten ist, die Tatsache, dass ein Mann nicht mit zwei Schwestern zur selben Zeit verheiratet sein darf.

Auf Grund dessen, sagen wir dieser Schwester, die mit dem Mann ihrer Schwester redet und ihren Ĥidjāb vor ihm ablegt und dabei gleichzeitig behauptet, er sei ihr zeitlich begrenzter Maĥram, dass dies eine falsche Vorstellung ist und so nicht der Wahrheit entspricht. Das, was im Bezug auf den Schwager verboten wurde ist die Tatsache, dass er nicht mit zwei Schwestern zur selben Zeit verheiratet sein darf, so wie es der erhabene Allah gesagt hat: "[…] Und (verboten ist es euch,) dass ihr zwei Schwestern zusammen (zur Frau) nehmt […]." Das ist das, was dem Mann verboten wurde und nicht die Schwägerin an sich, so wie es die Fragende fälschlicherweise verstanden hat.“ [Fatāwah Ibn ’Uthaimīn, 2/877]

Und Allah weiß es am besten!

Ab wann gilt das allein sein mit einem Nicht-Maĥram des anderen Geschlechts als verboten?

 


Frage:

Ist Chulwah (das allein sein mit einem Nicht-Maĥram des anderen Geschlechts) nur darauf bezogen, wenn ein Mann sich mit einer Nicht-Maĥram Frau in eine Wohnung zurückzieht, wo niemand sie beobachten kann? Oder ist damit jegliches Treffen gemeint, auch wenn dies in der Öffentlichkeit geschehen sollte?

 

Antwort:

Alles Lob gebührt Allah.

Die Chulwah, die aus der Sicht der islamischen Rechtslehre verboten (Ĥarām) ist, ist nicht nur dann gegeben, wenn ein Mann sich mit einer Nicht-Maĥram Frau in einen Raum zurückzieht, wo niemand sie sehen kann. Mit Chulwah ist jeder Ort gemeint, wo sie vertraulich miteinander reden können, auch wenn dies in der Öffentlichkeit sein sollte. Der Grund dafür ist, dass niemand ihr Gespräch mithören kann. Somit gilt dieses Verbot sowohl im Freien, im Auto, auf dem Dach eines Hauses als auch anderswo. Chulwah ist verboten, da dies der Vorläufer von Zinā (Ehebruch, Unzucht) ist und ein Mittel, der zur Zinā führt. Jedes Treffen mit einem Nicht-Maĥram des anderen Geschlechts, bei dem vertraulich miteinander geredet wird, fällt unter diesem Urteil der Chulwah. Und Allah ist die Quelle der Kraft.

[Fatāwah al-Ladjnah ad-Dā`imah, 17/57]

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