Ĥadīth 50:„Wenn zum Gebet aufgerufen wird und das Abendessen bereitsteht, dann fangt mit dem Abendessen an.“

Ĥadīth-Nr.: 50

Von 'Ā`ischah, Allahs Wohlgefallen auf ihr, wird berichtet, dass der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, sagte: „Wenn zum Gebet aufgerufen wird (Iqāmah) und das Abendessen bereitsteht, dann fangt mit dem Abendessen an.“ Und von Ibn 'Ummar wurde ähnliches überliefert.

 

Zusammenhängende Bedeutung:

Das Gebet erfordert Demut (Khuschū‘), Unterwürfigkeit und die Anwesenheit des Herzens, denn all das ist die Seele des Gebets. Erst diese Dinge machen das Gebet vollkommen oder unvollkommen.

Wenn nun also zum Gebet aufgerufen wird und Essen oder Trinken bereitstehen, dann sollte man mit dem Essen und Trinken beginnen, damit die Begierde des Betenden gebrochen wird und seine Gedanken nicht mehr an diese Dinge gebunden sind. Denn Beides lassen die Demut, die ja der Kern des Gebets ist, aus seinem Herzen entweichen. Dies gilt aber nur, solange die Zeit für das Gebet nicht eng wird.

Wenn die Zeit eng wird, dann muss das Gebet zur rechten Zeit, vorgezogen werden und das gegenüber jeglicher Sache, denn das Wünschenswerte (muştaĥab) darf niemals das Erforderliche (wādjib) verdrängen.

 

Der Nutzen aus diesem Ĥadīth:

  1. Wenn Essen und Trinken mit der Fälligkeit des Gebets bereit stehen, fängt man mit ihnen an, solange die Zeit für das Verrichten des Gebets zur rechten Zeit nicht knapp wird. In diesem Fall ist das Gebet jeglicher Sache vorzuziehen.
  2. Nach dem Wortlaut des Ĥadīths zu urteilen, ist dies allgemein gültig, egal ob man ein Verlangen nach diesem Essen hat oder nicht. Doch viele Gelehrte haben es von der Bedingung abhängig gemacht, dass man ein Verlangen nach diesem Essen hat. Dieses entnahmen sie aus der Ursache, die sie hinter der Absicht des Gesetzgebers verstanden haben.
  3. Das Verlangen des Bedürftigen nach Essen ist eine Entschuldigung für ihn, dem Gebet in der Gemeinschaft fernzubleiben. Doch darf er aber nicht die Essenszeit immer wieder auf die Zeit des Gebets legen, sodass es für ihn zur Gewohnheit wird.
  4. Demut und das Unterlassen von allem, was einen davon ablenkt, ist beim Gebet erwünscht, damit das Herz beim Erflehen ihres Herrn auch anwesend ist.

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