Ĥadīth 49: „Würde ich nicht wissen, dass ich damit meine Ummah belasten würde, ich hätte ihnen anbefohlen, dieses Gebet zu dieser (späten) Stunde zu verrichten.“

Ĥadīth-Nr. 49

Von ‘Abdullah Ibn ‘Abbāş, Allahs Wohlgefallen auf ihnen, wird berichtet, dass er sagte: „Der Gesandte Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, blieb daheim (und kam nicht zum ‘Ischā`-Gebet), bis es al-‘Atamah wurde. ‘Ummar ging daraufhin zu ihm und sagte: „Das Gebet, o Gesandter Allahs! Die Frauen und die Kinder haben geschlafen.“ Der Gesandte Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, kam heraus, während noch Wasser von seinem Kopf tropfte und sagte: „Würde ich nicht wissen, dass ich damit meine Ummah – oder die Leuten – belasten würde, ich hätte ihnen anbefohlen, dieses Gebet zu dieser (späten) Stunde zu verrichten.““

 

Sprachliche Analyse des Ĥadīths:

  • Al-‘Atamah ist die Dunkelheit der Nacht. Damit ist gemeint, dass er das ‘Ischā`-Gebet aufgeschoben hat, bis die Abendröte ganz vom Horizont verschwand. Danach verrichtete er das ‘Ischā`-Gebet in völliger Dunkelheit.

 

Zusammenhängende Bedeutung:

Der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, verspätete sich beim ‘Ischā´-Gebet, bis bereits ein Teil der Nacht verstrichen war und die Frauen und Kinder einschliefen, da sie es nicht aushalten konnten, so lange zu warten. Daraufhin ist ‘Ummar Ibn al-Khattāb, Allahs Wohlgefallen auf ihm, zum Propheten,  möge Allah ihn loben und Heil schenken, gegangen und sagte: „Das Gebet! Die Frauen und Kinder sind bereits eingeschlafen.“ Somit kam der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, aus seinem Haus in die Moschee, während noch Wasser aus seinem Kopf tropfte, weil er sich zuvor gewaschen hatte. Das ist ein Beweis dafür, dass es besser ist, das ‘Ischā`-Gebet aufzuschieben, wäre da nicht diese Belastung für die auf das Gebet wartenden: „Würde ich nicht wissen, dass ich damit meine Ummah belasten würde, dann hätte ich ihnen anbefohlen, dieses Gebet zu dieser späten Stunde zu verrichten.“  

 

Meinungsverschiedenheit der Gelehrten:

Die Gelehrten sind unterschiedlicher Meinung bezüglich des ‘Ischā`-Gebets: Ist es besser, das ‘Ischā`-Gebet vorzuziehen oder aufzuschieben? Zur ersten Meinung tendierte eine Gruppe von Gelehrten, mit dem Beweis, dass es zur Gewohnheit des Gesandten Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, gehörte, dass er das Gebet vorzog und es nicht aufschob, außer in einigen wenigen Situationen, um lediglich zu zeigen, dass es entweder legitim wäre oder weil er einen triftigen Grund dafür hatte. Wäre das Aufschieben besser, dann hätte er es auch kontinuierlich getan.

Der Großteil der Gelehrten hingegen sagen, dass es besser ist, das ‘Ischā`-Gebet aufzuschieben. Dabei nehmen sie diese zahlreichen authentischen Aĥādīthe als Beweis. Die Tatsache, dass er das Aufschieben nicht kontinuierlich einhielt ist, weil er befürchtet hatte, dies würde zu einer Belastung der Betenden führen. Er hat es ja schließlich auch eine Nacht aufgeschoben, doch dann gesagt: „Diese (späte) Zeit, ist ihre Zeit, wäre da nicht diese Belastung für meine Ummah.“

 

Der Nutzen aus diesem Ĥadīth:

  1. Das Beste beim ‘Ischā`-Gebet ist es, das Gebet aufzuschieben. Das, was es wieder aufhebt, ist die Belastung, die dabei entstehen könnte.
  2. Eine generelle Belastung führt in der gnädigen Scharī‘ah dazu, dass diese bestimmte Sache einfach und leicht gemacht wird.
  3. Manchmal kann es vorkommen, dass eine Tat, die gut ist, einer anderen Tat vorgezogen wird, die vortrefflich ist, wenn dabei Umstände und Verwicklungen auftreten können.
  4. Die vollkommene Nachsichtigkeit und Gnade des Propheten, möge Allah ihn loben und Heil schenken, mit seiner Ummah.
  5. Die Tatsache, dass einige Frauen und Kinder am Gemeinschaftsgebet mit dem Propheten, möge Allah ihn loben und Heil schenken, teilgenommen haben.
  6. Die Offenheit von ‘Ummar, Allahs Wohlgefallen mit ihm, mit dem Propheten, möge Allah ihn loben und Heil schenken, da er wusste, dass er auf den Charakter des Propheten, möge Allah ihn loben und Heil schenken, vertrauen konnte.
  7. Hierin ist ein Beweis dafür, dass es legitim ist, die Größen auf eine Sache hinzuweisen, wenn man vermutet, dass sie es vergessen haben oder weil damit ein Nutzen erzielt werden kann.

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