Die Menstruierende holt das Gebet nicht nach, das Fasten aber schon

Von Mu‘ādhah wird berichtet, dass sie sagte: „Ich fragte ‘Ā`ischah, Allahs Wohlgefallen auf ihr: „Wie verhält es sich mit der Menstruierenden, die das Fasten nachholt und das Gebet nicht nachholt?“ Sie fragte zurück: „Bist du etwa eine Harūriyyah?“ Ich antwortete: „Ich bin keine Harūriyyah, ich frage nur.“ Darauf entgegnete sie: „Diese Periode traf uns, und uns wurde die Anweisung zum Nachholen des Fastens, nicht aber die Anweisung zum Nachholen des Gebetes erteilt.““

 

Sprachliche Analyse des Ĥadīths:

„Bist du etwa eine Harūriyyah?“ Dieser Begriff ist zurückzuführen auf ein Ort Namens Ĥarūrā`, das in der Nähe von der Stadt al-Kūfah liegt. Aus ihr sind die ersten Khawāridj hervorgekommen, die gegen ‘Alī Ibn Abī Tālib waren. Deshalb sind die Khawāridj auch unter diesem Namen bekannt.

 

Zusammenhängende Bedeutung:

Mu’ādhah fragte ‘Ā`ischah nach dem Grund, warum der Gesetzgeber bestimmt hat, dass eine Menstruierende die Tage nachholen muss, die sie während ihrer Menstruationszeit nicht gefastet hat, das Gebet aber nicht, obwohl beide Arten der Anbetung verpflichtend sind und das Gebet sogar bedeutender ist, als das Fasten.

Das nicht Vorhandensein einer Unterscheidung dieser beiden Arten der Anbetung beim Urteilen, war die Methodik der Khawāridj gewesen, das sich auf Strenge und Bedrängnis beruhte.

‘Ā`ischah, Allahs Wohlgefallen auf ihr, sagte zu ihr: „Bist du etwas eine Harūriyyah, die an das glaubt, woran diese Leute glauben und deshalb Strenge zeigt, so wie sie es tun?[1]

Sie sagte: „Ich bin keine Harūriyyah, ich frage nur, um zu wissen, wie ich zu verfahren habe.“ Darauf entgegnete ihr ‘Ā`ischah: „Diese Periode traf uns zur Zeit des Propheten, möge Allah ihn loben und Heil schenken, und wir unterließen das Fasten und das Gebet in dieser Zeit. Und der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, hat uns die Anweisung zum Nachholen des Fastens erteilt, nicht aber die Anweisung zum Nachholen des Gebetes. Wäre das Nachholen des Gebets verpflichtend gewesen, dann hätte er uns diesbezüglich angewiesen und hätte nicht geschwiegen.“

Als wolle sie damit sagen: Es genügt an Weisheit und Vernunft, wenn man sich an die Befehle des Gesetzgebers hält und an diese Grenzen halt macht.

 

Der Nutzen aus diesem Ĥadīth:

  1. Die Menstruierende holt das Fasten nach, nicht aber das Gebet. Denn das Gebet wiederholt sich täglich fünf Mal. Somit ist diese Anbetung fortlaufend, was es schwer machen würde, all die verpassten Gebete nachzuholen.
  2. Wenn der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, für seine Ummah eine Sache festlegt, dann wird diese zur Şunnah.
  3. Das Zurechtweisen desjenigen, der nur aus Sturheit und Diskussionslust Fragen stellt.
  4. Der Lehrer muss die Angelegenheiten verdeutlichen, über die er gefragt wurde, um zu lehren und zurechtzuweisen.
  5. Die Tatsache, dass eine Menstruierende das Gebet nicht nachholen muss, da es sonst zu anstrengend für sie wäre, ist ein Beweis, der den folgenden allgemeinen islamischen Grundsatz bekräftigt: „Die Erschwernis bringt Erleichterung mit sich.“

 

 



[1]
Die Khawāridj waren für ihre Strenge und ihren Extremismus in der Religion berüchtigt gewesen. Zu ihrer Strenge gehörte zum Beispiel auch, dass sie der Frau auferlegten die Gebete nachzuholen, die sie während ihrer Menstruation verpasst hatte.

Das Urteil über das Intimwerden mit einer menstruierenden Frau (2/2)

Zweiter Ĥadīth:

Von ’Ā`ischah, Allahs Wohlgefallen auf ihr, wird berichtet: „Der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, stützte sich manchmal in meinen Schoß und rezitierte den Qur`ān, während ich meine Menstruation hatte.“

 

Zusammenhängende Bedeutung:

’Ā`ischah hat erwähnt, dass der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, den Qur`ān rezitiert hat, während er in ihrem Schoß war und sie ihre Monatsregel hatte. Das ist ein Beweis dafür, dass der Körper einer Menstruierenden rituell rein ist. Er wird nicht durch die Menstruation rituell unrein.

 

Der Nutzen aus diesem Ĥadīth:

  1. Es ist erlaubt, den Qur`ān im Schoß einer Menstruierenden zu rezitieren, da ihr Körper und ihre Kleidung rituell rein sind.
  2. Es ist für eine Menstruierenden verboten, den Qur`ān zu rezitieren. Das wurde aus der anfänglichen Vermutung entnommen, dass das Rezitieren im Schoß einer Menstruierenden nicht gestattet sei. Dies sagte Ibn Daqīq al-‘Īd.

Das Urteil über die Mustaĥādah

Von ‘Ā`ischah, Allahs Wohlgefallen auf ihr, wird berichtet, dass Umm Ĥabībah sieben Jahre Iştiĥādah-Blutung hatte. Sie fragte deshalb den Gesandten Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, diesbezüglich. Es befahl ihr, die Ganzkörperwaschung (Ĝuşl) zu vollziehen. Somit hat sie die Ganzkörperwaschung vor jedem Gebet vollzogen.

 

Zusammenhängende Bedeutung:

Umm Ĥabībah Bint Djaĥsch hatte sieben Jahre lang Iştiĥādah-Blutung gehabt. Deshalb fragte sie den Propheten, möge Allah ihn loben und Heil schenken, wie sie wieder rituell rein werden kann. Er befahl ihr, den Ĝuşl vorzunehmen, worauf sie dies dann auch vor jedem Gebet tat.

 

Meinungsverschiedenheit der Gelehrten:

Die Gelehrten sind verschiedener Meinung darüber, ob eine Mustaĥādah vor jedem gebet den Ĝuşl vollziehen muss oder nicht.

Einige Gelehrte sind dahingegangen, dass es verpflichtend ist. Dabei nahmen sie Aĥādīthe als Beweis dafür, die in einigen „Şunnan“ verzeichnet sind.

Der Großteil der Şalaf, wie ‘Alī, Ibn ‘Abbāş, ‘Ā`ischah, und der Khalaf, wie die Imame Abū Ĥanīfah, Mālik, Aĥmad, sind jedoch dahingegangen, dass es nicht verpflichtend ist. Dabei belegen sie dies mit dem Grundsatz der ursprünglichen Unschuld, d.h. dass es grundsätzlich nicht verpflichtend ist. Sie antworteten auf die Aĥādīthe, die den Ĝuşl als verpflichtend sehen, dass in diesen Aĥādīthe nicht wirklich eine Aufforderung zum Ĝuşl steht.

Der Ĝuşl vor jedem Gebet, den Ĥabībah vollzogen hat, kam von ihr selbst und nicht durch den Befehl des Propheten, möge Allah ihn loben und Heil schenken. Er hat ihr lediglich befohlen, den Ĝuşl zu vollziehen, jedoch nicht zu jedem Gebet, so wie es in den zahlreichen erwiesenen Überlieferungen steht. Ibn Daqīq al-‘Ayd hat erwähnt, dass in keinem der beiden Şaĥīĥ-Werken steht, dass er ihr befohlen hat, den Ĝuşl zu jedem Gebet zu vollziehen.

 

Der Nutzen aus diesem Ĥadīth:

  • Die Pflicht den Ĝuşl zu vollziehen, wenn die Menstruationszeit vorüber ist.

Das Urteil über das Intimwerden mit einer menstruierenden Frau (1/2)

Erster Ĥadīth:

Von ‘Ā`ischah, Allahs Wohlgefallen auf ihr, wird berichtet, dass sie sagte: „Ich nahm den Ĝuşl mit den Propheten, möge Allah ihn loben und Heil schenken, gemeinsam aus einem Behälter vor. Wir beide waren Djunubb gewesen. Auch befahl er mir, ein Izār (Umhang) (um meine Taille) umzuhängen und wurde dann mit mir intim, während ich meine Menstruation hatte. Weiterhin pflegte er während seines I’tikāf seinen Kopf zu mir herauszustrecken, sodass ich seinen Kopf wusch, während ich meine Menstruation hatte.“

 

Zusammenhängende Bedeutung:

Erstens:          Der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, vollzog den Ĝuşl für die Djanābah mit seiner Ehefrau aus einem einzigen Wasserbehälter. Denn Wasser ist rein. Diese Reinheit wird auch nicht dadurch beeinträchtigt, wenn jemand, der im Djanābah-Zustand ist, hineingreift, wenn er seine Hände gewaschen hat, bevor er seine Hände in das Gefäß eingetaucht hat.

Zweitens:       Der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, wollte seiner Ummah zeigen, dass es islamisch legitim ist, mit einer Menstruierenden intim zu werden, nach dem die Juden ja bekanntlich eine Menstruierenden weder gemeinsam aßen noch mit ihr intim wurden.

Der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, befahl ‘Ā`ischah einen Umhang um ihre Taille zu hängen, sodass er mit ihr intim werden konnte, ohne jedoch mit ihr Geschlechtsverkehr zu haben, während sie ihre Menstruation hatte.

Drittens:         Die Menstruierende darf keine Moschee betreten, um es nicht zu beschmutzen.

Deshalb pflegte der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, seinen Kopf in ihre Wohnung hinauszustrecken, während er sich noch in der Moschee befand, sodass sie ihn waschen konnte. Das wiederum beweist, dass der Körperkontakt mit einer Menstruierenden legitim ist. Es herrschte danach Erleichterung, nachdem die Juden mit ihren Einschränkungen ein Klima der Bedrängnis geschafft hatten.

 

Der Nutzen aus diesem Ĥadīth:

  1. Die Erlaubnis für das Ehepaar, dass sich beide im Djanābah-Zustand befindet, aus demselben Wasserbehälter den Ĝuşl zu vollziehen.
  2. Die Erlaubnis, mit der Menstruierenden, intim zu werden, ohne jedoch dabei Geschlechtsverkehr zu haben. Ihr Körper ist rein. Er wird nicht unrein, nur weil sie ihre Menstruation hat.
  3. Es ist wünschenswert für sie, einen Umhang um ihre Taille zu tragen, wenn sie intim werden.
  4. Vorkehrungen treffen, die einen davon abhalten, etwas Verbotenes zu begehen.
  5. Das Verbot der Menstruierenden, eine Moschee zu betreten.
  6. Es ist ihr gestattet, sowohl feuchte als auch trockene Dinge anzufassen. Dazu gehört auch das Haar, das sie waschen und kämmen darf.
  7. Wenn der Mu’takif sein Kopf aus der Moschee rausstreckt, bedeutet dies nicht, dass er die Moschee verlassen hat. Das kann man auch auf die anderen Körperteile anwenden, solange nicht der gesamte Körper die Moschee verlassen hat.

"O Gesandter Allahs, ich bin eine Frau, die ihre Menstruation ununterbrochen erlebt."

Von ‘Ā`ischah, Allahs Wohlgefallen auf ihr, wird berichtet, dass Fātimah Bint Abī Ĥubaisch den Gesandten Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, fragte: „O Gesandter Allahs, ich bin eine Frau, die ihre Menstruation ununterbrochen erlebt, dass ich zu dem rituellen Zustand der Reinheit nicht gelangen kann! Soll ich nun das Gebet sein lassen?“ Er sagte: „Nein! Denn es handelt sich dabei um eine Blutader. Lass das Gebet deshalb solange sein, wie deine Monatsregel gewöhnlich andauert. Danach wasche dich und bete.“

In einem anderen Wortlaut heißt es: „Er sagte: „Nein! Denn es handelt sich dabei um eine Blutader, nicht um eine Monatsregel (so verfahre wie folgt): Wenn du deine Regel hast, so lasse das Gebet sein. Und wenn ihr gewöhnlicher Zeitablauf vorbei ist, so wasche das Blut von dir ab und bete.“

 

Sprachliche Analyse des Ĥadīths:

  • Blutader: Hiermit ist eine Blutader gemeint, die geplatzt ist, so wie es in einem anderen Wortlaut steht. Diese Blutader ist eine Vene, die sich am unteren Ende der Gebärmutter befindet. Das Blut bei der Menstruation, tritt jedoch aus dem Inneren der Gebärmutter aus.

 

Zusammenhängende Bedeutung:

Fātimah Bint Abī Ĥubaisch hat dem Propheten, möge Allah ihn loben und Heil schenken, berichtet, dass sie die Menstruation ununterbrochen erlebt. Es gibt bei ihr keine Unterbrechung. Sie fragte ihn, ob sie nun das Gebet sein lassen soll?

Der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, sagte zu ihr: Lass das Gebet nicht sein. Denn das Blut, wegen dem das Gebet seingelassen wird, ist das Blut der Menstruation.  Das Blut, das bei dir austritt, ist nicht das Blut der Menstruation, sondern Blut, das aus einer Ader kommt, die geplatzt ist. Wenn dieses Blut nun ununterbrochen fließt, sei es an Tagen deiner gewöhnlichen Menstruation oder auch außerhalb, so lass das Gebet nur an den Tagen sein, wo du gewöhnlich deine Menstruation hast. Wenn diese Tage vorüber sind, vollziehe den Ĝuşl, wasche das Blut von dir ab und bete, auch wenn weiterhin Iştiĥādah-Blut[1] fließt.

 

Der Nutzen aus diesem Ĥadīth:

  1. Es gibt einen Unterschied zwischen dem Blut bei Iştiĥādah und dem Blut bei Ĥaid. Das Blut bei Iştiĥādah kann unregelmäßig auftreten, das Blut bei Ĥaid, tritt jedoch nur zu bestimmten Zeiten auf.
  2. Das Blut bei Iştiĥādah ist kein Grund, um das Gebet oder irgendeine andere Anbetung seinzulassen.
  3. Das Blut bei Ĥaid ist ein Grund, das Gebet seinzulassen, ohne das dabei das Gebet zu einem anderen Zeitpunkt nachgeholt werden muss. Ibn Daqīq al-‘Ayd hat erwähnt, dass hierüber Konsens zwischen den Şalaf und Khalaf herrscht, mit Ausnahme der Khawāridj.
  4. Die Frau, die unter Iştiĥādah leidet, wartet die Tagesanzahl ihrer üblichen Menstruationsdauer ab und vollzieht danach die Ganzkörperwaschung (Ĝuşl), um an den anderen Tagen, an denen sie ihre rituelle Reinheit erlangt hat, wieder mit den Anbetungen fortzufahren, die sie durch den Ĥaid unterbrechen musste.
  5. Blut ist unrein und muss ausgewaschen werden.
  6. Die Frau, die unter Iştiĥādah leidet, braucht nicht vor jedem Eintreffen des Gebets, den Ĝuşl zu vollziehen.
  7. Ibn Daqīq al-‘Ayd hat erwähnt, dass der Wortlaut seiner Aussage, „so wasche das Blut von dir ab und bete“, zu einigen Verwirrungen führen kann, da hier der Ĝuşl nicht explizit erwähnt wurde. Doch ist der Ĝuşl notwendig, wenn die Dauer der Menstruation vorüber ist. Die richtige Antwort hierauf lautet, dass auch wenn in diesem Wortlaut der Ĝuşl nicht explizit erwähnt wurde, so ist er hier mit inbegriffen, da er in den anderen authentischen Überlieferungen explizit erwähnt wurde, indem es heißt: „und vollziehe den Ĝuşl“.

 

 



[1]
Anm. des Übers.: Iştiĥādah: Vaginalblutung, welche weder Menstruation noch Wochenfluss (Nifāş) sind; es handelt sich hierbei um Zwischen-, Dauer-, oder Schmierblutung). In diesem Fall wartet sie die Tagesanzahl ihrer üblichen Menstruationsdauer ab, vollzieht daraufhin die Ganzkörperwaschung (Ĝuşl) und verrichtet ihre Gebete. Ĥaid: Menstruation; in Abständen von etwa 28 Tagen bei der gesunden und geschlechtsreifen Frau auftretende Gebärmutterblutung; Monatsblutung, Periode, Regel, Regelblutung.

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