Wer wird Millionär?

Vorschriften und Empfehlungen für die Fastenden

Knechte Allahs! Nutzt den Monat Ramadan durch reichliche gottesdienstliche Handlungen, indem ihr eure Gebete rechtzeitig verrichtet, den Qur’ān rezitiert, Allahs gedenkt, Wohltaten in Form von Spenden und Taten verrichtet und die Familienbande wahrt.

In Ramadan werden sowohl die Wohltaten als auch die Gaben von Allah vervielfacht.

Wer seinen Pflichten in diesem segensreichen Monat nachkommt wird sozusagen zu einem „millionenschweren“ Wohltäter.

Knechte Allahs! Hütet euch vor all jenen Dingen, die den Lohn für euer Fasten vermindern, und vor allem vor jenen Dingen, die euer Fasten ungültig machen. Wer verbotene Handlungen in Form von Worten oder Taten nicht unterlässt, hat den wahren Sinn des Fastens nicht verstanden. Wer die Vorschriften des Fastens nicht einhält, so ist er einer jener, denen das Fasten nichts weiter als Hunger und Durst beschert.

Haltet euch fern von Verwerflichem wie Lügen, Unaufrichtigkeit, Betrug und übler Nachrede (Lästern). Des Weiteren solltet ihr jegliche Form von Gesang und Musik und verbotene Freizeitbeschäftigungen meiden, denn diese Dinge vermindern den Wert des Fastens beträchtlich. Denn die Weisheit des Fastens liegt vor allen Dingen in der Gottesfurcht, wie Allah der Erhabene sagt: "Oh ihr die ihr glaubt, euch ist das Fasten vorgeschrieben so wie es jenen vorgeschrieben war, die vor euch waren; auf dass ihr gottesfürchtig sein möget!"

Der Prophetengefährte Djābir, Allahs Wohlgefallen auf ihm, sagte: „Wenn du fastest so sollen mit dir deine Ohren, deine Augen und deine Zunge fasten, indem diese sich des Lügens und der verbotenen Dinge enthalten. Sei deinem Nachbar gegenüber wohltätig und wahre deine innere Ruhe. Gestalte die Tage des Fastens nicht so wie jene, in denen du nicht fastest.“

Knechte Allahs! Wisset, dass es Verhaltensweisen gibt, ohne welche euer Fasten nicht vollkommen ist, wie Beispielweise:

Das Şuĥūr (die Mahlzeit vor der Morgendämmerung am Fastentag):

Der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, hat das Einhalten des Şuĥūr angeordnet, indem er sagte: „Haltet das Şuĥūr ein, denn im Şuĥūr liegt wahrlich ein Segen!“[1]

Und der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, sagte auch: „Der Unterschied zwischen unserer Art des Fastens und jener der Leute der Schrift (Juden und Christen) ist der Şuĥūr.“[2]

In einem weiteren Ĥadīth sagte er, möge Allah ihn loben und Heil schenken: „Das Şuĥūr ist voller Segen, so lasst es nicht aus, selbst wenn das Şuĥūr nur aus einem Schluck Wasser besteht, denn wahrlich Allah und Seine Engel segnen jene, die das Şuĥūr einhalten.“

Und der Muslim sollte das Şuĥūr mit der Absicht, dem Beispiel des Propheten, möge Allah ihn loben und Heil schenken, zu folgen, verrichten. Dabei sollte ihm das Şuĥūr als eine Bestärkung für das Fasten dienen, denn er wird hierfür belohnt.

Und die Şunnah ist es, das Şuĥūr so kurz wie möglich vor der Morgendämmerung zu verrichten; denn dies ist auch eine Erleichterung für den Fastenden, da er seinen Schlaf nicht erneut für das Morgengebet unterbrechen muss, sondern dies direkt nach dem Şuĥūr verrichten kann.

Das sofortige Futūr (Fastenbrechen), sobald der Sonnenuntergang begonnen hat. Der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, hat hierzu gesagt: „So lange wie die Menschen das Futūr durchführen, erhalten sie Gutes.“[3]

Und die Şunnah ist es, dass der Fastende sein Fasten vor dem Maĝreb-Gebet mit einer ungeraden Zahl von frischen Datteln bricht, wenn diese nicht vorhanden sind, dann mit einer ungeraden Zahl von trockenen Datteln, und wenn auch diese nicht vorhanden sind, dann mit Wasser. Und wenn auch kein Wasser zur Hand ist, dann soll er sein Fasten mit dem brechen, was ihm gerade zur Verfügung steht.

Und die Şunnah ist es auch das Du’ā` des Propheten, möge Allah ihn loben und Heil schenken: „Der Durst ist gegangen, die Adern sind feucht geworden und die Belohnung ist inschaAllah sicher!“ vor dem Fastenbrechen zu sagen. Des Weiteren soll der Fastende um das bei Allah bitten, was er möchte, denn der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, sagte: „Wahrlich, dem Fastenden steht ein Bittgebet zu, welches nicht abgelehnt wird.“[4]

Verbot des Übertreibens was das Essen und Trinken angeht:

Das Übertreiben in diesen Dingen ist ein Verstoß gegen die Grundsätze des Fastens, schädlich für die Gesundheit und eine finanzielle Verschwendung.

Allah hat das Fasten in diesem Monat als eine gottesdienstliche Handlung vorgeschrieben, die Gottesfurcht beweisen soll. Man sollte deshalb nicht übertreiben, indem man Unnötiges und zu viel kauft, kocht und isst.

Die regelmäßige Teilnahme am Tarāwīĥ-Gebet:

Der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, sagte: „Wer den Ramadan standhaft, gläubig und seine Belohnung von Allah erhoffend durchhält, dem werden all seine zuvor begangenen Sünden vergeben.“

Was Freizeitbeschäftigungen wie Fernsehen, Kartenspielen und leeres Gerede angeht, so stellen diese auch Verstöße gegen die Grundsätze des Fastens dar.

O Allah, akzeptiere unser Fasten, unser Ausharren im Gebet und verzeih uns unsere Sünden.

 

 



[1]
verzeichnet bei Buchārī und Muşlim

[2] verzeichnet bei Muşlim

[3] verzeichnet bei Buchārī und Muşlim

[4] verzeichnet bei Ibn Mādjah

Kurzer Hinweis zu Fasten und Zakatu l-Fitr

Dieser Text handelt in Kürze vom Fasten, seinen Regeln und seinem Nutzen.

FASTEN (arab. „Şaum“) ist eine Art des Gottesdienstes durch Enthaltsamkeit von all dem, was es bricht, vom Beginn der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang.

FASTEN DES MONATS RAMADAN ist eine der fünf Säulen des Islam, wie durch das Wort des Propheten Muĥammad, möge Allah ihn loben und Heil schenken, mitgeteilt: „Der Islam ruht auf fünferlei: Dem Zeugnis, dass es keinen anbetungswürdigen Gott gibt , außer Allah und dass Muĥammad Sein Gesandter ist , dem Verrichten des Gebets, dem Entrichten der Zakāt, dem Fasten des Monats Ramadan und dem Verrichten der Wallfahrt nach Mekka.“

WER FASTET

Fasten im Ramadan ist Pflicht für jeden erwachsenen Muslim, der zurechnungsfähig ist, es ertragen kann und sich nicht auf einer Reise befindet.

Nichtmuslime fasten nicht auf diese Weise und müssen das Fasten auch nicht nachholen, wenn sie den Islam annehmen.

Kinder brauchen nicht zu fasten, sollen aber dazu ermutigt werden, damit sie sich schrittweise daran gewöhnen.

Unzurechnungsfähige brauchen nicht zu fasten und auch keine Ersatzleistung (Speisen von Armen) leisten, selbst wenn sie volljährig sind. Dasselbe gilt für jemanden, der sich, wie z.B. ein hochbetagter Mensch, nicht vernünftig verhält.

Wer nicht fasten kann, wie z.B. besonders alte Menschen oder Kranke, die nicht mit Wiedererlangung der Gesundheit rechnen, speist für jeden versäumten Fastentag einen bedürftigen Menschen.

Wer plötzlich erkrankt und mit Genesung rechnet, darf das Fasten, wenn es ihm zu schwer fällt, aufschieben und holt es nach Wiedererlangung der Gesundheit nach.

Schwangere und stillende Frauen brauchen nicht zu fasten, wenn es ihnen zu schwer fällt oder sie sich um das Kind sorgen. Sie holen die versäumten Fastentage später nach, wenn kein Anlass mehr für ihre Befürchtungen besteht.

Frauen während der Regelblutung oder Blutung nach der Entbindung (Nifāş) fasten während dieser Tage nicht. Sie holen das versäumte Fasten später nach.

Wer sein Fasten brechen muss, um jemandem das Leben zu retten (wie z.B. bei einem Feuer oder der Gefahr des Ertrinkens), tut dies und holt das Fasten später nach.

Reisende können wählen, ob sie während der Reise fasten oder es später nachholen, wenn sie ihr Ziel erreicht haben. Dies gilt für alle Reisenden, gleich ob sie aus besonderem bzw. unvorhergesehenem Grund reisen oder wie Kraftfahrer beruflich unterwegs sind.

WAS DAS FASTEN BRICHT

  • Essen oder Trinken, gleich ob Nützliches oder Schädliches, wie z.B. Rauchen.
  • Injektionen oder Aufbaumittel, die als Nahrungsersatz verwendet werden, weil sie als Essen und Trinken dienen. Andere Injektionen, die keinen Nährwert haben, brechen das Fasten nicht, gleich ob sie intramuskulär oder intravenös verabreicht werden und gleich, ob sie eine Geschmacksempfindung hervorrufen oder nicht.
  • Absichtliches Erbrechen, Unbeabsichtigtes Erbrechen beeinträchtigen das Fasten nicht.
  • Geschlechtsverkehr. Wer hierdurch mutwillig während der Stunden des Tageslichtes das Fasten bricht, muss sowohl das Fasten nachholen als auch eine schwere Busse leisten, die in der Freisetzung eines Unfreien besteht oder, wenn das nicht geht, 60 Tage hintereinander fasten oder, wenn das nicht geht, 60 bedürftige Menschen speisen.
  • Beabsichtigter Samenaustritt durch Masturbation oder geschlechtliches Nahekommen.
  • Blutung bei Menstruation oder nach der Entbindung
  • Blutabnahmen wie z.B. durch Schröpfen o.ä., während unwillkürliches Bluten wie z.B. bei Nasenbluten oder dem Ziehen eines Zahnes das Fasten nicht beeinträchtigt, weil es nicht als Blutabnahme gilt.

WAS NICHT DAS FASTEN BRICHT

  • Fasten wird nicht durch versehentliches, unwissentliches oder erzwungenes Essen oder Trinken gebrochen, nach den Worten Allahs des Allmächtigen: "Unser Herr, belange uns nicht, wenn wir vergessen haben oder überschritten haben […]."[1] "[…] außer wer gezwungen wurde, während sein Herz Ruhe im Glauben gefunden hat […]"[2] "[…] und auf euch ist kein Vergehen in dem, was ihr davon versehentlich überschritten habt, sondern in dem, was eure Herzen absichtlich tun […]."[3]
  • Deshalb wird das Fasten eines Menschen nicht beeinträchtigt, der etwas isst oder trinkt, weil er vergessen hat, dass er fastet.
  • Ebenso wird das Fasten nicht beeinträchtigt, wenn jemand in der Annahme isst oder trinkt, dass die Sonne schon untergegangen oder die Morgendämmerung noch nicht angebrochen ist, weil er unwissentlich handelt. Auch wenn jemand gurgelt und Wasser gelangt unbeabsichtigt durch seine Kehle, beeinträchtigt das nicht sein Fasten, weil er es nicht beabsichtigte.
  • Samenaustritt im Schlaf beeinträchtigt ebenfalls das Fasten nicht, weil man darüber keine Gewalt hat.

WEITERE FRAGEN ZUM FASTEN

Man kann die Absicht zu, wenn man Fasten auch dann fassen, wenn man sich im Zustand der großen Verunreinigung befindet und demnach weiter fasten, wenn man das Reinigungsbad erst nach Beginn der Morgendämmerung oder Tagesanbruch nimmt.

Eine Frau, deren Menstruations- oder Entbindungsblutung vor Beginn der Morgendämmerung endet, muss fasten, auch wenn sie ihr Reinigungsbad erst nach Beginn der Morgendämmerung nimmt.

Wer fastet, darf Salben, Haarwasser usw. auf Kopf und Körper auftragen und Parfüm verwenden, sollte aber das Inhalieren von Räucherwerken (z.B. Weihrauch, Räucherstäbchen usw.) vermeiden. Man darf auch Zähne ziehen oder äußere Verletzungen mit Medikamenten behandeln. Augen- oder Ohrentropfen oder Augenpulver anwenden, selbst wenn das eine Geschmacksempfindung hervorrufen sollte.

Die Zähne zu putzen (mit Şiwāk, einer Zahnbürste aus Zweigen o.ä.) ist zu jeder Zeit des Fastens nicht nur erlaubt, sondern wünschenswert.

Wer fastet, kann sich mittels Wasser oder Klima-Anlage abkühlen (bzw. erwärmen).

Es ist erlaubt, ein Medikament in dem Mund zu sprühen, um Beschwerden wie z.B. bei Asthma zu verhindern.

Es ist erlaubt ausgetrocknete Lippen anzufeuchten bzw. den Mund ohne zu gurgeln auszuspülen.

Nach dem Brauch des Propheten, möge Allah ihn loben und Heil schenken, ist es wünschenswert, den Morgenimbiss (Şuĥūr) dem Fastenbeginn möglichst spät und das Fastenbrechen am Abend möglichst früh zu sich zu nehmen. Man bricht das Fasten bevorzugter weise mit einer Dattel, möglichst einer frischen, oder ansonsten mit Wasser, oder wenn das nicht geht, mit jedem statthaften (ĥalāl) Nahrungsmittel oder Getränk. Wenn aber zum Zeitpunkt des Fastenbrechens überhaupt nichts Derartiges erreichbar ist, fasst man zunächst die Absicht zum Fastenbrechen und bricht das Fasten dann effektiv sobald man über etwas (zu essen bzw. trinken) dazu verfügt.

Wer fastet, der sollte sich umso mehr bemühen Allah gehorsam zu sein und den Ungehorsam Ihm gegenüber ganz besonders vermeiden.

Wer fastet, soll seine Pflichten erfüllen und sich vom Verbotenen fernhalten. Er verrichtet seine täglichen Gebete rechtzeitig und insofern es verpflichtend ist, in Gemeinschaft und er enthält sich aller schlechten Handlungen wie Lügen, üble Nachrede, Betrug, Zinsgeschäfte oder sonstiges Verbotenes gleich ob mit Worten oder Taten. Der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, sagte: „Wer üble Rede und böse Taten nicht lässt, von dem braucht Allah auch nicht sein Ablassen von Nahrung und Getränk.“

ZAKATU-L-FITR

Diese Abgabe für Bedürftige zu Ende des Fastenmonats

  • besteht aus einem „Şā’“(ca. 2,5kg) Reis, Weizen, Datteln oder entsprechenden Nahrungsmitteln.
  • Es ist nicht angebracht, die Zakatu l-Fitr in Form von Geld, Kleidung oder anderweitig außer als Nahrungsmittel zu geben.
  • Zakatu l-Fitr wird am Tag des Festes (’Īd) und kann ein oder zwei Tage vor dem Fest gegeben werden.
  • Es ist nicht statthaft, die Zakatu l-Fitr später als zur Zeit des Festgebets zu geben, ausgenommen bei triftigem Grund.
  • Zakatu l-Fitr wird im Namen von Erwachsenen und Minderjährigen männlichen und weiblichen Personen entrichtet.

 



[1]
2:286

[2] 6:106

[3] 33:5

Die Weisheit, die das Fasten mit sich bringt

Zur Weisheit des Fastens gehört: Es ist eine gottesdienstliche Handlung für Allah (’Ibādah), in welcher der ´Abd (Diener) sich seinem Herrn nähert, indem er sich von Dingen entsagt, die er liebt und begehrt, wie z.B. Essen, Trinken und Geschlechtsverkehr. Aufgrund dieser Taten wird die Wahrhaftigkeit seines Glaubens und die Vollständigkeit seiner Dienerschaft gegenüber dem erhabenen Allah ersichtlich, aber auch seine Liebe zu Allah und seine Sehnsucht nach dem, was Allah für ihn (an Gutem) vorbereitet hat. Dies aus dem Grund, weil der Fastende nicht von Dingen ablässt, die er liebt, außer für etwas, was für ihn eine größere Bedeutung hat (nämlich Allah). Wenn der Gläubige weiß, dass das Erlangen von Allahs Wohlgefallen im Fasten liegt – also das Ablassen von Wünschen, die er normalerweise liebt – so wird er der Zufriedenheit Allahs über seine Triebe den Vorrang gewähren. Daher verzichtet er auf seine Leidenschaften, egal wie sehr er auch danach verlangt und sehnt, weil die Freude und Ruhe seiner Seele in seinem Verzicht von allem für das Wohlgefallen Allahs, Dem Erhabenen, liegt.

Deswegen würden viele Gläubige – wenn einer von ihren geschlagen oder gezwungen werden würde, damit sie ihr Fasten während eines Tages im Monat Ramadan ohne eine gültige Entschuldigung zu brechen – nicht ihr Fasten brechen. Deshalb ist dieser Punkt einer der größten und tiefsten bezüglich der Weisheit, die das Fasten mit sich bringt.

Ebenso von der Weisheit hinterm Fasten ist es, dass es ein Mittel zur Erlangung von Taqwā (Gottesfurcht) ist, so wie der erhabene Allah (ungefähre Bedeutung) sagt: "Oh ihr, die ihr glaubt! Das Fasten ist euch vorgeschrieben, so wie es denen vorgeschrieben war, die vor euch waren. Vielleicht werdet ihr (Allah) fürchten."[1]

Dies aus dem Grund, weil jemand, der fastet, dazu aufgefordert ist, die obligatorischen Pflichten zu erfüllen und sündhafte Handlungen zu vermeiden. Der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, sagt (ungefähre Bedeutung): „Wer das falsche Wort und dessen tatkräftige Durchsetzung nicht unterlässt, von dem verlangt Allah nicht, dass er auf sein Essen und Trinken verzichtet.“[2]

Wenn also eine Person fastet, wird er sich jedes Mal daran erinnern, dass er fastet und sich davor zurückhalten, falls er es begehrt, eine sündhafte Tat zu begehen. Dies ist der Grund, warum der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, denjenigen befohlen hat, wenn sie verflucht und beschimpft werden, zu sagen: „Ich faste“, somit den Schmäher davor warnend, dass eine fastende Person anbefohlen wurde, sich vor Verunglimpfungen zurückzuhalten und sich selber daran erinnernd, dass er fastet und nicht mit Beschimpfungen dagegenhalten darf.

Auch ist es von der Weisheit des Fastens, dass sich das Herz zum Nachsinnen und Allahs, erhaben ist Er, Gedenken öffnet. Dies aus dem Grund, weil das Verwirklichen jemandes Wünsche zu Unachtsamkeit führt, und vielleicht wird das Herz hart und blind für die Wahrheit. Deswegen ermahnt uns der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, wenig zu essen und zu trinken, als er sagte: „Der Sohn Adams füllt kein Gefäß, das schlimmer ist als sein Magen.“[3]

(Anm. des Übers.: Weitere Überlieferung zum Thema: „Und nichts kann den Bauch des Sohnes Adams füllen außer Sand; und Allah wendet Sich demjenigen mit Vergebung Gnädig zu, der sich reumütig von seinem Schlechtigkeiten fernhält.“[4])

Und in Şaĥīĥ Muşlim sagte Ĥandhalah al-’Uşaidi, Allahs Wohlgefallen auf ihm, einer der Schreiber des Propheten, in einer Überlieferung zum Gesandten Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken: „Ĥandhalah ist ein Heuchler geworden.“ Allahs Gesandter, möge Allah ihn loben und Heil schenken, sagte: „Wieso denn das?“ Ĥandhalah sagte: „O Gesandter Allahs, wenn wir mit dir zusammen sind, erinnerst du uns an das Höllenfeuer und an das Paradies, so als würden wir sie mit unseren eigenen Augen sehen. Aber wenn wir von dir weggehen, treffen wir unsere Frauen, unsere Kinder und unsere Wohnungen, dabei vergessen wir vieles, (was wir von dir gehört haben).“ Im letzten Abschnitt des Ĥadīths sagte der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, zu ihm: „O Ĥandhalah, es gibt eine Zeit für dies, und es gibt eine Zeit für das (dreimal).“ Abu Şulaimān ad-Darani sagte: „In der Tat, wenn die Seele hungert und durstet, wird das Herz mild und rein. Und wenn sie ernährt ist, so wird das Herz blind.“

Und von der Weisheit des Fastens ist es , dass eine Person, die Vermögen besitzt, dazu gebracht wird, den Segen des erhabenen Allahs auf ihm zu begreifen, so wie jenen Segen, den Allah ihm mit dem Essen, dem Trinken und dem Geschlechtsverkehr beschert hat. Viele Menschen haben diese Dinge bereits als selbstverständlich angesehen. Ebenso sollte er an seinen Bruder denken, der arm ist und wahrscheinlich verhungert durch den Tag geht. Daher sollte er freigebig zu ihm sein und ihm ein Almosen geben, so dass er sich angemessen kleiden und seinen Hunger stillen kann.

Und von der Weisheit des Fastens ist auch, dass es trainiert, die Seele zu zügeln, und es gibt einem Kraft, seine Seele mit den Zügeln zurückzuhalten, so, dass er sie beherrschen und zu dem führen kann, was gut für sie ist und zum Erfolg führt. Dies deswegen, weil die Seele ihm viele Gefahren beschert. Aber wenn er sie kontrolliert und zügelt, so ist er fähig, sie zu höchsten Stufen und den größten Zielen zu führen.

Ebenfalls von der Weisheit des Fastens ist es, dass die Seele davor bewahrt und begrenzt ist, Hochmut zu haben, dadurch, dass sie sich selber gegenüber der Wahrheit erniedrigt und für die Schöpfung enthärtet. Dies deswegen, weil Essen, Trinken und Geschlechtsverkehr – all diese Dinge bringen Anmaßung, Arroganz, Eitelkeit und Hochmut über Leute und über die Wahrheit mit sich. Die Seele beschäftigt sich mit dem Versuch, diese Dinge zu erlangen, aufgrund des Bedarfs dieser Dinge. Wenn sie diese Dinge erlangt, so fühlt sich die Seele derart, als ob sie erobert hätte, was sie begehrte, und somit fällt sie in Glückseligkeit und Überheblichkeit, die verdammt ist. Und dies ist eine Ursache für ihre Zerstörung. Nur jene, die der erhabene Allah beschützt, sind vor dieser bewahrt.

Und von der Weisheit ist es, dass der Durchfluss des Blutes (im Körper) sich durch Fasten reduziert. Dadurch reduziert sich auch der Durchfluss des Bösen im menschlichen Körper. Dies aus dem Grund, da das Böse durch den Sohn Adams fließt, wie das Fließen des Blutes, so wie es authentisch in den beiden Şaĥīĥ Sammlungen (Bukhārī und Muşlim) verzeichnet steht. Durch das Fasten wird somit das Einflüstern des Bösen gebändigt und die Stärke des Triebes und der Zorn sind unterjocht. Daher sagte der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken: „O ihr jungen Leute! Wer auch immer unter euch es sich leisten kann zu heiraten, sollte heiraten, denn die Ehe ist das beste Mittel, sein Blick zu senken und das beste Mittel, seine private Bereiche keusch zu halten. Aber wer auch immer nicht in der Lage ist zu heiraten, so soll er fasten, denn es hat einen Schutz inne.“

Und von der Weisheit hinterm Fasten sind die gesundheitlichen Vorteile, die als Ergebnis erlangt werden, indem man wenig Nahrung zu sich nimmt, so dass das Verdauungssystem für eine gewisse Zeit zu Ruhe kommt.

Wie groß und tief doch die Weisheit des erhabenen Allahs ist, und wie nützlich doch Seine Befehle für die Schöpfung sind!

O Allah, gib uns Verständnis für Deine Religion und erlaube uns, die inneren Geheimnisse Deiner Befehle zu verstehen! Berichtige für uns die Angelegenheiten unserer Religion und unseres weltlichen Lebens. Und vergib uns, unseren Eltern und allen Muslimen durch Deine Barmherzigkeit, O Barmherzigster! Möge Allah unseren Propheten Muĥammad loben und ihm Heil schenken, ihm, seiner Familie und allen seinen Gefährten.

 

 



[1]
2:183

[2] verzeichnet bei Bukhārī

[3] Aĥmad, an-Naşā`ī und Ibn Mādjah

[4] verzeichnet bei Bukhārī

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